Computerspiel-Sucht (Videospiel-Sucht)

Was ist Computerspiel-Sucht, wie kann man sie erkennen und therapieren?

Psychologe für Computerspiel-Sucht, Internetsucht, Abhängigkeit von Fortnite, League of Legends, World of Warcraft

Zusammenfassung

  • Seit Juni 2018 ist Computerspiel-Sucht (auch: Computersucht, Gaming Sucht, Gaming Disorder) offiziell von der Weltgesundheitsorganisation als psychische Krankheit anerkannt.
  • Computerspielsüchtige und ihre Familien leiden massiv unter der Sucht. Ihr Alltag, Schule oder Job sind schwer beeinträchtigt.
  • Computerspiel-Sucht hat psychische und körperliche Folgen: Vereinsamung, Schul- und Studienabbruch, Jobverlust, Armut und Depression bis hin zu Suizidgefahr.
  • Die meisten Süchtigen leiden an mindestens einer weiteren psychischen Störung wie Depressionen, Ängsten oder Persönlichkeitsstörungen.
  • Helfen können Online-Beratung, niedergelassene Psychologen, Suchtkliniken und in leichten Fällen Techniken zur Selbsthilfe.

Wer ist gefährdet?

Viele denken bei Computerspiel-Sucht erst an Kinder und Jugendliche. Dabei sind Erwachsene ebenso betroffen. Kritisch sind Lebensabschnitte, die mit großen Umbrüchen einhergehen:

  • Trennungen von Partnern
  • erste eigene Wohnung, z. B. bei Studienbeginn
  • Schicksalsschläge, Tod von Angehörigen, Jobverlust

Symptome

Typische Symptome einer Computerspielsucht sind:

  1. Unwiderstehliches Verlangen: Im Alltag kreisen die Gedanken immer wieder um Computerspielen und die nächste Gelegenheit weiterspielen zu können.
  2. Kontrollverlust: Dem Betroffenen ist nicht bewusst, wie viel seines Alltags er mit Computer und Konsole verbringt. Er hält es auch nicht durch, wenn er sich vornimmt, die Spielzeit zu reduzieren.
  3. Entzugserscheinungen: Kann der Süchtige nicht spielen (z. B. in Arbeit, Schule oder bei einem Verbot) wird er aggressiv, unruhig, nervös, reizbar.
  4. Toleranzentwicklung: Je länger die Sucht andauert, desto mehr muss er spielen. Aus anfänglich wenigen Stunden täglich werden immer mehr.
  5. Weiterspielen trotz negativer Konsequenzen: Auch wenn der Betroffene erkennen kann, dass das exzessive Spielen zu Problemen in Schule und Job, zu Konflikten in der Familie und psychischer und körperlicher Folgen führt, spielt er weiter.
  6. Verheimlichung und Lügen: Typisch für Verhaltenssüchte ist, dass die Betroffenen ihre Eltern, Partner oder Familie belügen und dadurch heimlich weiterspielen. So fällt oft lange nicht auf, wie schwerwiegend das Problem bereits geworden ist.

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Wenn Sie sich nicht sicher sind, können Sie einen der kostenlosen Online-Tests machen (gratis, 2 Minuten, ohne Registrierung).

Online-Test: Bin ich computerspielsüchtig?

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Häufigkeit in Österreich und Deutschland

Studien ergaben, dass zwischen 1,6 und 6 % der Untersuchten computerspielsüchtig waren.

Die große Bandbreite hängt mit dem untersuchtem Land, mit den Untersuchungsmethoden und dem unterschiedlichen Alter zusammen. Asiatische Länder wie China scheinen mit besonders hohen Zahlen trauriger Vorreiter zu sein. Es ist zu befürchten, dass Österreich und Deutschland weiter aufholen.

Diagramm: Häufigkeit von Internet- und Computerspielsucht - Länder im Vergleich - Forscher weltweit kommen zu unterschiedlichen Zahlen. Das ist auf tatsächliche Unterschiede, aber auch auf unterschiedliche Erhebungsmethoden zurückzuführen.
Forscher weltweit kommen zu unterschiedlichen Zahlen. Deutschland und Österreich liegen im Mittelfeld.

Großteils männlich

Männer und Jungen sind viel häufiger computerspielsüchtig als Frauen, in Beratungsstellen melden sich zu 96% Männer. Sie haben eine Vorliebe für Wettkampf und Spielgenres, die eher süchtig machen: 3D-Shooter, MOBAs und Rollenspiele. Frauen bevorzugen eher soziale Netzwerke wie Instagram – sie werden dann eher internet- und onlinesüchtig als computerspielsüchtig.

Ursachen

Computerspiel-Sucht hat Ursachen in 3 Bereichen:

1. In der Persönlichkeit des Betroffenen selbst: Manche Menschen sind genetisch bedingt anfälliger für Süchte. Introvertierte und Schüchterne haben weniger Freunde und Hobbys, Computerspiele sind für sie verlockender. Einsamkeit und emotionale Instabilität sind ebenfalls ungünstig.

2. In den Merkmalen der Computerspiele: Spieleentwickler bauen absichtlich Belohnungsmechanismen ein, die Gefühle der Freude und Zufriedenheit auslösen. Besonders Gratis-Spiele und Rollenspiele verwenden psychologische Tricks, um zum Weiterspielen zu motivieren und möglichst lange an das Spiel zu fesseln. Für die meisten Spieler ist das kein Problem, ein kleiner Teil wird davon aber süchtig. Auch ob man das Spiel alleine oder im Multiplayer-Modus im Internet spielt, macht einen Unterschied.

3. In Familie, Umwelt und Gesellschaft: eine Familie kann vor Sucht schützen. Familiäre Probleme, Konflikte und Schicksalsschläge wie Tod oder Scheidung verursachen eine Computerspiel-Sucht aber oft mit. Eltern sind manchmal selbst schlechte Vorbilder. Die Gesellschaft trägt ebenfalls dazu bei: Leistungsdruck, ständige Verfügbarkeit von Mobile Games und Sozialen Netzwerken und ein hoher Grad von Digitalisierung. Dazu ein deutlicher Trend zu Einsamkeit, Individualismus und allein lebenden Singles.

Das TRIAS-Modell bei Computerspiel-Sucht - Jede Sucht hat ihre Ursache in 3 Bereichen
Das Trias-Modell erklärt die Entstehung von Computerspiel-Sucht.

Begleiterkrankungen

Über 90 % der Computerspiel-Süchtigen leiden zusätzlich an einer anderen psychischen Störung.

Am häufigsten sind Persönlichkeitsstörungen (52 %), Angststörungen (50 %) und Depressionen bzw. Burnout.

Diagramm: Die häufigsten Begleiterkrankungen - Komorbidität bei Computerspiel- und Internet-Sucht
Mehr als 90% der Computerspiel-Süchtigen leiden an einer weiteren psychischen Störung wie Depressionen, ADHS oder Persönlichkeitsstörungen.
  1. Bei Persönlichkeitsstörungen (52 %) sind Gefühlsleben, Denken und die Beziehungen zu anderen Menschen in besonderer Weise ausgeprägt, unflexibel oder wenig angepasst. Die häufigsten sind Paranoia, Borderline, Hysterie/histrionisch, Narzissmus, ängstlich-vermeidend (schüchtern), dependent, zwanghaft. (Hier selbst online testen).
  2. Depression und Burnout sind die gefährlichsten Begleiterkrankungen, weil damit eine hohe Suizidrate einhergeht. Bei gedrückter Stimmung, Interessenverlust und Freudlosigkeit, Schlafstörungen und Traurigkeit sollten Sie sich professionelle Hilfe holen.
  3. ADHS (24 %) scheint oft zu Computerspiel-Sucht zu führen. Eine Erklärung ist, dass Computerspiele schnelle, einfache Belohnungen und Glücksgefühle bieten. Diese “unnatural rewards” finden ADHS-Kinder und -Erwachsene im echten Leben sonst nicht.
  4. Angststörungen (z. B. soziale Ängste) sind bei 50 % der Computerspiel-Süchtigen zu finden. Die extreme Schüchternheit, Unsicherheit und ein Mangel an sozialer Kompetenz machen es schwer, im echten Leben Beziehungen und Hobbys aufzubauen.
Diagramm: Teufelskreis: Soziale Ängste und Computerspiel-Sucht
Soziale Angst (auch: soziale Phobie) und Computerspiel-Sucht verstärken sich gegenseitig.

Co-Abhängigkeit

Nicht nur der Betroffene leidet unter seiner Computerspiel-Sucht. Eltern, Partner und Freunde versuchen aus Mitleid oder Liebe, den Süchtigen in Schutz zu nehmen und ihn vor den Konsequenzen seiner Sucht zu beschützen. Sie hoffen, ihm damit etwas Gutes zu tun. Das nennt man Co-Abhängigkeit und ist nicht sinnvoll. Die Sucht wird dadurch nur weiter gefördert und die Anderen leiden auch selbst immer mehr an der Situation.

Folgen

Jede Sucht hat Folgen. Unter einer Computerspiel-Sucht leiden der Betroffene selbst, aber auch Eltern, Familie, Partner und Kinder.

  1. Einsamkeit und sozialer Rückzug: Eltern, Partner, Familie und Freunde versuchen oft noch lange, den Computerspiel-Süchtigen außer Haus zu locken. Sie verstehen nicht, dass die Sucht das Problem ist. Am Ende geben Sie desillusioniert auf. Dann bleiben dem Süchtigen nur noch seine Online-Kontakte, die oft in derselben Situation gefangen sind. Eine Besserung wird damit immer unwahrscheinlicher.
  2. Depression und Suizidgefahr: Manchmal löst eine bestehende Depression die Computerspiel-Sucht aus. Umgekehrt kann die Einsamkeit, Konflikte, Leidensdruck und Hoffnungslosigkeit der Computerspiel-Sucht auch eine Depression verursachen. Eine Depression ist gefährlich, weil über 15 % der Schwer-Depressiven sich das Leben nehmen. Wie Sie eine Depression erkennen lesen Sie hier. Schon bei leisem Verdacht sollte professionelle Hilfe geholt werden.
  3. Schlechte Noten, Schul- und Studienabbruch: Durchgezockte Nächte und Schlafstörungen lassen die Konzentration in der Schule schwinden. Hausarbeiten werden kaum noch erledigt, viele computerspielsüchtige Jugendliche brechen die Schule ab. An der Universität fällt es oft über Monate niemanden auf, wenn Vorlesungen und Prüfungen mit Computerspielen ersetzt werden. An einen Studienabschluss ist dann nicht mehr zu denken. Eine Computerspiel-Sucht beendet fast immer die Schul- und Studienlaufbahn.
  4. Jobverlust: Arbeitskollegen fällt recht schnell auf, wenn exzessives Spielen am Abend und in der Nacht die Arbeit am nächsten Tag beeinträchtigt. Viele Büroarbeiter haben auch am Arbeitsplatz Zugang zu Computerspielen oder mindestens zu Smartphones. Dann spielen sie lange Zeit unbemerkt während der Arbeitszeit. Manche Computerspiel-Süchtige verlieren ihren Job oder ihre Ausbildungsstelle, wenn das entdeckt wird. Die meisten kommen allerdings von alleine irgendwann nicht mehr zur Arbeit.
  5. Armut: Längere Suchtkrankheiten beenden Schul- und Arbeitskarrieren. Die Betroffenen holen das meist ihr ganzes Leben nicht mehr auf. Schul- und Studienabbrüche verhindern einen späteren beruflichen Aufstieg, Arbeitslosigkeit führt direkt in Armut und Existenzprobleme.
  6. Psychische Störungen: Fast 90 % der Computerspiel-Süchtigen leiden unter einer zweiten psychischen Störung. ADHS, Depressionen, Angststörungen, soziale Phobien und Persönlichkeitsstörungen verschlimmern sich, wenn die Computerspiel-Sucht fortschreitet. Manchmal wird aus einem überschaubaren Problem wie Schüchternheit eine gravierende Störung, wenn Belastung und Konflikte durch die Sucht eskalieren.
  7. Körperliche Schäden: Computerspiel-Süchtige sind fast immer entweder auffällig schlank oder deutlich übergewichtig. Aktive Freizeitgestaltung und Hobbys haben sie aufgegeben. Auch die Ernährungsgewohnheiten ändern sich hin zu Fast Food, weil es bequemer und schneller zuzubereiten ist. Auch Haltungsschäden sind häufig, weil die Muskulatur wegen mangelnder Bewegung verkümmert. Augen und Hände werden am meisten und auf unnatürliche Art beansprucht. Die Folgen sind Kurzsichtigkeit (bei Kindern), trockene Augen (Sicca-Syndrom) und Sehnenscheidenentzündungen.
  8. Schlafstörungen: Online-Computerspieler treffen sich meist spät am Abend oder in der Nacht. Der Tag-Nacht-Rhythmus verschiebt sich Stunde um Stunde immer weiter.

Selbsthilfe

Bei leichten Fällen können Eltern oder Partnerinnen noch versuchen, selbst zu helfen. Wichtig ist dabei das geschickte Ansprechen: Überlegen Sie sich vorher, was sie erreichen wollen. Was ist realistisch? Ziele können sein: Reduktion der Spielzeit, Wiederaufnehmen alter Hobbys und zu zeigen, dass Sie sich um ihn sorgen.

Wer mehr versuchen will, kann 3 psychologische Techniken ausprobieren:

  1. Belohnungsplan: Ein psychologisches Instrument aus der Verhaltenstherapie, das auch Laien versuchen können. Positives Verhalten wird mit Belohnungen verstärkt. Vor allem für Kinder und Jugendliche geeignet.
  2. Tageszeitkuchen: Die Spielzeit wird protokolliert, um einen Überblick über das Ausmaß zu bekommen. Dann werden Alternativen überlegt, die freie Zeit besser zu nutzen.
  3. Kosten-Nutzen-Analyse: Motive und Konsequenzen der Computerspiel-Sucht werden untersucht. Welche Ursachen und Krankheitsgewinne beeinflussen die Sucht im Hintergrund?

Zu allen Techniken finden Sie Gratis-Unterlagen zum Download.

Was wohl nicht funktionieren wird: ein generelles Computerspiel-Verbot und technische Hindernisse (Router verstecken, Accounts löschen).

Professionelle Hilfe

In schweren Fällen oder wenn die Probleme schon lange andauern suchen Sie sich besser professionelle Hilfe.

Für Computerspiel-Sucht gibt es spezielle Therapieprogramme. In einigen wenigen Fällen ist ein stationärer Aufenthalt in einer Spezial-Klinik sinnvoll. Dort wird in der Regel ein kalter Entzug gemacht, oft mit medikamentöser Unterstützung.

Bei Psychologen besteht die Beratung und Therapie eher aus

  • Verhaltenstherapie: mit Information, dem Erkunden der Ursachen, Erstellen von konkreten Plänen und dem Erlernen von Strategien gegen Rückschläge.
  • Familientherapie: um schlechte Verhaltensmuster zu verändern und Konflikte zu verbessern.
  • Gruppentherapie: in der die Betroffenen soziale Skills einüben, Selbstvertrauen gewinnen und sich gegenseitig unterstützen.

Ein guter erster Ansprechpartner ist ihr Hausarzt, weil er Sie und/oder den Süchtigen schon kennt. Suchtberatungsstellen in Ihrer Nähe haben vielleicht auch passende Angebote. Es gibt außerdem einige wenige spezialisierte Kliniken in Deutschland und Österreich.

Diagramm: Behandlung und Therapie von Computerspiel- und Internet-Sucht - Professionelle Hilfe finden
Erste Ansprechpartner sind Online-Sprechstunden, Sucht-Beratungsstellen oder Hausarzt. Hilfe holen in der Regel zuerst Eltern, Partner und Angehörige. Sie müssen den Süchtigen nicht zur Beratung mitbringen.

Der schnellste Weg ist allerdings meine Online-Beratung zu Computerspiel-Sucht. Wir unterhalten uns dann im Video-Chat.

FAQ – Die häufigsten Fragen

Geht Computerspiel-Sucht von alleine weg?

In 90 % der Fälle leider nicht. Weil dann einfaches Abwarten das Problem leider verschlimmert, ist es besser, frühzeitig einzuschreiten. Hilfe und erste Anlaufstellen sind Online-Beratung, Psychologen oder (Sucht-) Beratungsstellen. Mehr zur richtigen Vorgehensweise finden Sie hier.

Was ist Computerspiel-Sucht?

Computerspiel-Sucht ist eine Verhaltenssucht wie Spiel- oder Kaufsucht. Kritisch ist es, wenn Alltag, Schul- oder Berufs und Familienleben erheblich leiden. Mehr zu Folgen, Ursachen und Selbsthilfe und professioneller Hilfe bei Computerspiel-Sucht in den Blogartikeln.

Was sind die Ursachen von Computerspiel-Sucht?

Die Persönlichkeit, genetische Anfälligkeit, psychische Stabilität des Süchtigen, das Design der Computerspiele und die familiäre Situation und moderne Gesellschaft – all das hat Einfluss. Am besten erklärt das das TRIAS-Modell für Computerspiel-Sucht.

Was können Eltern gegen Computerspiel-Sucht tun?

Geschicktes Ansprechen, Verständnis zeigen. Auf generelle Verbote und technische Hindernisse eher verzichten, sie bringen kaum etwas. Sie können auch einfache psychologische Techniken wie Kosten-Nutzen-Analyse oder Belohnungspläne ausprobieren.

Wann soll ich mir einen Psychologen suchen?

Wenn Sie keinen Einfluss mehr haben, Anzeichen von Depression oder hoher Aggressivität sichtbar werden. Bei der Entscheidung hilft Ihnen mein Gratis-Test “Besser zum Psychologen?”.

Welche Begleiterkrankungen sind bei Computerspiel-Sucht häufig?

Persönlichkeitsstörung: 52 %, Angststörungen: 50 %, Depressionen: 40%, ADHS: 23 %. Über 90 % der Computerspiel-Süchtigen leiden unter mindestens einer weiteren psychischen Störung. Am gefährlichsten ist dabei die Depression wegen der hohen Suizidgefahr.

Die besten Dokus, Experten und Bücher

Die 5+ besten Erfahrungsberichte

Ronald Stolz: AFK – Die letzte Quest

10 Jahre war er süchtig nach World of Warcraft, vor 4 Jahren gelang es dem mittlerweile 39-Jährigen die Online-Welt Stück für Stück hinter sich zu lassen. Jetzt leitet er eine Selbsthilfegruppe für Online-Sucht in Bayern und hilft ehrenamtlich Betroffenen und besorgten Eltern.

Liby L. – Gamen bis zum Umfallen

10 Jahre lang drehte sich das Leben des 30-jährigen Schweizer Liby L. nur noch um Computerspiele. Bis zu 20 Stunden täglich vor dem PC hinterließen Folgen: 150 kg schwer, kaum noch in der Lage normal zu sprechen bekommt er einen Platz im “Projekt Alp” und wagt dort den radikalen Entzug.

Mehr Erfahrungsberichte zu Computerspiel-Sucht

Damian (28) erzählt im Bericht zu Gaming Disorder von 16 Stunden Computerspielen am Tag, von Schulabbruch und machtlosen Eltern.

Cam Adair (29) erzählt im TED-Vortrag “Escaping video game addiction” die Geschichte seiner Computerspiel-Sucht und wie er es vor 3 Jahren geschafft hat, davon wieder loszukommen.

Jens (29) versucht seine Computerspiel-Sucht und Depression mit zwei Aufenthalten in Suchtklinik zu überwinden.

Die 5+ besten Dokus

Web Junkies | Chinesische Computerspiel-Süchtige

von arte Deutschland

China war das erste Land, das Computerspiel-Sucht als ernst zu nehmende Krankheit einstufte. Die “Behandlung” besteht dort allerdings aus Zwangseinweisungen in geschlossene Kliniken, die mehr an militärische Gefängnisse erinnern. Die israelischen Journalisten werfen einen Blick in eine solche Einrichtung und treffen auf verzweifelte, unglückliche Jugendliche und überforderte Eltern.

Computerspielsucht | brutale Realität

bei Mona Lisa | ZDF

Als eine der ersten Sendungen berichtet das ZDF-Magazin Mona Lisa von damals neuen Phänomen der computerspielsüchtigen Jugendlichen. Sie sprechen mit einer Mutter, die gegen die Sucht ihres Sohnes ankämpft, mit den Psychologen des Caritas-Projekts “Lost in Space” in Berlin und verfolgen, wie der Computerspiel-Süchtige Laslo sich für 6 Monate in eine Spezialklinik begibt.

Computerspiel-Sucht | Mit Therapie ins Leben zurück

bei W wie Wissen | ARD

Das ARD-Team besucht das LWL-Klinikum Gütersloh, wo Computerspiel-Süchtige ganz ähnlich wie Drogen- oder Alkoholabhängige behandelt werden. Die Betroffenen lernen wieder eine geregelte Tagesstruktur mit festen Mahlzeiten und Schlafenszeiten.

Der Suchttherapeut Christian Groß hilft den zumeist jungen Männern, die Einsamkeit des Zimmers zu verlassen und zurück ins Leben zu finden.

Auf Entzug | Ein Internet-Süchtiger geht offline

bei Deutsche Welle

Das Reporterteam besucht einen 20-jährigen Berliner, der versucht, von seiner Sucht loszukommen. Er erzählt, wie er die Kontrolle über das Spielen verloren hat und nun versucht, mit professioneller Hilfe wieder ein normales Leben zu führen. Ein 10-wöchiger Aufenthalt in einer Suchtklinik soll dabei helfen.

Internet-Sucht: Viele junge Menschen betroffen

von Tagesschau | ARD

Rund 270.000 Jugendliche gelten in Deutschland als gefährdet. Während das Problem der computerspielsüchtigen Männer schon in der Gesellschaft angekommen ist, holen junge Frauen zunehmend auf. Sie verfallen den sozialen Netzwerken: Instagram und Facebook.

Smartphone-Sucht: Wenn das Handy das Leben übernimmt

von Kontrovers | Bayrischer Rundfunk

Durchschnittlich 88 mal am Tag nehmen wir unser Smartphone in die Hand. Das unterbricht den Allltag und macht auch im Beruf unproduktiv. Was aber, wenn man die Kontrolle über Whatsapp, TikTok und Instagram verliert? Digital Detox-Angebote boomen, aber für tatsächlich Internet- und Computerspiel-Süchtige reicht das nicht mehr. Sie suchen sich Hilfe bei Psychologen, Therapeuten und in Kliniken. Der Bayrische Rundfunk hat mit ihnen und Betroffenen gesprochen.

Die 5+ Top-Experten

Prof. Dr. Bert te Wildt

Der Chefarzt der Psychomatischen Klinik Kloster Dießen (auch auf Twitter) ist Mitbegründer des Fachverbands Medienabhängigkeit. Er beschäftigt sich klinisch und wissenschaftlich mit Computerspiel-Sucht und Internetabhängigkeit und hat auch mit “Digital Junkies” eines der wichtigsten Bücher zum Thema geschrieben.

Zitat: “Fortnite spielt eine zunehmende Rolle bei denen, die sich wegen Computerspiel-Sucht bei uns vorstellen.”

Dr. Klaus Wöfling

Der Diplompsychologe leitet die Ambulanz für Spielsucht an der Universitätsmedizin Mainz. Er ist zudem Autor von Computerspiel- und Internet-Sucht, dem bisher besten Manual zur verhaltenstherapeutischen Behandlung von Computerspiel- und Internet-Sucht.

Zitat: “Es geht nicht um eine Abstinenz von Computerspielen oder von sozialen Netzwerken, sondern um eine Reduktion.”

Prof. Manfred Spitzer

Der Gehirnforscher und Professor für Psychiatrie der Universität Ulm Manfred Spitzer schreibt recht provokante Bestseller über die Wirkung von Medien, von Smartphones und Computerspielen. Kritiker bemängeln seine wissenschaftlichen Methoden und brandmarken seine direkte und provokante Art als alarmistisch.

Zitat: “Mehr iPads in der Schule … schaden nachweislich der kindlichen Entwicklung”

Dennoch sind sowohl Bücher als auch Vorträge lesens- und hörenswert – nicht zuletzt wegen der zahlreichen Quellennachweise, auf die manche anderen Kollegen verzichten.

Im Vortrag “Von der digitalen Demenz zur Smartphone-Pandemie” erzählt Manfred Spitzer von depressiven Facebook-Nutzern, Stress durch soziale Medien, Smartphone-Zombies. Er ist auch erklärter Gegner einer naiven Digitalisierung von Schulen und warnt vor dem großen Schaden, unter dem besonders schwache und benachteiligte Schüler leiden.

Dr. Kurosch Yazdi

Dr. Kurosch Yadzi leitet die Klinik für Psychiatrie für Suchtmedizin des Kepler Universitätsklinikums in Linz, Österreich und ist Vorstandsvorsitzender der pro mente Oberösterreich, die eine Ambulanz für Spielsucht bietet.

Zitat: “Am Computer lernen die Kinder schon Dinge – aber nicht Dinge, die sie im echten Leben dann umsetzen können.”

Der Autor von “Junkies wie wir”, Psychiater Dr. Kurosch Yadzi, erklärt was Nikotin, Alkohol, Drogen und Verhaltenssüchte (Computerspiel-Sucht, Social Media, Online-Pornografie, Glücksspiel) gemeinsam haben, was sie unterscheidet und wann aus normalem Computerspielen eine Krankheit wird.

Dr. Kimberly Young

Die Professorin und Gründerin des Zentrums für Internetabhängigkeit in den USA war die Pionierin zu Computerspiel- und Internetsucht. 1998 entwickelte sie den ersten wissenschaftlichen Test zu Internet-Abhängigkeit (Internet Addiction Test, IAT). Außerdem werden ihre Richtlinien für die Vermeidung und Behandlung von Computerspiel-Sucht auch heute noch als sinnvoll erachtet.

Im Vortrag zur TED-Konferenz zeigt sie, wie man Anzeichen von Internet-Abhängigkeit erkennen kann und in welchem Alter und Umfang man Kindern Technologie und Medien im Alltag erlauben sollte.

Die 5+ besten Online-Artikel

Heise c’t: Die Psycho-Tricks der App-Entwickler beschreibt, mit welchen psychologischen Tricks die Games- und App-Industrie Nutzer von ihren Diensten und Spielen abhängig macht.

Pc Games: Seid ihr süchtig nach Videospielen? Macht den Test! über einen Online-Test zu Computerspiel-Sucht, den mehrere Universitäten zusammen entwickelt haben.

Gamestar: GameStar Podcast: Was Service-Games so gefährlich macht, und wie man der Suchtspirale entkommt mit den Experten Daniel Illy und Jakob Florack.

Golem: Fortnite soll absichtlich so süchtig wie möglich machen über einen Versuch, Spielehersteller nach dem Vorbild der Tabakindustrie an den Kosten von Computerspiel-Sucht zu beteiligen.

Zeit Online: Wie Überraschungseier, die pleite und süchtig machen über In-Game-Käufe und Lootboxen, mit denen sich schon Kinder massiv verschulden.

Der Standard: Smartphones: Sind soziale Medien gebaut, um süchtig zu machen? über Trigger, Likes und Verhaltenspsychologie.

Zeit Online: Videospiele können Grundbedürfnisse befriedigen, ein Interview mit dem Medienpsychologen Leonard Reinecke. Unter anderem, warum vermehrtes Videospielen in Corona-Zeiten noch kein Alarmsignal ist.

Die 5+ besten Bücher

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe empfehlenswerter Bücher zu Computerspiel-Sucht. Noch mehr finden Sie im Blog-Artikel. Die unten stehenden sind jedenfalls lesenswert.

Digital Junkies: Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder

von Bert te Wildt

Buch "Digital Junkies" von Bert te Wildt

Bei manchen Menschen sind Computerspiele und Internet Ersatz für unerfüllte Wünsche und Ziele im echten Leben. Sie werden süchtig, vereinsamen und verwahrlosen. Bert te Wildt, einer der bekanntesten Experten für Computerspiel-Sucht, beschreibt, wie sich altbekannte Süchte wie Glücksspiel- und Kaufsucht ins Internet verlagern.

Inhalte: Diagnose, und Behandlung von Internet- und Computerspiel-Sucht, Erste Hilfe und Umgang mit Krisen und Prävention durch Politik, Pädagogik und im privaten Umfeld. Bei Amazon ansehen…

Computerspiel- und Internetsucht: Ein kognitiv-behaviorales Behandlungsmanual

von Klaus Wöfling, Christina Jo, Isabel Bengesser, Manfred E. Beutel und Kai W. Müller.

Buch zur Diagnostik und Behandlung von Computerspiel-, Internet- und Onlinesucht von Wöfling

Das beste Buch für Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater: Eine erprobte Verhaltenstherapie speziell für Computerspiel-Sucht entwickelt.

Inhalte: Detaillierte Beschreibung der Vorgehensweise für 15 Sitzungen, Anleitung zur Erstellung des SORCK-Schemas (Verhaltensanalyse) und Fallbeispiele aus der Ambulanz für Spielsucht in Mainz. Inklusive Unterlagen für die therapeutische Arbeit. Bei Amazon ansehen…

Ratgeber Videospiel- und Internetabhängigkeit: Hilfe für den Alltag

von Daniel Illy und Jakob Florack.

Buch: Ratgeber und Hilfe bei Sucht und Abhängigkeit von Computer, Games und Internet.

Beide Autoren sind Fachärzte für Psychiatrie und arbeiten mit Kinder und Jugendlichen. Das Buch geht auch auf aktuelle Entwicklungen wie Free2Play und der gezielten Nutzung von suchtfördernden Mechanismen in Computerspielen ein.

Inhalte: Die Rolle der Angehörigen, Teufelskreis Sucht, Neurobiologische Grundlagen von Computerspiel-Sucht, und die Gefahr von Suchtverschiebungen. Bonus: Tipps für den Umgang mit Betroffenen. Bei Amazon ansehen…

Onlinesucht: Ein Ratgeber für Eltern, Betroffene und ihr Umfeld

von Isabel Willemse

Buch: Ratgeber Onlinesucht für Eltern und Betroffene von Isabel Willemse

Das beste Buch für Eltern, Partnerinnen und Angehörige. Gut aufgebaut und verständlich erklärt. Behandelt allerdings Online-Sucht im Allgemeinen, nicht speziell Computerspiel-Sucht.

Inhalte: Die Entstehung von Online-Sucht – Risikofaktoren, lerntheoretische Aspekte und aufrechterhaltende Faktoren, Begleiterkrankungen: Depression, Ängste, Schlafstörungen und ADHS und Vorbildfunktion und Regeln zur Mediennutzung in der Familie. Bei Amazon ansehen…

Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen

von Manfred Spitzer

Buch Digitale Demenz des Hirnforschers Manfred Spitzer

Der Klassiker unter den medienkritischen Büchern. Etwas provokant geschrieben, allerdings auch mit Studien und Quellenangaben hinterlegt. Hat ein großes, recht negatives Medienecho erhalten, unter anderem von spiegel.de, Der Standard, und Hannoversche Allgemeine. Trotzdem lesenswert. Bei Amazon ansehen…

Weitere Bücher von Manfred Spitzer zum Thema:
“Die Smartphone-Epidemie” (2019, zur Rezension, Amazon)
“Cyberkrank! Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert” (2015, Amazon).

Spielwiese Internet: Sucht ohne Suchtmittel

von Kai Müller

Fachbuch zu Internetsucht Onlinesucht von Kai Müller

Der Psychologe behandelt an der Ambulanz für Spielsucht der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Mainz Computerspiel-Süchtige und ist Spezialist für substanzungebudene Abhängigkeitserkrankungen (Verhaltenssüchte).

Inhalte: Die Bedeutung von Persönlichkeitsmerkmalen und des sozialen Umfelds, Erkennungsmerkmale von Verhaltenssüchten und die Stadien suchtartigen Internetverhaltens. Bei Amazon ansehen…

Die besten Podcasts

Game of Phones | der Medienpodcast: In den 30-minütigen Folgen spricht Podcaster Robin Blase mit Experten über Altersempfehlungen bei Fortnite, Kinder, die mit dem Smartphone ruhig gestellt werden oder YouTuber werden wollen, über das neue Jugendmedienschutzgesetz. Auf Soundcloud, Spotify und iTunes.

Nur 30 Minuten dann ist aber Schluss! | Podcast zu Medienerziehung: Im vom Elternratgeber SCHAU HIN unterstützten Podcast von Patricia Cammarata und Marcus Richter dreht sich alles um die alltäglichen Probleme mit Kindern, Computerspiele und Smartphone. Empfehlenswerte Folgen: “Ist alles Sucht, was wir Sucht nennen?” und “Zankapfel Computerspiele”. Alle Folgen im Blog, auf Spotify und iTunes.

The Pod | der gamespodcast: Ehemalige Redakteure der Zeitschrift Gamestar besprechen Spiele, Spieldesign und -mechaniken, geben Einblicke, wie die Gamingbranche funktioniert. Empfehlenswerte Folge: #148 Videospielsucht.

Die 5 meistgelesenen Blog-Artikel

Über die Jahre haben sich viele Blog-Artikel angesammelt. Hier die meistgelesenen Artikel des vergangenen Jahres:

  1. Zahlen und Fakten: Wie häufig ist Computerspiel-Sucht?
  2. Süchtig machende Spiele | Ursachen für Computerspiel-Sucht
  3. 9 Folgen einer Computerspiel-Sucht
  4. ADHS | Begleiterkrankungen von Computerspiel-Sucht
  5. Die 15+ besten Bücher zu Computerspiel-Sucht

Eine komplette Übersicht aller Artikel finden Sie im Blog.

Downloads

Präsentation zu Computerspiel-Sucht: Gratis Vorlage zur Verwendung bei Referaten in der Schule oder Präsentationen an der Universität. Gesprochener Text in den Foliennotizen der einzelnen Folien. Keine Quellenangabe nötig, beliebig veränderbar. Zum Download…

Unterlagen zur Selbsthilfe

Die Kosten-Nutzen-Analyse: Es hilft den Angehörigen, aber auch dem Süchtigen selbst, die Motive, die Vorteile und den Krankheitsgewinn den Kosten und Folgen gegenüberzustellen. Zur Anleitung…

Der Tages-Zeitkuchen: Anstelle des Computerspielens sollen andere, passendere Freizeitbeschäftigungen treten. Das Arbeitsblatt hilft, Ideen zu finden und sie dauerhaft umzusetzen. Zur Anleitung…

Der Belohnungsplan: Eine der besten Techniken aus der Verhaltenstherapie macht sich die Lernfähigkeit des Gehirns zunutze. Belohnungspläne verstärken positives Verhalten (z. B. Freizeitgestaltung abseits des Computers) durch positive Verstärkung. Zur Anleitung…

Meine Online-Beratung

Zuletzt noch der Hinweis auf meine Online-Beratung zu Computerspiel-Sucht. Nach der Online-Buchung unterhalten wir uns per Video-Chat (Computer, Tablet oder Smartphone).

Den Termin können Sie auf der Buchungsseite selbst bestimmen. Eine Registrierung ist nicht nötig, sie bezahlen mit PayPal. Ich freue mich auf Sie.