Computerspiel-Sucht (Videospiel-Sucht)

von Dr. Armin Kaser | Psychologe | 20.10.2021

2-4 % sind laut WHO-Kriterien süchtig nach Computerspielen. Wie man eine Videospiel-Sucht erkennt, was Eltern tun können und wie die Therapie funktioniert, lesen Sie hier.

Computerspiel-Sucht

Zusammenfassung

  • Seit Juni 2018 ist Computerspiel-Sucht (auch: Computersucht, Videospiel-Sucht) offiziell von der Weltgesundheitsorganisation als psychische Krankheit anerkannt.
  • ComputerspielsĂĽchtige und ihre Familien leiden massiv unter der Sucht. Ihr Alltag, Schule oder Job sind schwer beeinträchtigt.
  • Computerspiel-Sucht hat psychische und körperliche Folgen: Vereinsamung, Schul- und Studienabbruch, Jobverlust, Armut und Depression bis hin zu Suizidgefahr.
  • Die meisten SĂĽchtigen leiden an mindestens einer weiteren psychischen Störung wie Depressionen, Ă„ngsten oder Persönlichkeitsstörungen.
  • Helfen können Psychologen, Suchtkliniken und in leichten Fällen Techniken zur Selbsthilfe (zu meiner Online-Beratung).

Symptome

Typische Symptome einer Computerspielsucht sind:

  1. Unwiderstehliches Verlangen: Im Alltag kreisen die Gedanken immer wieder um Computerspiele und die nächste Gelegenheit weiterspielen zu können.
  2. Kontrollverlust: Dem Betroffenen ist nicht bewusst, wie viel seines Alltags er mit Computer und Konsole verbringt. Er hält es auch nicht durch, wenn er sich vornimmt, die Spielzeit zu reduzieren.
  3. Entzugserscheinungen: Kann der Süchtige nicht spielen (z. B. in Arbeit, Schule oder bei einem Verbot) wird er aggressiv, unruhig, nervös, reizbar.
  4. Toleranzentwicklung: Je länger die Sucht andauert, desto mehr muss er spielen. Aus anfänglich wenigen Stunden täglich werden immer mehr.
  5. Weiterspielen trotz negativer Konsequenzen: Auch wenn er erkennen kann, dass das exzessive Spielen zu Problemen in Schule und Job, zu Konflikten in der Familie und psychischen und körperlichen Folgen führt, spielt er weiter.
  6. Verheimlichung und Lügen: Typisch für Verhaltenssüchte ist, dass die Betroffenen ihre Eltern, Partner oder Familie belügen und heimlich weiterspielen. So fällt oft lange nicht auf, wie schwerwiegend das Problem bereits geworden ist.

Online-Tests

Kostenlos, 2 Minuten, ohne Registrierung:

đź“ť Test: Bin ich computerspielsĂĽchtig?
đź“ť Test: Ist mein Kind computerspielsĂĽchtig?
đź“ť Test: Ist mein Partner computerspielsĂĽchtig?

Häufigkeit

Studien ergeben, dass zwischen 2 und 4 % der Untersuchten computerspielsĂĽchtig sind.

Die große Bandbreite hängt mit dem untersuchtem Land, mit den Untersuchungsmethoden und unterschiedlichen Altersgruppen zusammen. Asiatische Länder wie China scheinen mit besonders hohen Zahlen trauriger Vorreiter zu sein. Es ist aber zu befürchten, dass Österreich und Deutschland weiter aufholen.

Diagramm: Häufigkeit von Internet- und Computerspielsucht - Länder im Vergleich - Forscher weltweit kommen zu unterschiedlichen Zahlen. Das ist auf tatsächliche Unterschiede, aber auch auf unterschiedliche Erhebungsmethoden zurückzuführen.
Forscher weltweit kommen zu unterschiedlichen Zahlen. Deutschland und Ă–sterreich liegen im Mittelfeld.

Großteils männlich

Männer und Jungen sind viel häufiger computerspielsĂĽchtig als Frauen. In Beratungsstellen melden sich zu 96 % Männer.

Sie haben eine Vorliebe für Wettkampf und Spielgenres, die eher süchtig machen: 3D-Shooter, MOBAs und Rollenspiele. Frauen bevorzugen eher soziale Netzwerke wie Instagram – sie werden eher internet- und onlinesüchtig.

Ursachen

Computerspiel-Sucht hat Ursachen in 3 Bereichen:

1. In der Persönlichkeit des Betroffenen selbst: Manche Menschen sind genetisch bedingt anfälliger für Süchte. Introvertierte und Schüchterne haben weniger Freunde und Hobbys, Computerspiele sind für sie verlockender. Einsamkeit und emotionale Instabilität sind ebenfalls ungünstig.

2. In den Merkmalen der Computerspiele: Spieleentwickler bauen absichtlich Belohnungsmechanismen ein, die Gefühle der Freude und Zufriedenheit auslösen. Besonders Gratis-Spiele und Rollenspiele verwenden psychologische Tricks, um zum Weiterspielen zu motivieren und möglichst lange an das Spiel zu fesseln. Für die meisten Spieler ist das kein Problem, ein kleiner Teil wird davon aber süchtig. Auch ob man das Spiel alleine oder im Multiplayer-Modus im Internet spielt, macht ebenfalls einen Unterschied.

3. In Familie, Umwelt und Gesellschaft: eine Familie kann vor Sucht schützen. Familiäre Probleme, Konflikte und Schicksalsschläge wie Tod oder Scheidung verursachen eine Computerspiel-Sucht aber oft mit. Eltern sind manchmal selbst schlechte Vorbilder. Die Gesellschaft trägt ebenfalls dazu bei: Leistungsdruck, ständige Verfügbarkeit von Mobile Games und Sozialen Netzwerken und ein hoher Grad von Digitalisierung. Dazu kommt ein deutlicher Trend zu Einsamkeit, Individualismus und allein lebenden Singles.

Das TRIAS-Modell bei Computerspiel-Sucht - Jede Sucht hat ihre Ursache in 3 Bereichen
Das Trias-Modell erklärt die Entstehung von Computerspiel-Sucht.

Begleiterkrankungen

Ăśber 90 % der Computerspiel-SĂĽchtigen leiden zusätzlich an einer anderen psychischen Störung.

Am häufigsten sind Persönlichkeitsstörungen (52 %), Angststörungen (50 %) und Depressionen bzw. Burnout.

Diagramm: Die häufigsten Begleiterkrankungen - Komorbidität bei Computerspiel- und Internet-Sucht
Mehr als 90% der Computerspiel-Süchtigen leiden an einer weiteren psychischen Störung wie Depressionen, ADHS oder Persönlichkeitsstörungen.
  1. Bei Persönlichkeitsstörungen (52 %) sind GefĂĽhlsleben, Denken und die Beziehungen zu anderen Menschen in besonderer Weise ausgeprägt, unflexibel oder wenig angepasst. Die häufigsten sind Paranoia, Borderline, Hysterie/histrionisch, Narzissmus, ängstlich-vermeidend (schĂĽchtern), dependent, zwanghaft. (Hier selbst online testen).
  2. Depression und Burnout sind die gefährlichsten Begleiterkrankungen, weil damit eine hohe Suizidrate einhergeht. Bei gedrückter Stimmung, Interessenverlust und Freudlosigkeit, Schlafstörungen und Traurigkeit sollten Sie sich professionelle Hilfe holen.
  3. ADHS (24 %) scheint oft zu Computerspiel-Sucht zu fĂĽhren. Eine Erklärung ist, dass Computerspiele schnelle, einfache Belohnungen und GlĂĽcksgefĂĽhle bieten. Diese “unnatural rewards” finden ADHS-Kinder und -Erwachsene im echten Leben sonst nicht.
  4. Angststörungen (z. B. soziale Ă„ngste) sind bei 50 % der Computerspiel-SĂĽchtigen zu finden. Die extreme SchĂĽchternheit, Unsicherheit und ein Mangel an sozialer Kompetenz machen es schwer, im echten Leben Beziehungen und Hobbys aufzubauen.
Diagramm: Teufelskreis: Soziale Ă„ngste und Computerspiel-Sucht
Soziale Angst (auch: soziale Phobie) und Computerspiel-Sucht verstärken sich gegenseitig.

Co-Abhängigkeit

Nicht nur der Betroffene selbst leidet unter seiner Computerspiel-Sucht. Eltern, Partner und Freunde versuchen aus Mitleid oder Liebe, den SĂĽchtigen in Schutz zu nehmen und ihn vor den Konsequenzen seiner Sucht zu beschĂĽtzen. Sie hoffen, ihm damit etwas Gutes zu tun.

Leider fördert diese Co-Abhängigkeit die Sucht nur noch weiter und alle Anderen leiden auch selbst immer mehr an der Situation.

Folgen

Jede Sucht hat Folgen. Unter einer Computerspiel-Sucht leiden der Betroffene selbst, aber auch Eltern, Familie, Partner und Kinder.

  1. Einsamkeit und sozialer RĂĽckzug: Eltern, Partner, Familie und Freunde versuchen oft noch lange, den Computerspiel-SĂĽchtigen auĂźer Haus zu locken. Sie verstehen nicht, dass die Sucht das Problem ist. Am Ende geben Sie desillusioniert auf. Dann bleiben dem SĂĽchtigen nur noch seine Online-Kontakte, die oft in derselben Situation gefangen sind. Eine Besserung wird damit immer unwahrscheinlicher.
  2. Depression und Suizidgefahr: Manchmal löst eine bestehende Depression die Computerspiel-Sucht aus. Umgekehrt kann die Einsamkeit, Konflikte, Leidensdruck und Hoffnungslosigkeit der Computerspiel-Sucht auch eine Depression verursachen. Eine Depression ist gefährlich, weil ĂĽber 15 % der Schwer-Depressiven sich das Leben nehmen. Wie Sie eine Depression erkennen lesen Sie hier. Schon bei leisem Verdacht sollte professionelle Hilfe geholt werden.
  3. Schlechte Noten, Schul- und Studienabbruch: Durchgezockte Nächte und Schlafstörungen lassen die Konzentration in der Schule schwinden. Hausarbeiten werden kaum noch erledigt, viele computerspielsüchtige Jugendliche brechen die Schule ab. An der Universität fällt es oft über Monate niemanden auf, wenn Vorlesungen und Prüfungen mit Computerspielen ersetzt werden. An einen Studienabschluss ist dann nicht mehr zu denken. Eine Computerspiel-Sucht beendet fast immer die Schul- und Studienlaufbahn.
  4. Jobverlust: Arbeitskollegen fällt recht schnell auf, wenn exzessives Spielen am Abend und in der Nacht die Arbeit am nächsten Tag beeinträchtigt. Viele Büroarbeiter haben auch am Arbeitsplatz Zugang zu Computerspielen oder mindestens zu Smartphones. Dann spielen sie lange Zeit unbemerkt während der Arbeitszeit. Manche Computerspiel-Süchtige verlieren ihren Job oder ihre Ausbildungsstelle, wenn das entdeckt wird. Die meisten kommen allerdings von alleine irgendwann nicht mehr zur Arbeit.
  5. Armut: Längere Suchtkrankheiten beenden Schul- und Arbeitskarrieren. Die Betroffenen holen das meist ihr ganzes Leben nicht mehr auf. Schul- und Studienabbrüche verhindern einen späteren beruflichen Aufstieg, Arbeitslosigkeit führt direkt in Armut und Existenzprobleme.
  6. Psychische Störungen: Fast 90 % der Computerspiel-SĂĽchtigen leiden unter einer zweiten psychischen Störung. ADHS, Depressionen, Angststörungen, soziale Phobien und Persönlichkeitsstörungen verschlimmern sich, wenn die Computerspiel-Sucht fortschreitet. Manchmal wird aus einem ĂĽberschaubaren Problem wie SchĂĽchternheit eine gravierende Störung, wenn Belastung und Konflikte durch die Sucht eskalieren.
  7. Körperliche Schäden: Computerspiel-Süchtige sind fast immer entweder auffällig schlank oder deutlich übergewichtig. Aktive Freizeitgestaltung und Hobbys haben sie aufgegeben. Auch die Ernährungsgewohnheiten ändern sich hin zu Fast Food, weil es bequemer und schneller zuzubereiten ist. Auch Haltungsschäden sind häufig, weil die Muskulatur wegen mangelnder Bewegung verkümmert. Augen und Hände werden am meisten und auf unnatürliche Art beansprucht. Die Folgen sind Kurzsichtigkeit (bei Kindern), trockene Augen (Sicca-Syndrom) und Sehnenscheidenentzündungen.
  8. Schlafstörungen: Online-Computerspieler treffen sich meist spät am Abend oder in der Nacht. Der Tag-Nacht-Rhythmus verschiebt sich Stunde um Stunde immer weiter.

Tipps

Bei leichten Fällen können Eltern oder Partnerinnen noch versuchen, selbst zu helfen. Wichtig ist dabei das geschickte Ansprechen: Überlegen Sie sich vorher, was sie erreichen wollen. Was ist realistisch? Ziele können sein: Reduktion der Spielzeit, Wiederaufnehmen alter Hobbys und zu zeigen, dass Sie sich um ihn sorgen.

Wer mehr versuchen will, kann 3 psychologische Techniken ausprobieren:

  1. Belohnungsplan: Ein psychologisches Instrument aus der Verhaltenstherapie, das auch Laien versuchen können. Positives Verhalten wird mit Belohnungen verstärkt. Vor allem für Kinder und Jugendliche geeignet.
  2. Tageszeitkuchen: Die Spielzeit wird protokolliert, um einen Ăśberblick ĂĽber das AusmaĂź zu bekommen. Dann werden Alternativen ĂĽberlegt, die freie Zeit besser zu nutzen.
  3. Kosten-Nutzen-Analyse: Motive und Konsequenzen der Computerspiel-Sucht werden untersucht. Welche Ursachen und Krankheitsgewinne beeinflussen die Sucht im Hintergrund?

Zu allen Techniken finden Sie Gratis-Unterlagen zum Download.

Was wohl nicht funktionieren wird: ein generelles Computerspiel-Verbot und technische Hindernisse (Router verstecken, Accounts löschen).

Professionelle Hilfe

In schweren Fällen oder wenn die Probleme schon lange andauern suchen Sie sich besser professionelle Hilfe.

Für Computerspiel-Sucht gibt es spezielle Therapieprogramme. In einigen wenigen Fällen ist ein stationärer Aufenthalt in einer Spezial-Klinik sinnvoll. Dort wird in der Regel ein kalter Entzug gemacht, oft mit medikamentöser Unterstützung.

Bei Psychologen besteht die Beratung und Therapie eher aus

  • Verhaltenstherapie: mit Information, dem Erkunden der Ursachen, Erstellen von konkreten Plänen und dem Erlernen von Strategien gegen RĂĽckschläge.
  • Familientherapie: um schlechte Verhaltensmuster zu verändern und Konflikte zu entschärfen.
  • Gruppentherapie: in der die Betroffenen soziale Skills einĂĽben, Selbstvertrauen gewinnen und sich gegenseitig unterstĂĽtzen.

Ein guter erster Ansprechpartner ist ihr Hausarzt, weil er Sie und/oder den Süchtigen schon kennt. Suchtberatungsstellen in Ihrer Nähe haben vielleicht auch passende Angebote. Es gibt außerdem einige wenige spezialisierte Kliniken in Deutschland und Österreich.

Diagramm: Behandlung und Therapie von Computerspiel- und Internet-Sucht - Professionelle Hilfe finden
Erste Ansprechpartner sind Online-Sprechstunden, Sucht-Beratungsstellen oder Hausarzt. Hilfe holen in der Regel zuerst Eltern, Partner und Angehörige. Sie müssen den Süchtigen nicht zur Beratung mitbringen.
Dr. Armin Kaser - Psychologe mit Online-Beratung

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Die 5+ besten Erfahrungsberichte

Leider ist es selten, dass ehemaligen Computerspielsüchtige in der Öffentlichkeit von Ihrer Abhängigkeit und Therapie erzählen.

Ronald Stolz war 10 Jahre süchtig nach World of Warcraft, vor 4 Jahren gelang es dem mittlerweile 39-Jährigen die Online-Welt Stück für Stück hinter sich zu lassen. Jetzt leitet er eine die Initiative “Extra-Life” mit Selbsthilfegruppe und hält Vorträge in Schulen.

Liby L. lebte 10 Jahre lang nur für seine Computerspiele. 10 Jahre lang drehte sich das Leben des 30-jährigen Schweizer nur noch um Computerspiele. Bis zu 20 Stunden täglich verbrachte der 30-jährige vor dem PC.

Das hinterließ Folgen: 150 kg schwer, kaum noch in der Lage normal zu sprechen bekommt er einen Platz im “Projekt Alp” und wagt dort den radikalen Entzug.

Florian Buschmann (20) erzählt im Bericht des MDR, wie er sich mit 13 aus der realen Welt zurückzieht, von Interessensverlust und von seinen verzweifelten Eltern. Seine Erfahrungen und wie er es geschafft hat, seine Videospiel-Sucht zu überwinden beschreibt er in seinem Buch.

Damian (28) erzählt im Bericht zu Gaming Disorder von 16 Stunden Computerspielen am Tag, von Schulabbruch und machtlosen Eltern.

Cam Adair (29) erzählt im TED-Vortrag “Escaping video game addiction” die Geschichte seiner Computerspiel-Sucht und wie er es vor 3 Jahren geschafft hat, davon wieder loszukommen.

Jens (29) versucht seine Computerspiel-Sucht und Depression mit zwei Aufenthalten in Suchtklinik zu ĂĽberwinden.

Fallbeispiel

Martin, arbeitslos, 23 Jahre

Martin kommt auf Druck seiner Eltern, aber nicht unfreiwillig in das Erstgespräch. Er schildert seinen Alltag, der sich seit 8 Monaten nur noch um sein Lieblingsspiel League of Legends dreht. Früher war Computerspielen noch ein normales Hobby mit durchaus normalen Spielzeiten. Als die Probleme an seinem Arbeitsplatz in einer Werkstatt angefangen haben, änderte sich das allerdings massiv.

Um sich von den Problemen und seinen Verpflichtungen abzulenken spielt er immer mehr, bis hin zu schlaflosen, durchspielten Nächten. In der Arbeit fällt das zusätzlich zu den bestehenden Konflikten auf, schließlich wird ihm gekündigt. Zu diesem Zeitpunkt fühlt er sich depressiv und schafft es nicht, sich arbeitslos zu melden. Das gelingt ihm erst Monate später, als es bereits große finanzielle Probleme gibt.

Sein Freundeskreis hat sich mittlerweile abgewandt, obwohl sie noch lange versucht hatten, ihn zu motivieren und mitzunehmen. Weil er mangels sozialer Kontakte und Verpflichtungen kaum noch außer Haus geht, hat er auch Körperpflege und Ernährung vernachlässigt. Deshalb hat er deutlich zugenommen, was seinen Selbstwert weiter sinken lässt.

Die meiste Zeit des Tages fühlt er sich traurig und hoffnungslos, das Spielen kann das nur kurzfristig verdrängen. Die letzten Monate empfindet er als sinnlos, hat auch selbst schon versucht, sein Spielen einzuschränken – ist aber mehrmals gescheitert.

Für die Therapie entschieden hat er sich, weil die Konflikte mit den Eltern immer gravierender werden, aber auch, weil das Arbeitsamt mit Einstellung des Bezugs droht. Von der Therapie erhofft er sich, wieder einen normalen Tagesablauf und in der Folge wieder einen Arbeitsplatz zu finden. Er möchte bei seinem Freundeskreis wieder Anschluss finden und das depressive Grübeln bessern.

Die 5+ besten Dokus

Computerspiel-Sucht | ZDF Zoom

Fast 700.000 Kinder und Jugendliche sind in Deutschland computerspielsüchtig oder laufen Gefahr in die Abhängigkeit zu driften. In der Doku kommen Suchtexperten wie Prof. Thomasius und ehemalige Süchtige, die den Ausstieg mit einer Psychotherapie geschafft haben, zu Wort.

Gaming: Wann ist es Computerspielsucht? | NDR

Eltern streiten mit ihren Kindern und Jugendlichen Tag für Tag um das richtige Maß an Computer- und Smartphonenutzung. In der NDR Doku kommen unter anderem Manfred Spitzer und Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter am Suchtbereich des UKE zu Wort.

Web Junkies | Chinesische ComputerspielsĂĽchtige

China war das erste Land, das Computerspiel-Sucht als ernst zu nehmende Krankheit einstufte. Die “Behandlung” besteht dort allerdings aus Zwangseinweisungen in geschlossene Kliniken, die mehr an militärische Gefängnisse erinnern.

Die israelischen Journalisten werfen einen Blick in eine solche Einrichtung und treffen auf verzweifelte, unglĂĽckliche Jugendliche und ĂĽberforderte Eltern.

Computerspiel-Sucht | Brutale Realität

Als eine der ersten Sendungen berichtet das ZDF-Magazin Mona Lisa von damals neuen Phänomen der computerspielsüchtigen Jugendlichen. Sie verfolgen, wie der Computerspiel-Süchtige Laslo sich für 6 Monate in eine Spezialklinik begibt.

Während der Therapie sprechen mit einer Mutter, die gegen die Sucht ihres Sohnes ankämpft und mit den Psychologen des Caritas-Projekts “Lost in Space” in Berlin.

Computerspiel-Sucht | Mit Therapie ins Leben zurĂĽck

Das ARD [W] wie Wissen-Team besucht das LWL-Klinikum Gütersloh, wo Computerspielsüchtige ganz ähnlich wie Drogen- oder Alkoholabhängige behandelt werden.

Der Suchttherapeut Christian Groß hilft den zumeist jungen Männern, die Einsamkeit des Zimmers zu verlassen und zurück ins Leben zu finden. Die Betroffenen lernen wieder eine geregelte Tagesstruktur mit festen Mahlzeiten und Schlafenszeiten.

Auf Entzug | Ein Internet-SĂĽchtiger geht offline

Das Reporterteam von Deutsche Welle besucht einen 20-jährigen Berliner, der versucht, von seiner Sucht loszukommen. Er erzählt, wie er die Kontrolle über das Spielen verloren hat und nun versucht, mit professioneller Hilfe wieder ein normales Leben zu führen. Ein 10-wöchiger Aufenthalt in einer Suchtklinik soll dabei helfen.

Internet-Sucht | Viele junge Menschen betroffen

Rund 270.000 Jugendliche gelten in Deutschland als gefährdet. Während das Problem der computerspielsüchtigen Männer schon in der Gesellschaft angekommen ist, holen junge Frauen zunehmend auf. Sie werden süchtig nach sozialen Netzwerken: Instagram und Facebook.

Smartphone-Sucht | Wenn das Handy das Leben ĂĽbernimmt

Durchschnittlich 88 mal am Tag nehmen wir unser Smartphone in die Hand. Das unterbricht den Allltag und macht auch im Beruf unproduktiv. Was aber, wenn man die Kontrolle ĂĽber Whatsapp, TikTok und Instagram verliert?

Digital Detox-Angebote boomen, aber für tatsächlich Internet- und Computerspiel-Süchtige reicht das nicht mehr. Sie suchen sich Hilfe bei Psychologen, Therapeuten und in Kliniken. Der Bayrische Rundfunk hat mit ihnen und Betroffenen gesprochen.

Die 5+ Top-Experten

Prof. Dr. Bert te Wildt

Der Chefarzt der Psychomatischen Klinik Kloster Dießen ist Mitbegründer des Fachverbands Medienabhängigkeit. Er beschäftigt sich klinisch und wissenschaftlich mit Computerspiel-Sucht und Internetabhängigkeit und hat auch mit “Digital Junkies” eines der wichtigsten Bücher zum Thema geschrieben.

“Fortnite spielt eine zunehmende Rolle bei denen, die sich wegen Computerspiel-Sucht bei uns vorstellen.”

Dr. Klaus Wöfling

Der Diplompsychologe leitet die Ambulanz für Spielsucht an der Universitätsmedizin Mainz. Er ist zudem Autor von Computerspiel- und Internet-Sucht, dem bisher besten Manual zur verhaltenstherapeutischen Behandlung von Computerspiel- und Internet-Sucht.

“Es geht nicht um eine Abstinenz von Computerspielen oder von sozialen Netzwerken, sondern um eine Reduktion.”

Prof. Manfred Spitzer

Der Gehirnforscher und Professor für Psychiatrie der Universität Ulm schreibt recht provokante Bestseller über die Wirkung von Medien, von Smartphones und Computerspielen. Kritiker bemängeln seine wissenschaftlichen Methoden und brandmarken seine direkte und provokante Art als alarmistisch.

“Mehr iPads in der Schule … schaden nachweislich der kindlichen Entwicklung”

Dennoch sind sowohl Bücher als auch Vorträge lesens- und hörenswert – nicht zuletzt wegen der zahlreichen Quellennachweise, auf die manche anderen Kollegen verzichten.

Im Vortrag “Von der digitalen Demenz zur Smartphone-Pandemie” erzählt Manfred Spitzer von depressiven Facebook-Nutzern, Stress durch soziale Medien, Smartphone-Zombies. Er ist auch erklärter Gegner einer naiven Digitalisierung von Schulen und warnt vor dem großen Schaden, unter dem besonders schwache und benachteiligte Schüler leiden.

Dr. Kurosch Yadzi

Der Leiter der Klinik für Psychiatrie Suchtmedizin des Kepler Universitätsklinikums in Linz, Österreich ist zugleich Vorstandsvorsitzender der pro mente Oberösterreich, die eine Ambulanz für Spielsucht bietet.

“Am Computer lernen die Kinder schon Dinge – aber nicht Dinge, die sie im echten Leben dann umsetzen können.”

Der Autor von “Junkies wie wir” erklärt was Nikotin, Alkohol, Drogen und Verhaltenssüchte (Computerspiel-Sucht, Social Media, Online-Pornografie, Glücksspiel) gemeinsam haben, was sie unterscheidet und wann aus normalem Computerspielen eine Krankheit wird.

Dr. Kimberly Young

Die Gründerin des Zentrums für Internetabhängigkeit in den USA war eine Pionierin zu Computerspiel- und Internetsucht. 1998 entwickelte sie den ersten wissenschaftlichen Test zu Internet-Abhängigkeit (Internet Addiction Test, IAT). Außerdem werden ihre Richtlinien für die Vermeidung und Behandlung von Computerspiel-Sucht auch heute noch als sinnvoll erachtet.

Im Vortrag zur TED-Konferenz zeigt sie, wie man Anzeichen von Internet-Abhängigkeit erkennen kann und in welchem Alter und Umfang man Kindern Technologie und Medien im Alltag erlauben sollte.

Die 5+ besten BĂĽcher

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe empfehlenswerter BĂĽcher zu Computerspiel-Sucht. Noch mehr finden Sie im Blog-Artikel.

Digital Junkies: Internetabhängigkeit und ihre Folgen

Buch "Digital Junkies" von Bert te Wildt

Bert te Wildt | Amazon

Bei manchen Menschen sind Computerspiele und Internet Ersatz fĂĽr unerfĂĽllte WĂĽnsche und Ziele im echten Leben. Sie werden sĂĽchtig, vereinsamen und verwahrlosen. Bert te Wildt, einer der bekanntesten Experten fĂĽr Computerspiel-Sucht, beschreibt, wie sich altbekannte SĂĽchte wie GlĂĽcksspiel- und Kaufsucht ins Internet verlagern.

Inhalte: Diagnose, und Behandlung von Internet- und Computerspiel-Sucht, Erste Hilfe und Umgang mit Krisen und Prävention durch Politik, Pädagogik und im privaten Umfeld.

Computerspiel- und Internetsucht: Ein Behandlungsmanual

Buch zur Diagnostik und Behandlung von Computerspiel-, Internet- und Onlinesucht von Wöfling

Klaus Wöfling, Christina Jo, Isabel Bengesser, Manfred E. Beutel und Kai W. Müller | Amazon

Das beste Buch fĂĽr Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater: Eine erprobte kognitiv-behaviorale Verhaltenstherapie speziell fĂĽr Computerspiel-Sucht entwickelt.

Inhalte: Detaillierte Beschreibung der Vorgehensweise fĂĽr 15 Sitzungen, Anleitung zur Erstellung des SORCK-Schemas (Verhaltensanalyse) und Fallbeispiele aus der Ambulanz fĂĽr Spielsucht in Mainz. Inklusive Unterlagen fĂĽr die therapeutische Arbeit.

Ratgeber Videospiel- und Internetabhängigkeit

Buch: Ratgeber und Hilfe bei Sucht und Abhängigkeit von Computer, Games und Internet.

Daniel Illy und Jakob Florack | Amazon

Beide Autoren sind Fachärzte für Psychiatrie und arbeiten mit Kinder und Jugendlichen. Das Buch geht auch auf aktuelle Entwicklungen wie Free2Play und der gezielten Nutzung von suchtfördernden Mechanismen in Videospielen ein.

Inhalte: Die Rolle der Angehörigen, Teufelskreis Sucht, Neurobiologische Grundlagen von Computerspiel-Sucht, und die Gefahr von Suchtverschiebungen. Bonus: Tipps für den Umgang mit Betroffenen.

Onlinesucht: Ein Ratgeber fĂĽr Eltern

Buch: Ratgeber Onlinesucht fĂĽr Eltern und Betroffene von Isabel Willemse

Isabel Willemse | Amazon

Das beste Buch für Eltern, Partnerinnen und Angehörige. Gut aufgebaut und verständlich erklärt. Behandelt allerdings Internet-Sucht im Allgemeinen, nicht speziell Computerspiel-Sucht.

Inhalte: Die Entstehung von Online-Sucht – Risikofaktoren, lerntheoretische Aspekte und aufrechterhaltende Faktoren, Begleiterkrankungen: Depression, Ängste, Schlafstörungen und ADHS und Vorbildfunktion und Regeln zur Mediennutzung in der Familie.

Digitale Demenz

Buch Digitale Demenz des Hirnforschers Manfred Spitzer

Manfred Spitzer | Amazon

Der Klassiker unter den medienkritischen Büchern. Etwas provokant geschrieben (“wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen”) allerdings auch mit Studien und Quellenangaben hinterlegt.

Hat ein groĂźes, recht negatives Medienecho erhalten, unter anderem von Der Standard, und Hannoversche Allgemeine. Trotzdem lesenswert. Der Nachfolger ist: Die Smartphone-Epidemie.

Spielwiese Internet: Sucht ohne Suchtmittel

Fachbuch zu Internetsucht Onlinesucht von Kai MĂĽller

von Kai MĂĽller | Amazon

Der Psychologe behandelt an der Ambulanz für Spielsucht der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Mainz Computerspiel-Süchtige und ist Spezialist für substanzungebudene Abhängigkeitserkrankungen (Verhaltenssüchte).

Inhalte: Die Bedeutung von Persönlichkeitsmerkmalen und des sozialen Umfelds, Erkennungsmerkmale von Verhaltenssüchten und die Stadien suchtartigen Internetverhaltens.

Die 5+ besten Online-Artikel

Heise c’t: Die Psycho-Tricks der App-Entwickler beschreibt, mit welchen psychologischen Tricks die Games- und App-Industrie Nutzer von ihren Diensten und Spielen abhängig macht.

Pc Games: Seid ihr sĂĽchtig nach Videospielen? Macht den Test! ĂĽber einen Online-Test zu Computerspiel-Sucht, den mehrere Universitäten zusammen entwickelt haben.

Gamestar: GameStar Podcast: Was Service-Games so gefährlich macht, und wie man der Suchtspirale entkommt mit den Experten Daniel Illy und Jakob Florack.

Golem: Fortnite soll absichtlich so sĂĽchtig wie möglich machen ĂĽber einen Versuch, Spielehersteller nach dem Vorbild der Tabakindustrie an den Kosten von Computerspiel-Sucht zu beteiligen.

Zeit Online: Wie Ăśberraschungseier, die pleite und sĂĽchtig machen ĂĽber In-Game-Käufe und Lootboxen, mit denen sich schon Kinder massiv verschulden.

Der Standard: Smartphones: Sind soziale Medien gebaut, um sĂĽchtig zu machen? ĂĽber Trigger, Likes und Verhaltenspsychologie.

Zeit Online: Videospiele können Grundbedürfnisse befriedigen, ein Interview mit dem Medienpsychologen Leonard Reinecke. Unter anderem, warum vermehrtes Videospielen in Corona-Zeiten noch kein Alarmsignal ist.

Die besten Podcasts

Game of Phones | der Medienpodcast: In den 30-minĂĽtigen Folgen spricht Podcaster Robin Blase mit Experten ĂĽber Altersempfehlungen bei Fortnite, Kinder, die mit dem Smartphone ruhig gestellt werden oder YouTuber werden wollen, ĂĽber das neue Jugendmedienschutzgesetz. Auf Soundcloud, Spotify und iTunes.

Nur 30 Minuten dann ist aber Schluss! | Podcast zu Medienerziehung: Im vom Elternratgeber SCHAU HIN unterstützten Podcast von Patricia Cammarata und Marcus Richter dreht sich alles um die alltäglichen Probleme mit Kindern, Computerspiele und Smartphone. Empfehlenswerte Folgen: “Ist alles Sucht, was wir Sucht nennen?” und “Zankapfel Computerspiele”. Alle Folgen im Blog, auf Spotify und iTunes.

The Pod | der gamespodcast: Ehemalige Redakteure der Zeitschrift Gamestar besprechen Spiele, Spieldesign und -mechaniken, geben Einblicke, wie die Gamingbranche funktioniert. Empfehlenswerte Folge: #148 Videospielsucht.

Die 5+ neusten Studien

Meta-analysis of the relationship between problem gambling, excessive gaming and loot box spending (Stephen Garea et al., 2021), International Gambling Studies. doi, researchgate, Fulltext.

Association between Internet Gaming Disorder and Comorbid Psychopathology (González-Bueso et al., 2018) über die häufigsten psychischen Begleiterkrankungen. doi, PubMed, Fulltext.

Impact of COVID-19 on gaming disorder (Ko & Yen, 2020) ĂĽber steigende Zahlen von ComputersĂĽchtigen durch Lockdowns und Homeschooling in der Corona-Pandemie. doi, PubMed, Fulltext.

Treatments of internet gaming disorder (Zajac et al., 2020) gibt einen Ăśberblick ĂĽber die Behandlungsmethoden von Computerspiel-Sucht. doi, PubMed, Fulltext.

Cognitive-behavioral therapy for Internet gaming disorder (Stevens et al., 2019) Metastudie zur Wirksamkeit von verhaltenstherapeutischen Behandlungen bei Gaming Disorder. doi, PubMed.

Global prevalence of gaming disorder (Stevens et al., 2019) Zur Häufigkeit von Computerspiel-Sucht mit internationalen Vergleichen. doi, PubMed.

Die 5 meistgelesenen Blog-Artikel

Ăśber die Jahre haben sich viele Blog-Artikel angesammelt. Hier die meistgelesenen Artikel des vergangenen Jahres:

  1. Zahlen und Fakten: Wie häufig ist Computerspiel-Sucht?
  2. SĂĽchtig machende Spiele | Ursachen fĂĽr Computerspiel-Sucht
  3. 9 Folgen einer Computerspiel-Sucht
  4. ADHS | Begleiterkrankungen von Computerspiel-Sucht
  5. Die 15+ besten BĂĽcher zu Computerspiel-Sucht

Eine komplette Ăśbersicht aller Artikel finden Sie im Blog.

Downloads

Präsentation zu Computerspiel-Sucht: Gratis Vorlage zur Verwendung bei Referaten in der Schule oder Präsentationen an der Universität. Gesprochener Text in den Foliennotizen der einzelnen Folien. Keine Quellenangabe nötig, beliebig veränderbar. Zum Download…

Die Kosten-Nutzen-Analyse: Es hilft den Angehörigen, aber auch dem Süchtigen selbst, die Motive, die Vorteile und den Krankheitsgewinn den Kosten und Folgen gegenüberzustellen. Zur Anleitung…

Der Tages-Zeitkuchen: Anstelle des Computerspielens sollen andere, passendere Freizeitbeschäftigungen treten. Das Arbeitsblatt hilft, Ideen zu finden und sie dauerhaft umzusetzen. Zur Anleitung…

Der Belohnungsplan: Eine der besten Techniken aus der Verhaltenstherapie macht sich die Lernfähigkeit des Gehirns zunutze. Belohnungspläne verstärken positives Verhalten (z. B. Freizeitgestaltung abseits des Computers) durch positive Verstärkung. Zur Anleitung…

FAQ – Häufige Fragen

Geht Computerspiel-Sucht von alleine weg?

In 90 % der Fälle leider nicht. Weil dann einfaches Abwarten das Problem leider verschlimmert, ist es besser, frühzeitig einzuschreiten. Hilfe und erste Anlaufstellen sind Psychologen oder (Sucht-) Beratungsstellen.

Was ist Computerspiel-Sucht?

Computerspiel-Sucht ist eine Verhaltenssucht wie Spiel- oder Kaufsucht. Kritisch ist es, wenn Alltag, Schul- oder Berufs und Familienleben erheblich leiden. Mehr zu Folgen, Ursachen und Selbsthilfe und professioneller Hilfe bei Computerspiel-Sucht in den Blogartikeln.

Was sind die Ursachen von Computerspiel-Sucht?

Die Persönlichkeit, genetische Anfälligkeit, psychische Stabilität des Süchtigen, das Design der Computerspiele und die familiäre Situation und moderne Gesellschaft – all das hat Einfluss. Am besten erklärt das das TRIAS-Modell für Computerspiel-Sucht.

Was können Eltern gegen Computerspiel-Sucht tun?

Geschicktes Ansprechen, Verständnis zeigen. Auf generelle Verbote und technische Hindernisse eher verzichten, sie bringen kaum etwas. Sie können auch einfache psychologische Techniken wie Kosten-Nutzen-Analyse oder Belohnungspläne ausprobieren.

Wann soll ich mir wegen Computerspiel-Sucht einen Psychologen suchen?

Wenn Sie keinen Einfluss mehr haben, Anzeichen von Depression oder hoher Aggressivität sichtbar werden. Bei der Entscheidung hilft Ihnen mein Gratis-Test “Besser zum Psychologen?”.

Welche Begleiterkrankungen sind bei Computerspiel-Sucht häufig?

Persönlichkeitsstörung: 52 %, Angststörungen: 50 %, Depressionen: 40%, ADHS: 23 %. Über 90 % der Computerspiel-Süchtigen leiden unter mindestens einer weiteren psychischen Störung. Am gefährlichsten ist dabei die Depression wegen der hohen Suizidgefahr.

Wie verläuft eine Computerspiel-Sucht?

Oft entwickelt sich eine Computerspiel-Sucht aus exzessivem Spielen, wenn Schicksalsschläge (Todesfälle in der Familie, Trennungen) das Leben verändern. Auch berufliche oder biografische Veränderungen (Studienbeginn in einer Fremden Stadt, Arbeitslosigkeit) können der Anfang sein. Dann beginnt der typische Teufelskreis einer Sucht, der über Toleranzentwicklung und Rückzug die Symptome und Folgen weiter verschlimmert.

Ist Computerspiel-Sucht eine echte anerkannte psychische Krankheit?

Ja, Computerspiel-Sucht wurde 2018 von der Weltgesundheitsorganisation WHO als psychische Störung anerkannt (“Gaming Disorder”).

Warum kann man sĂĽchtig nach Computerspielen werden?

Computerspiele wirken auf das Belohnungszentrum des Gehirns. Bei gesunden Spielern löst das positive Gefühle, Flow-Erleben und Freude aus. Ein kleiner Teil wird davon allerdings abhängig und spielt zwanghaft weiter und immer mehr,

Wie erkennt man eine Computerspiel-Sucht?

Die WHO listet als Symptome einer Computerspiel-Sucht: Kontrollverlust, Toleranzentwicklung und Weiterspielen trotz negativer Konsequenzen. Außerdem sollte das zwanghafte Spielen bereits über 6-12 Monate andauern. Die reine Spielzeit ist nicht ausschlaggebend. Ein Test hilft, die Anzeichen einzuschätzen.

Wie ist Computerspiel-Sucht definiert?

Computerspiel-Sucht ist zwanghaftes Spielen von Computerspielen, bei dem der Süchtige die Kontrolle verloren hat und trotz negativer Konsequenzen sein Verhalten nicht ändern kann.

Was sind die besten Tipps gegen Computerspiel-Sucht bei Kindern?

Beugen Sie mit Mediennutzungsvereinbarungen vor, informieren Sie sich über kindgerechte Mediennutzung (kein eigenes Smartphone oder Computer im Kinderzimmer vor 12 Jahren) und sprechen Sie das Problem in einem ruhigen Moment an. Eine schriftliche Vorbereitung auf das schwierige Gespräch hilft.

Was sind die besten Tipps gegen Computerspiel-Sucht bei Erwachsenen?

Planen Sie Ihren Tagesablauf, legen Sie dezidierte Offline-Zeiten fest. Geben Sie Real Life-Aktivitäten immer den Vorzug (Hobbys, Sport, Freunde etc.) und füllen Sie nur Lücken mit Computerspielen. Vermeiden Sie Spiele, die eher großes Abhängigkeitspotenzial haben: MMORPGs, MOBAs und Spiele mit Lootboxen und Free2Play-Monetarisierungsmodellen.

Was passiert bei Computerspiel-Sucht im Gehirn?

Games stimulieren das Belohnungszentrum im Gehirn, was bei gesunden Spielern Flow-Erleben, Freude und Entspannung auslöst. Süchtige werden von den Belohnungsreizen allerdings abhängig, bisherige Hobbys und Aktivitäten werden im Vergleich weniger attraktiv. Mit zunehmender Dauer gewöhnt sich das Gehirn an die Reize und der Süchtige muss immer mehr spielen, um weiterhin die positiven Gefühle zu empfinden (Toleranzentwicklung).

Wie ist die Prognose bei einer Computerspiel-Sucht?

Bei 90 % der SĂĽchtigen verschlimmern sich die Symptome und Folgen der Computerspiel-Sucht weiter, wenn nicht behandelt wird. Mit psychologischer Beratung/Behandlung ist die Prognose aber im Allgemeinen gut, besonders wenn eventuell vorhandene psychische Begleiterkrankungen richtig erkannt und ebenfalls behandelt werden.

Helfen Verbote oder ein kalter Entzug bei Computerspiel-Sucht?

Nur wenn der Süchtige damit einverstanden ist. Ansonsten ist es erfahrungsgemäß nicht hilfreich, Router zu verstecken, Internet abzuschalten. In der psychologischen Behandlung versucht man eher, die Mitarbeit des Süchtigen zu fördern als Zwang auszuüben. Ein kalter Entzug wird nur in seltenen Fällen bei einer Aufnahme in eine Suchtklinik sinnvoll sein.

Können Computerspiele krank machen?

Ja – allerdings betrifft das nur eine Minderheit, für die meisten bleibt Gaming ein Hobby, das gut unter Kontrolle ist. Treffen allerdings ungünstige Umweltfaktoren, psychische Vorerkrankungen oder ungünstige Persönlichkeitsmerkmale aufeinander, kann aus dem harmlosen Spielen eine Abhängigkeit von den Videospielen werden.

Was macht an Computerspielen sĂĽchtig?

Moderne Spiele, vor allem mit Free2Play-Modellen nutzen psychologische Tricks, um Spieler möglichst lange zum Weiterspielen zu motivieren. Intermittierende Belohnungssysteme wirken auf das Gehirn ähnlich wie Drogen und können eine psychische Abhängigkeit erzeugen. Die häufigsten suchterzeugenden Spielmechaniken sind Itemdrops, Microtransaktionen – aber auch sozialer Druck in Online-Spielen fördert eine Abhängigkeit.

Dr. Armin Kaser - Psychologe mit Online-Beratung

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