von Dr. Armin Kaser | Psychologe
Rund 5 % der Männer und 2 % der Frauen in Deutschland sind Absolute Beginner. Sie haben noch keine sexuellen Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht. Was die Ursachen sind und welche Lösungen es gibt, lesen Sie hier.

Zusammenfassung
- 2 bis 6 % der Erwachsenen haben keine sexuellen Erfahrungen. Unter männlichen Akademikern ist der Anteil noch höher.
- Die Ursachen liegen in der Persönlichkeit des Betroffenen (ungünstiger Bindungsstil, Neurotizismus, Love Shyness), mangelnden sozialen Skills, ihrer Freizeitgestaltung und unvorteilhaften gesellschaftlichen Entwicklungen.
- Online-Partnerbörsen (Tinder, Elitepartner, etc.) sind für Absolute Beginner kontraproduktiv. Sie verhindern eher, dass sie im echten Leben Fortschritte machen.
- Stattdessen können sie in Coaching oder Therapie ihre psychologischen Entwicklungsschritte nachholen, soziale Ängste abbauen und Schritt für Schritt lernen, im echten Leben am Partnermarkt teilzunehmen.
- Mit psychologischer Beratung schaffen es in Studien 80 % auch der schweren Fälle von „Love Shyness“, am normalen Dating-Prozess teilzunehmen und beziehungsfähig zu werden.
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Wer sind Absolute Beginner?
Wissenschaftler definierten Absolute Beginner als
- Erwachsene über 25 Jahre,
- die noch gar keine sexuelle Erfahrungen gemacht haben oder trotz erster Erfahrungen bislang ohne Beziehung geblieben sind.
- Ausgenommen sind Asexuelle (fehlendes Verlangen/Interesse) und jene, die freiwillig verzichten (z. B. christliches Zölibat).
Zahlen und Statistiken
Die exakte Erhebung ist schwierig, da Studien je nach Definition zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Eines ist jedoch statistisch belegt: Es handelt sich um eine erhebliche und wachsende Gruppe – besonders unter Männern und in akademischen Milieus.
Datenlage in Deutschland
Als zuverlässigste Quelle für den deutschen Raum gilt die KiGGS-Studie, sie fand einen Anteil von 9 % unter den Männern und 4 % der Frauen.
| Alter | Absolute Beginner-Anteil | Quelle |
|---|---|---|
| 30 | Männer: 9 %, Frauen: 4 % | Hintzpeter, B., Krause, L., Vogelgesang, F. et al. (2022). „Sexual and contraceptive behaviour of young adults in Germany – Results from KiGGS Wave 2.“ Journal of Health Monitoring, 7(2), 7–22. |
| 26 | Männer ca. 4,6 %, Frauen ca. 6,0 % (eigene Berechnung) | Meuwly, M., Suris, J.-C., Auderset, D., Stadelmann, S., & Barrense-Dias, Y. (2021). „Virgins at age 26: who are they?“ Sexual Health, 18(4), 327–332. |
| 28–30 | Männer: 8,4 %, Frauen: 2,0 % (alle Bildungsniveaus) | Sprenger, R. (2014). Männliche Absolute Beginner, Springer VS. |
| 18–30 | Männer: 13,7 %, Frauen: 7,5 % (nur Akademiker:innen) | Dekker, A., & Matthiesen, S. (2015). Studentische Sexualität im Wandel. Zeitschrift für Sexualforschung, 28(03), 245–271. |
Sie zeigt auch, dass die Zahl ab 25 Jahren relativ konstant bleibt. Die Chance, dass sich dieses Problem mit der Zeit von alleine erledigt, schwindet mit zunehmenden Alter.

Besonders Akademiker betrofffen
Unter Akademikern ist die Zahl doppelt so hoch, 14 % bei Männern und 7,5% bei Frauen.
Immer mehr Menschen ohne Beziehungserfahrung
Für Deutschland gibt es keine Langzeitstudie, internationale Entwicklungen sind aber gut belegt.
- USA (Ueda et al., 2020): Bei jungen Männern (18–24 Jahre) stieg der Anteil derjenigen, die im vergangenen Jahr keinen Sex hatten, von 18,9 % (2000–2002) auf 30,9 % (2016–2018).
- Japan (Ghaznavi et al., 2019): Der Anteil der 18- bis 39-Jährigen ohne sexuelle Erfahrung ist seit 1992 stetig gewachsen – bei Männern auf 25,8 % und bei Frauen auf 24,6 %. In der Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen ist heute jeder Zehnte ohne Erfahrung.
- Generationenvergleich (Twenge et al., 2017): Ein direkter Vergleich zeigt den Wandel: Während in den 1960er-Jahren nur 6 % der 20- bis 24-Jährigen noch keinen Sexualpartner hatten, stieg dieser Wert bei den in den 1990er-Jahren Geborenen auf 15 %.

Die Studien belegen, dass es eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung ist, kein kurzfristiges Phänomen (wie z. B. durch Corona).
Je älter, desto eher bleibt man Absoluter Beginner
Mit zunehmenden Alter wird es schwerer, einen neuen Partner zu finden. Von den 18- bis 30-jährigen Singles brauchen 8 % länger als 3 Jahre. Bei den 51-60-Jährigen suchen 45 % schon länger als 5 Jahre.
Ursachen
Die Gründe für ungewolltes Single-Sein können
- in Engpässen auf dem Partnermarkt liegen,
- in der Persönlichkeit des Absoluten Beginners selbst und
- in gesellschaftlichen Normen und Entwicklungen.
Engpässe auf dem Partnermarkt
Es gibt tatsächlich rechnerisch nicht genug passende Partner für alle. Die deutsche Geburtenstatistik nennt einen leichten Männerüberschuss von 2-5 %, der dann bis ins Alter von 55 Jahren reicht. Erst dann überwiegen Frauen, weil sie in der Regel älter werden.
Ältere Männer schnappen den Jüngeren Frauen weg
Generell bevorzugen Männer jüngere Partnerinnen, in allen Kulturen. In Deutschland sind Männer durchschnittlich 3,2 Jahre älter als ihre Partnerinnen.
Zurück bleibt ein großer Anteil an jungen Männern und älteren Frauen mit Schwierigkeiten am Partnermarkt. Das ist der Hauptgrund, warum in der Gruppe bis 30 Jahre 60 % der Männer, aber nur 35 % der Frauen ohne Partner sind.
Gebildete Frauen ziehen in Städte
Aus wirtschaftsschwachen Regionen ziehen Frauen eher weg, z. B. aus Ostdeutschland, wo es 25 % weniger Frauen als Männer gibt. Sie finden wegen besserer Zeugnisse eher Ausbildungs- und Arbeitsplätze in begehrten Regionen. Männer bleiben in den abgehängten Regionen zurück.
Die beiden Partner brauchen eine Gelegenheit, sich überhaupt erst kennenzulernen. Singles selbst schätzen den Zeitmangel durch ihren Job als größtes Hindernis auf der Partnersuche ein.

Verschwinden der Ausgehkultur
In vielen Städten schließen Bars, Diskotheken und Wirtshäuser. Dabei haben sich dort bisher 20 % der Paare kennengelernt. Außerdem fehlt damit eine wichtige Gelegenheit, die spezifischen Social Skills im Umgang mit dem anderen Geschlecht zu erlernen.

Chancenlos im Online-Dating
Dating im echten Leben und Online-Dating sind nicht dasselbe. Erstens verhalten sich Menschen online wesentlich rücksichtsloser und empathieärmer (kommentarlose Kontaktabbrüche, oberflächliche Auswahlkriterien, Lügen, Aggressivität). Zweitens unterscheidet sich die Persönlichkeit der Nutzer von der durchschnittlichen Bevölkerung. Exzessive Nutzer sind laut Studien:
- neurotischer, emotional instabiler,
- haben eher einen unsicheren Bindungsstil,
- haben öfter sexuellen Missbrauch erfahren,
- haben eine abwertende Haltung gegenüber dem anderen Geschlecht.
Alle diese Eigenschaften sind schlechte Voraussetzungen für den Aufbau einer Beziehung und eine stabile, erfüllende Partnerschaft und Sexualität. Anstatt eine Hilfe in der Partnersuche zu sein, führen Tinder und Bumble also selbst zu einer digitalen Vereinsamung, Enttäuschung, Selbstwertproblemen und der falschen Überzeugung, dass Swipen tatsächlich die echte Dating-Welt abbildet.

Je älter desto erfolgloser
Freizeitangebot und gesellschaftliche Normen bestimmen, welche Aktivitäten dem Alter angemessen sind. Partys und Events, auf denen man auf viele potenzielle PartnerInnen trifft, gibt es eher für Jüngere.
Gleichzeitig sinkt auch das Engagement der Singles auf Partnersuche. Ab einem Alter von 35 Jahren resignieren sie zunehmend. Sie versuchen gar nicht mehr, ihre schwache soziale Einbindung zu verbessern – sie geben auf.
Wenig Frauen in Technik und IT
In der Studie von Sprenger waren Absolute Beginner fast zur Gänze Absolventen von technischen Studiengängern (IT, Physik, Mathematik und Maschinenbau). Frauen sind in diesen Studiengängen selten zu finden, was wiederum spontane Begegnungen unwahrscheinlich macht.
Gesellschaftliche Entwicklungen ermöglichen Single-Leben
Besonders für Frauen haben sich die Rahmenbedingungen verändert:
Die Öffnung des Arbeitsmarkts für Frauen ermöglichte ihnen eine unabhängige Lebensführung. Sie sind nicht mehr auf finanzielle Versorgung durch einen Ehemann angewiesen. Dadurch sinkt der Druck, sich auf Beziehungen einzulassen, auf Familiengründungen und auch in Beziehungen zu verbleiben (auch sichtbar an gestiegenen Scheidungsraten).
Die Ansprüche an Beziehungen sind durch das Auflösen der traditionellen Rollenauffassungen von Mann und Frau gestiegen. Frauen nennen als häufigsten Trennungsgrund, dass sie sich von ihren Partnern eingeengt fühlten und sich nicht auf die Rolle der Hausfrau reduzieren lassen wollten.
Selbstverwirklichung statt Sicherheit und Familienwerte
Frühere Generationen wuchsen im Umfeld großer sozialer und wirtschaftlicher Unsicherheit (Weltkrieg, Wirtschaftskrisen) auf. Deshalb hatten materielle Sicherheit und soziale Geborgenheit große Bedeutung. Die moderne Gesellschaft kennt kaum solche Krisenzeiten und verzichtet deshalb vielfach auf Absicherung.
Wer „freiwillig“ partnerlos bleibt, kann ein selbstbestimmtes Leben führen und trotzdem bei Bedarf auf ein staatliches Gesundheits- und Sozialsystem oder auf Pflege im Alter vertrauen. Vor allem männliche Akademiker sind die entschiedensten Verfechter persönlicher Unabhängigkeit.
Veränderung in Berufsleben und Arbeitsmarkt
Besonders Akademiker berichten von Mehrarbeit und psychischer Belastung. Es fehlt ihnen nicht nur die Zeit, sondern auch die Energie, am Ende eines Arbeitstages an gesellschaftlich interessanten Freizeitaktivitäten teilzunehmen.
Damit verpassen sie viele Gelegenheiten, einen potenziellen Partner kennenzulernen – denn 27 % haben ihren späteren Partner im Freundes- und Bekanntenkreis getroffen.
Karriere als Ersatzbefriedigung
Gerade der Misserfolg in der Partnersuche lässt die Karriere als vermeintlichen Ersatz noch wichtiger werden. Deshalb investiert jeder dritte Single mehr Zeit in berufliches Weiterkommen als in private Beziehungen und Partnersuche. Ein Partner wird dabei als „Störfaktor“ empfunden.
Ursachen in der Persönlichkeit
Absolute Beginner haben auch deshalb keine sexuellen Erfahrungen, weil sie sich anders fühlen oder verhalten.
Generelle Lebenszufriedenheit
Die generelle Lebenszufriedenheit hat massiven Einfluss darauf, ob jemand viel Kontakt mit dem anderen Geschlecht hat. Glücklich sein wirkt attraktiv und ist gleichzeitig die Voraussetzung für Selbstliebe. Selbstliebe führt wiederum zu einem liebevollen Umgang mit anderen Menschen.
Diesen liebevollen Umgang und eine tiefergehende Bindung erfahren Männer meist erst in ihrer ersten gesunden Beziehung. Männerfreundschaften sind dafür nicht eng genug. Absolute Beginner haben in der Regel noch keine einzige innige, enge Bindung erfahren.
Bindungsstile
Die Erfahrungen, die ein Kleinkind mit Bindung, Vertrauen und Bezugspersonen macht, prägen sein Verhalten für sein restliches Leben. Die Bindungstherorie nach Bolby erklärt, wie sich aus den ersten Erfahrungen mit Mutter und Vater Verhaltensmuster entwickeln.
Auch im erwachsenen Alter beeinflussen diese Muster immer wieder, wie der Betroffene mit anderen Menschen umgeht – ganz besonders bei der Partnersuche:
- Ob er/sie grundsätzlich vertraut (oder zu Eifersucht neigt).
- Ob er/sie zwischenmenschliche Beziehungen als befriedigend oder einengend/belastend erlebt.
- Ob er/sie offen für neue Erfahrungen ist (oder lieber in der eigenen Komfortzone bleibt).
Studien zeigen, dass Singles bindungsängstlicher und -vermeidender sind. Sie sind in der Bindungstheorie häufig dem ängstlich-vermeidenden/-ambivalenten Bindungstypen zuzuordnen (46 %), während bei Menschen in Beziehung der sichere Bindungsstil (81 %) überwiegt.
Psychologisches Profil
Absolute Beginner unterscheiden sich deutlich von Menschen in Beziehungen (nach Fünf-Faktoren-Modell, Big-Five):
- Weniger Offenheit für Erfahrungen: Absolute Beginner sind weniger aufgeschlossen für Neues, weniger experimentierfreudig und nehmen ihre positiven Gefühle schlechter wahr.
- Weniger Gewissenhaftigkeit: Menschen ohne Partner zeigten weniger Selbstkontrolle, Zielstrebigkeit und sind unzuverlässiger als Vergebene.
- Weniger Extraversion: Absolute Beginner sind eher zurückhaltend, gerne allein und unabhängig. Sie gehen weniger leicht auf fremde Menschen zu, haben weniger Spaß an Gesprächen, Treffen und Partys.
- Weniger Verträglichkeit: Singles haben weniger Grundvertrauen in andere Menschen. Sie sind seltener zu Kooperation bereit und weniger empathisch.
- Neurotizismus: Absolute Beginner nehmen negative Emotionen stärker wahr, erleben häufiger Angst, Nervosität, Anspannung, Trauer, Unsicherheit und Verlegenheit.
Die Kombination dieser Persönlichkeitsmerkmale führt dazu, dass für Absoluten Beginner ein bestimmter Lebensstil angenehmer ist: mit wenig neuen Kontakten, immer innerhalb eigenen Komfortzone und Vermeiden von neuen, sozialen Situationen. Allerdings wären genau das die Situationen, in denen man am ehesten neue Partner kennenlernt.
Wichtig: Diesen Teil nicht falsch verstehen – die Persönllichkeit ist ein Ergebnis von genetischen Voraussetzungen und Erfahrungen in der Vergangenheit. Es ist nicht „Ihre Schuld“.
Traumatische Erlebnisse und Mobbing
Absolute Beginner berichten häufiger von traumatischen Erfahrungen: Scheidung der Eltern, schwerer Krankheit, Gewalt, Mobbing und einer Rolle als Außenseiter. Viele berichten auch, dass sie bei ihren ersten Flirtversuchen besonders hart abgewiesen wurden. Daraus kann sich ein selbstverstärkender Kreislauf entwickeln, bei dem sich sozialer Rückzug, geringer Selbstwert und negative Erfahrungen verstärken.

Seligmans Konzept der erlernten Hilflosigkeit kann das erklären: Absolute Beginner haben das Gefühl bekommen, ihr Schicksal generell nicht beeinflussen zu können. Dieser subjektive Kontrollverlust führt dazu, dass sie gar nicht mehr versuchen, den unangenehmen Zustand zu verändern. Sie geben auf.
Sozialer Status
Der soziale Status ist für Frauen das wichtigste (unbewusste) Kriterium bei der Partnerwahl. Attraktiv sind für Frauen Männer mit klaren Hinweisen auf einen hohen sozialen Status:
- Führungspostionen in der Arbeitswelt,
- angesehenen Hobbys (z. B. Musiker),
- Beruf mit gutem Ruf (Architekt, Arzt, Bürgermeister) und
- großem Freundes- und Bekanntenkreis.
Warum sind dann viele männliche Akademiker Absolute Beginner? Sie schaffen es nicht, ihren durchaus vorhandenen sozialen Status zu nutzen: Mangelnde soziale Skills gegenüber Frauen, wenig Erfahrung mit Dating und zu unsicheres Auftreten. Frauen können nur das bewerten, was für sie sichtbar wird.
Attraktivität
Die physische Attraktivität („schön“, „sexy“) bestimmt im großen Maße, wie viel Auswahl an potenziellen Partnern man hat. Männer legen durchaus mehr Wert auf die Attraktivität der Frau als umgekehrt.
Durch Pornografie und Retusche in Fotos und Videos sind die Anforderungen an körperliche Schönheit massiv gestiegen. Überdurchschnittlich attraktive Menschen sind aber für Absolute Beginner realistischerweise vorerst nicht erreichbar.
Eigentlich passen die Meisten ihre Minimalansprüche an die eigene Attraktivität an. Absolute Beginner hingegen unterschätzen regelmäßig den Konkurrenzdruck.
Wichtig ist aber auch, ob sich die Person selbst attraktiv fühlt. 47 % der Absoluten Beginner glauben, nicht attraktiv genug für die Partnersuche zu sein. Deshalb fehlt ihnen Selbstvertrauen in sozialen Situationen.

Partnermarktwert – zu hohe Ansprüche
Neben der physischen Attraktivität gibt es auch andere Eigenschaften, die Menschen als Partner interessant machen. Der Partnermarktwert beschreibt, wie viele solche positiven Eigenschaften eine Person hat.
Absolute Beginner verlieben sich häufig in Frauen, die einen wesentlich höheren Marktwert als sie selbst haben. Besonders attraktive Absolute Beginner erliegen der Illusion, dass sie sich bereits am Anfang auf ebenfalls attraktive Partnerinnen beschränken könnten. Auf deren Ablehnung reagieren sie ungünstigerweise mit einer weiteren Verschärfung der Kriterien.

Zudem: Schon die Kombination einiger weniger seltener Kriterien („sportlich, Akademikerin, kinderlos, religiös“) kann es unrealistisch machen, jemanden zu finden, der alle Wünsche erfüllt.
Verpasste Gelegenheiten und Entwicklungen
Es gibt einen Abschnitt im Leben, in der die Meisten das erste Mal Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht machen. Das erste Verlieben, der erste Kuss, das erste Mal Sex passieren in der Regel zwischen 12 und 20 Jahren. Dabei hilft, dass
- Den jungen Menschen ihre Unerfahrenheit nicht negativ ausgelegt wird und
- es viele Gelegenheiten gibt: Partys, große Freundeskreise, viel Freizeit.
Vor allem Männern muss es gelingen, ihre Schüchternheit in dieser Zeit abzulegen. Gelingt das nicht, werden Veranstaltungen und Partys uninteressant, die Betroffenen ziehen sich zurück (TV, Computerspiele, Serien, männerlastige Hobbys). Damit versäumen sie auch künftige Entwicklungsschritte.
Auch im Zeitalter der Emanzipation wird von den Männern erwartet den ersten Schritt zu machen – Ansprechen, nach Telefonnummer fragen, ein Date vereinbaren.

Diese sexuelle Entwicklung vom schüchternen Jungen zum selbstbewussten Mann kann im späteren Leben schwer nachgeholt werden.
Love-Shyness
Forscher nennen diese besondere Form der Schüchternheit „Love-Shyness“, und sehen darin den Hauptgrund für Partnerlosigkeit. Sie entwickelt sich, wenn sich genetische Dispositionen und Reaktionen der Umwelt gegenseitig verstärken.
- Eher als Einzelkind und ohne Schwester aufgewachsen.
- Haben in der Familie wenig Wertschätzung erfahren oder sind überbehütet worden.
- Haben in der Kindheit einen verklemmten Umgang mit sexuellen Themen erlebt.

Selbstverstärkender Teufelskreis
Dadurch stecken sie in einem Teufelskreis der Absoluten Beginner. Während die Gleichaltrigen mit der Zeit immer mehr Social Skills anhäufen, fallen die Liebes-Schüchternen immer weiter zurück. Schlechte und mangelnde Erfahrungen in Kindheit und Jugend verhindern auch in der Gegenwart, dass bessere Erfahrungen gemacht werden können.

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Mangelnde Social Skills
Auch außerhalb von Liebe und Partnerschaft scheinen die sozialen Fertigkeiten bei Absoluten Beginnern niedriger zu sein. So waren und sind Absolute Beginner eher Außenseiter und Opfer von Mobbing.

Die Beherrschung sozialer Fertigkeiten ist wichtig, um einen Ruf als angenehme und unterhaltsame Person zu entwickeln. Menschen mit guten sozialen Skillset werden häufiger zu Partys und Unternehmungen eingeladen und lernen dabei mehr potenzielle Partner kennen.
Sie erlangen auch eher Zeichen von hohem sozialen Status, materiell (Jobmöglichkeiten, Geld) als auch immateriell (Ansehen, Wertschätzung), was wiederum attraktiv macht.
Auf der anderen Seite führen schlechte soziale Fertigkeiten zu weiteren negativen Erfahrungen und peinlichen, unangenehmen Situationen. Als Ausweg sehen die Betroffenen manchmal Alkohol (um sich Mut anzutrinken) oder eben die freiwillige Isolation und Verzicht auf weitere Annäherungsversuche. So kann es aber kein Ausbrechen aus dem Teufelskreis geben.
Flirtverhalten
Von Männern wird erwartet, den ersten Schritt zu machen. In Bars werden Frauen ca. 20-mal so häufig angesprochen wie Männer – abwarten, angesprochen zu werden, ist für sie keine Option. Außerdem wird von Ihnen erwartet, dass sie große Teile des Gesprächs führen.
„Ein Mann der nicht den Mut hat, mich anzusprechen, kommt für mich gar nicht infrage.“
Das Problem ist weniiger Schüchternheit, sondern die Angst vor Ablehnung in dieser sozialen Situation. Während Schüchternheit ein langfristiges Persönlichkeitsmerkmal ist, kann man die Angst vor dem Ansprechen recht schnell ablegen, indem man sich der Situation wiederholt stellt.
Wichtig ist der Umgang mit Zurückweisungen – Absolute Beginner tendieren dazu, die Ursachen für Misserfolge persönlich zu nehmen. Psychologisch gesehen sehen sie die Schuld viel zu oft bei sich selbst (interne Attribution). Erfolgreiche Menschen schreiben Erfolge überwiegend sich selbst zu und nehmen an, dass es an unglücklichen Umständen oder am Zufall lag, wenn es nicht geklappt hat.
Die Erfolgschancen beim Ansprechen sind für Männer extrem unterschiedlich und reichen von praktisch 0 % bei sehr Unerfahrenen, Ungeschickten bis zu nahe 50 % bei sehr Erfahrenen. Dabei spielt die physische Attraktivität tatsächlich eine untergeordnete Rolle.
Den ersten Schritt machen müssen
Das Ansprechen von Frauen muss man erlernen: Entweder per Trial & Error oder systematisch auf psychologischen Grundlagen.
Absoluten Beginnern fehlen diese Fähigkeiten zum Ansprechen von Frauen in der Regel völlig – einerseits, weil sie diese Entwicklung in der Jugend versäumt haben. Und ehrlicherweise auch, weil sie sich später nie das Herz genommen haben, dieses Defizit selbst nachzuholen.
Tinder, Parship – Die Illusion der Partnerbörsen
Online-Partnerbörsen sind generell eine schlechte Idee – und besonders für Absolute Beginner eine Falle, die damit viele Jahre ihres Lebens verschwenden.
- Extrem erfolglos: Im Durchschnitt verbringen Nutzer von Singlebörsen 12 Stunden/Woche mit Durchschauen von Profilen und Nachrichten zur Kontaktaufnahme. Männer müssen im Schnitt über 100 Anfragen für einen Match versenden. In rund der Hälfte der Matches wird auf die folgende Nachricht trotzdem nicht geantwortet. Ein Drittel der Männer erreicht in Tinder & Co keine einzige Verabredung.
- Der Grund: Wie viele Anfragen die Nutzer bekommen, ist sehr ungerecht verteilt. „The winner takes it all“. Sehr wenige werden mit Anfragen überschwemmt, während die überwiegende Masse so gut wie keine Matches erzielt.
- Gleichzeitig sind die Ansprüche der Frauen auf Partnerbörsen enorm. Die gezeigten Männer beurteilen sie zu 80 % als „ausgesprochen unattraktiv“. Sie sind in Partnerbörsen besonders wählerisch bei Körpergröße, ökonomischem Status und physische Attraktivität.
- Die meisten Nutzerinnen sind auf Single-Börsen gar nicht an einer Liebesbeziehung interessiert. 41 % befinden sich bereits in einer festen Beziehung. Frauen nutzen Partnerbörsen vorrangig zur Unterhaltung und um den eigenen Selbstwert zu pushen anstatt zur tatsächlichen Partnersuche.
- Nur etwa 20 % der männlichen Nutzer schaffen es jemals, über Tinder mindestens einen One-Night-Stand anzubahnen. Genau diese kleine Gruppe schafft das auch problemlos im echten Leben. Partnerbörsen sind also allenfalls für bereits erfahrene Menschen hilfreich.

Deshalb finden sich in den Online-Partnerbörsen gerade jene Menschen wieder, denen der Erfolg im echten Leben verwehrt bleibt. Während sich 87 % der Absoluten Beginner online auf Partnersuche begeben, machen das nur 18 % der sebstbewussten Non-Love-Shys.

Online-Partnerbörsen – egal ob Tinder, Parship oder Elitepartner sind keine Lösung für Absolute Beginner. Im Gegenteil: Sie verschwenden Jahre des Lebens damit, von einer Enttäuschung in die nächste zu stolpern und in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung nicht voranzukommen.
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Psychische Folgen
Wer ungewollt ohne sexuelle Erfahrung ist, trägt damit oft auch eine seelische Last.
Achtung: Diese Männer werden in Studien und Forschung manchmal als „Incels“ (von „involuntary celibate“, unfreiwillig partnerlos) bezeichnet – ein Begriff, der ursprünglich neutral gemeint war, mittlerweile aber oft mit einer kleinen, lauten und radikalisierten Online-Szene verwechselt wird. Die übergroße Mehrheit der Betroffenen hat damit nichts zu tun, sondern leidet still und sucht oft gar keine Öffentlichkeit für ihre Situation.
Studien finden bei betroffenen Männern überdurchschnittlich häufig:
- Depressive Verstimmungen bis hin zu Suizidgedanken
- Soziale Ängste
- Ein starkes Gefühl von Einsamkeit
- Die Sorge, dauerhaft allein zu bleiben
- Das Gefühl, ungerecht behandelt oder ausgeschlossen zu werden
- Eine insgesamt geringere Zufriedenheit mit dem eigenen Leben
Das ist keine Schwäche, sondern eine nachvollziehbare Reaktion auf eine Situation, die viel Kraft kostet – vor allem, wenn man das Gefühl hat, allein damit zu sein.
Wie hängt das zusammen?
Der Zusammenhang wirkt vermutlich in beide Richtungen. Depression und Angst können dazu führen, dass jemand sich seltener auf andere Menschen zubewegt und seltener Nähe zulässt. Gleichzeitig kann ein lang andauernder Mangel an Nähe und Beziehung selbst zur Belastung werden und depressive Symptome begünstigen. Kein einseitiges „Problem“, sondern ein Kreislauf, der sich von beiden Seiten her verstärken kann (und genau deshalb auch von beiden Seiten her wieder aufgelöst werden kann).
Im Lauf der Jahre nimmt die Belastung typischerweise zu, denn:
- Zurückweisung nagt am Selbstwert: Wiederholte Ablehnung oder das Gefühl, übersehen zu werden, führt mit der Zeit oft zu Selbstzweifeln – man beginnt, an der eigenen Attraktivität oder dem eigenen Wert zu zweifeln, obwohl das selten der eigentliche Grund für die Situation ist.
- Nähe fehlt als Schutz: Enge Beziehungen wirken normalerweise wie ein Puffer gegen schwierige Lebensphasen. Fehlt dieser Puffer über lange Zeit, fällt es schwerer, mit Rückschlägen und Belastung umzugehen.
- Die Suche nach Erklärungen: Manche Betroffene suchen die Ursache zunehmend bei der Gesellschaft insgesamt. Das ist eine verständliche Art, mit Frustration umzugehen, kann aber auf Dauer zu Verbitterung führen und den Blick auf eigene Handlungsmöglichkeiten verstellen.
Therapie & Beratung
Die Ursachen dafür, ein Absoluter Beginner geblieben zu sein, sind sehr vielfältig. Deshalb ist jede Beratung individuell. Es gibt trotzdem Punkte, an denen alle Betroffenen arbeiten müssen.
- Abbau von Ängsten und Unsicherheiten im Umgang mit dem anderen Geschlecht.
- Eine Korrektur der Rollenbilder Mann vs. Frau – welche Erwartungen haben Partner an mich, ganz im Widerspruch zum transportierten Rollenbild in Medien, Filmen und Liedern.
- Was unterscheidet ein Kennenlernen als Freund und Verführung für den Aufbau einer Liebesbeziehung?
- Wie gehe ich besser mit Zurückweisung um?
- Welche äußerlichen Merkmale sollten verändert werden, um mich attraktiver erscheinen zu lassen – wie wirke ich männlicher/weiblicher und weniger androgyn?
- Wie kann ich Gespräche/Dates lenken, sodass ich als sexuell begehrenswerter Partner wirke?
- Welche unbewussten inneren Überzeugungen und erlernten psychologischen Verhaltensmuster hindern mich an der Partnersuche im echten Leben?
- Wie kommuniziere ich meine sexuellen Bedürfnisse, wenn ich mir mehr als Freundschaft erhoffe?
📅 Meine Online-Beratung für Absolute Beginner
Was in Eigenregie Jahre dauern kann, lässt sich mit der richtigen Begleitung oft in wenigen Monaten verändern. Vereinbaren Sie ein erstes Gespräch und finden Sie heraus, wo Sie konkret ansetzen können.
Wie psychologische Arbeit für Absolute Beginner funktioniert
Erfolgreiches Ansprechen, Kennenlernen, eine interessante Person sein, Verführung und Beziehungsaufbau sind Fertigkeiten, die wie eine Sportart erlernt werden können. Es braucht Übung, um sich auf Partys, Dates und in sozialen Situationen wohlzufühlen. In einer Therapie können diese Social Skills vermittelt werden – und die oft unbewussten, unausgesprochenen sozialen Regeln.
Steigerung von Selbstwert – Mut aufbauen
Ein wichtiger Schritt ist der Aufbau von Selbstvertrauen und einem positiven Selbstbild. Übungen und Rollenspiele verschaffen Sicherheit und Vertrautheit mit typischen Situationen bei Kennenlern- und Datingphasen. Der Betroffene ist dann geübt und vorbereitet, wenn es darauf ankommt.
Situationen analysieren
Im Laufe einer Beratung wird der Absolute Beginner Fortschritte machen: erstes eigenständiges Ansprechen, erste Verabredungsversuche und Dates.
Diese Ereignisse werden in der Beratung besprochen und analysiert: wo verhalte ich mich ungünstig, wodurch vermittle ich Unsicherheit oder den Eindruck ein schlechter potenzieller Partner zu sein?
Techniken aus der psychologischen Verhaltenstherapie wie vertikale und horizontale Verhaltensanalysen decken zugrundeliegende Ursachen und ungünstige Gedanken auf.
Kommunikation
In Dating und Beziehungsalltag spielen jene Teile der Kommunikation eine wichtige Rolle, die über die Sachebene hinausgehen. Selbstoffenbarung, Appellseite, Beziehungsseite (Vier-Seitenmodell der Kommunikation). In der Beratung lernen Absolute Beginner, die unausgesprochenen Teile zu lesen und zu verstehen.
Non-Verbale Kommunikation ist ebenfalls erlernbar – es gibt Verhaltensweisen, die den Sprecher stark und sicher erscheinen lassen. Emotionen spiegeln, ruhige Gestik und Mimik kann eingeübt werden. Jene Verhaltensweisen, die Unsicherheit vermitteln, werden identifiziert und schrittweise abgelegt.
Kleidung & Stilberatung
Die physische Attraktivität hängt nicht nur von körperlichen Merkmalen – Größe, Gewicht, Gesichtsform ab. Auch Kleidung, Stil und Pflege tragen zu einem attraktiven Ersteindruck bei.
Deshalb ist Stilberatung ein wichtiger Teil des Prozesses – welcher Kleidungsstil wirkt attraktiv, wie vermittle ich mit Kleidung und Styling, ein begehrenswerter Partner zu sein? Welche unbewussten Signale senden Männer und Frauen durch ihr Äußeres im Datingprozess?
Storytelling
Spannende, aufregende Gesprächspartner haben gelernt, sich selbst und ihr bisheriges Leben in emotional bewegende Geschichten zu verpacken. Gesprächstechniken kann man erlernen.
Dazu gehört auch, die spannenden Anteile des eigenen Lebens vorzubereiten, sodass sie bei Dates und Kennenlernphasen leichter präsentiert werden können. So kommt es nicht mehr zu peinlichem Schweigen.
Aufbau von Freundeskreisen
Die meisten lernen ihren späteren Partner im Bekannten- und Freundeskreis kennen. Deshalb ist Teil der Beratung, den eigenen sozialen Zirkel aktiv zu vergrößern. Es werden Listen mit Personen im Umfeld erstellt, die infrage kommen.
Es werden Routinen eingeübt und Pläne erstellt, um bestehende Kontakte zu vertiefen. Außerdem wird nach Veranstaltungen und Events gesucht, auf denen man leicht neue Freunde finden kann.
Arbeit am unsicheren Bindungsstil
Viele Absolute Beginner haben in frühester Kindheit ungünstige Bindungserfahrungen mit ihren Eltern gemacht. Vernachlässigung, Gewalt oder autoritäre Erziehungsmethoden haben verhindert, dass sie ein grundsätzliches positives Bindungsmuster entwickelt haben.
In der psychologischen Arbeit werden diese unsicheren Bindungsstile verändert. Dann fällt es leichter, Vertrauen aufzubauen und sich in engeren Bindungen wohlzufühlen.
Arbeit an den eigenen Vorstellungen
Ohne Beziehungserfahrung haben Absolute Beginner gar kein Bild davon, was sie von einem Partner tatsächlich erwarten – und welche Erwartungen eher vorgeschoben sind. Welche Merkmale sind wichtig, wenn es eine stabile Beziehung werden soll? Welche Gemeinsamkeiten und Überzeugungen müssen Paare teilen, um langfristig glücklich zu sein?
Wie viel muss ich in eine funktionierende Beziehung investieren – an Zeit, Aufmerksamkeit und Arbeit? Welche Kompromisse kann ich eingehen und trotzdem zufrieden zu sein?
Wichtig ist auch, die eigenen Ansprüche zu ergründen: Gibt es eigene Mindestanforderungen, die es unrealistisch machen, einen Partner zu finden?
Auch die Vorstellung hinsichtlich eigener und fremder Sexualität ist bei Absoluten Beginnern verzerrt. Das Bild, das sie von Filmen (speziell Pornografie) vermittelt bekommen, entspricht kaum der gelebten Sexualität in Beziehungen. In der Beratung werden Ängste genommen, Leistungsdruck abgebaut und realistisches Bild vermittelt.
Praktische Übungen im echten Leben
Neben den Rollenspielen muss der Absolute Beginner auch im echten Leben üben. Das beginnt mit sehr einfachen, niederschwelligen Aufgaben – etwa fremde Passanten auf der Straße zu grüßen. Schwierigere Aufgaben sind dann alleine zu Veranstaltungen zu gehen bis hin zu Mutproben, die deutlich außerhalb der Komfortzone liegen.
Aufbau von Freizeitverhaltens
Attraktive Menschen führen ein attraktives Leben. Deshalb wird systematisch nach neuen Hobbys und Freizeitmöglichkeiten gesucht und diese nach und nach ausprobiert.
Das ist Arbeit an der eigenen Lebenszufriedenheit – denn in Partnerschaften sind jene Menschen erfolgreichsten, die auch im Leben allgemein glücklich und zufrieden sind.
Arbeit an psychischen Begleiterkrankungen
Erfahrungsgemäß leiden viele Absolute Beginner in leichter Form an psychischen Begleiterkrankungen. Häufig sind Depressionen, Angststörungen, extreme Schüchternheit und Computerspiel-Sucht. In einer Beratung werden diese berücksichtigt werden und ggf. auch medikamentöse Möglichkeiten angesprochen.
Dauer
Wie das Erlernen eines Instruments braucht das Einüben von sozialen Skills, Aufbau eines attraktiven Lebensstils und Veränderung an der Persönlichkeit ausreichend Zeit.
Die besten Erfahrungen machen Absolute Beginner, die sich auf 1-2 wöchentliche Sitzungen (45 min) für 12 Wochen bis 6 Monaten einstellen.
Prognose
Um das Absolute Beginner-Sein hinter sich zu lassen, muss der Teufelskreis aus schlechten Erfahrungen, Erfolgslosigkeit, Rückzug und Resignation unterbrochen werden.
Wenige glückliche Zufälle
Das passiert am besten, indem die Betroffenen positive Erfahrungen machen. Je älter die Absoluten Beginner werden, desto unwahrscheinlicher wird es allerdings, dass ihnen diese Erfahrungen einfach zufallen.
Ein Nachholen der natürlichen Entwicklungsphasen der Pubertät gelingt alleine kaum und wenn nur in einzelnen Elementen. Manchen gelingt es, sich Hilfe im Freundeskreis zu holen, wenn sie ihr Problem offenbaren.
Es gibt Berichte von erfolgreichem „Verkuppeln“ im Freundeskreis. Selten auch von Partnerinnen, die selbst den ersten Schritt gemacht haben und den Absoluten Beginner mit viel Geduld und Verständnis beziehungsfähig gemacht haben.
Allerdings scheitern Beziehungen bei Ungeübten in der Regel schon nach kurzer Zeit. Deshalb ist es selbst nach erfolgreichen Dates oder dem ersten Mal Sex noch nicht geschafft.
Die meisten Absoluten Beginner brauchen psychologisches Beratung oder Therapie
Mit professioneller psychologischer Begleitung (speziell für Absolute Beginner, nicht allgemeine Psychotherapie) schafften in Studien über 80 % der Absoluten Beginner, ihre Love-Shyness abzulegen. Sie holen versäumte Entwicklungsschritte nach und können dann am normalen Dating-Prozesse mit Kennenlernen, Dates und Beziehungen teilzunehmen.
Eine solche langfristige psychologische Arbeit wirkt besonders auch in schweren und hartnäckigen Fällen. Das neue Selbstvertrauen, Mut, erlangte soziale Skills und erhöhte Beziehungsfähigkeit wirken sich auch außerhalb von Dating und Beziehungen aus.
Auch die generelle (eventuell depressive) Stimmung verbessert sich – wegen der Erweiterung der Komfortzone – durch die Aufnahme neuer Hobbys und Freizeitbeschäftigungen (egal ob mit Partner oder alleine).
Persönlichkeitsentwicklung ist dauerhaft
Die beste Nachricht ist, dass erarbeitet Fortschritte dauerhaft und permanent bleiben. Verständnis für unausgesprochene Teile der Kommunikation, Einblicke in die Lebenswelt des anderen Geschlechts, Vertrautheit mit Beziehungsaufbau, -pflege und Selbstvertrauen bleiben für immer – auch wenn eine Beziehung wieder in die Brüche gehen sollte.
Der eigentliche Erfolg ist nicht, endlich eine erste Beziehung zu finden oder den Makel der Jungfräulichkeit loszuwerden. Es geht darum, ein begehrenswerter, attraktiver Partner zu werden, der ganz natürlich Menschen des anderen Geschlechts in seinem Leben hat und darauf vertrauen kann, bei Bedarf wieder bald einen neuen Partner zu finden.
Am Ende verändern erfolgreiche, längerfristige Beziehungen Persönlichkeitseigenschaften: Wenn (ehemalige) Absolute Beginner es schaffen, etwas Beziehungserfahrung zu erlangen, nehmen Neurotizismus-Werte ab. Extraversion, Gewissenhaftigkeit und Offenheit nehmen zu. Die Persönlichkeit der Absoluten Beginner reift in der ersten Beziehung also nach.
Tipps
- Bauen Sie sich einen Freundes- und Bekanntenkreis auf, der selbst ein sozial aktives Leben führt. Schlagen Sie keine Einladungen aus.
- Setzen Sie Ihre Prioritäten neu. Vorrang hat die Partnersuche – das schließt Veranstaltungen am Abend ein. Auch wenn das zulasten ihres Arbeitsalltags gehen sollte.
- Konzentrieren Sie sich darauf, Fortschritte zu machen. Auch Enttäuschungen und Ablehnungen bringen sie ihrem Ziel näher.
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FAQ – Häufige Fragen
Hilft Absoluten Beginner der Besuch einer Prostituierten?
Das kann für einen kleinen Teil der Absoluten Beginner eine plausible Option sein – wenn Ängste und Selbstwertprobleme sich darauf gründen, das erste Mal noch vor sich zu haben. Für die meisten Absoluten Beginner besteht die Schwierigkeit aber darin, an Dates zu kommen und dann eine sexuelle Beziehung aufzubauen. Dabei kann der Besuch einer Prostituierten nicht helfen. Trotzdem ist das eine Option, die man nicht grundsätzlich ausschließen sollte.
Sollte ich versuchen, andere Absolute Beginner zu daten?
Das ist wenig erfolgversprechend. Sie sollten stattdessen versuchen, sich auch bei Dates mit Menschen zu treffen, die geübt in Kennenlernen, Beziehungsaufbau und sozialen Interaktionen sind. Selbst wenn Sie abgewiesen werden, lernen Sie dadurch eher, wie gute, funktionierende Dates und Beziehungsaufbau aussehen. Ihr Ziel sollte jedenfalls sein: von Partnerinnen zu lernen, die schon Beziehungserfahrung haben.
Sind spezielle Partnerbörsen für Absolute Beginner sinnvoll?
Die einzige Online-Partnerbörse mit der Option „Absolute Beginner“ ist gleichklang.de. Die Erfahrung meiner Klienten ist: Auf Absolute Beginner spezialisierte Angebote bringen noch weniger Dates, diese Dates verlaufen umso zäher und erfolgloser.
Kritisch ist auch die implizite Vorstellung, nur weil Sie keine Beziehungserfahrung haben, seien Sie es nicht wert, dass sich jemand mit Erfahrung auf Sie einlässt.
Sind Speeddatings gut für Absolute Beginner?
Speeddatings können Teil eines Übungsplans sein, weil man in kurzer Abfolge neu erlerntes und vorbereitetes Material ausprobieren kann. Leider verwenden viele Absolute Beginner solche Veranstaltungen dazu, ihr Gewissen zu beruhigen („ich habe eh wieder Frauen kennengelernt“) und ihre Aktivitäten auf die Speeddating-Events zu beschränken. Als alleinige Strategie sind Speeddatings für Absolute Beginner kontraproduktiv.
Sind Face2Face-Dating-Events für Absolute Beginner besser als Speeddating?
Während sich bei Speeddating die Partner zu zweit und für 7–15 Minuten alleine unterhalten, sprechen bei Face2Face-Dating meist zwei Gruppen aus 3–5 Menschen miteinander. Danach wechseln die Gruppen. Absoluten Beginnern fällt es enorm schwer, in solchen Gruppen die Aufmerksamkeit zu erlangen. Die Erfolgsaussichten sind noch schlechter als bei Speeddating-Konstellationen.
Woran scheitern Dates von Absoluten Beginnern am häufigsten?
Schlechte Vorbereitung: ungünstige, langweilige Date-Locations bieten wenig Gelegenheit zu Körperkontakt, wenig Unterhaltung von außen und keine Gelegenheit, sich als interessant darzustellen (Beispiel: Kino, Kaffee trinken gehen).
Vorab kein Ziel festgelegt: Wie weit soll Körperkontakt gehen, soll bereits ein nächstes Date vereinbart werden, Küssen etc.
Was ist der beste Tipp für Absolute Beginner?
Mit psychologischer Hilfe: Lernen Sie gezielt jene sozialen Skills, die zum Beziehungsaufbau nötig sind. Dafür gibt es Schritt-für-Schritt-Modelle aus der Psychologie.
Auf eigene Faust: Vergrößern Sie Ihren sozialen Kreis massiv, gehen Sie auch auf Dates, die Sie nicht 100 % interessieren, führen Sie Protokoll, was funktioniert hat und was nicht. Bitten Sie Ihre Freunde und Bekannten um Hilfe. Vergessen Sie Online-Dating.
Sollen Absolute Beginner eine reguläre Psychotherapie machen
Ein erheblicher Teil meiner Klienten hat bereits erfolglose Psychotherapieversuche hinter sich. Psychotherapeuten sind die richtige Anlaufstelle für klinische, psychische Erkrankungen mit Krankheitswert. Für Absolute Beginner fehlen der klassischen Psychotherapie jedoch die passenden Konzepte und Kompetenzen, weshalb Betroffene selten davon profitieren.
Sollten Sie dennoch eine Psychotherapie in Betracht ziehen, empfiehlt sich am ehesten ein verhaltenstherapeutischer Ansatz, da dieser am konkreten Verhalten ansetzt. Psychodynamische Verfahren (wie die Psychoanalyse) oder systemische Ansätze sind für diese Zielsetzung in der Regel nicht zielführend.
40, 50 Jahre – wann ist es zu spät?
Nie.

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