Flirtkurs, Dating-Coach oder Psychologe? Was schüchternen Männern wirklich hilft

Sie möchten endlich eine Partnerin finden, aber das Ansprechen fällt Ihnen schwer? Dann haben Sie vielleicht schon nach einem Flirtkurs oder einem Dating-Coach gesucht. Das Angebot ist groß: Wochenend-Workshops, Online-Kurse im Abo, Einzelcoaching. Aber was davon hilft wirklich, wenn Sie schüchtern sind oder noch nie eine Beziehung hatten?

Ich bin Psychologe und arbeite seit Jahren mit Männern, die mit 30, 35 oder 40 noch keine Partnerin hatten. Auf dieser Seite zeige ich Ihnen ehrlich, was die verschiedenen Angebote leisten können, und für wen welcher Weg passt.

Video (8 Minuten) · Inhalt: Dr. Armin Kaser, Psychologe, KI-Avatar

Wer darf sich wie nennen?

Der größte Unterschied liegt in der Ausbildung. „Coach“ und „Flirttrainer“ sind keine geschützten Begriffe: Jeder darf sich so nennen, auch ganz ohne Ausbildung. „Psychologe“ ist dagegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz geschützt und setzt ein abgeschlossenes Psychologiestudium voraus.

Ich habe Psychologie studiert, im Fach promoviert (Mag. rer. nat., Dr. rer. nat.) und die Ausbildung in Klinischer Psychologie nach österreichischem Gesetz gemacht. Sie berechtigt, psychische Störungen zu diagnostizieren und zu behandeln. Das dürfen Coaches nicht.

Was ein Flirtkurs oder Dating-Coach leisten kann

Ein guter Flirtkurs hat einen echten Vorteil: Sie üben. Sie bekommen Anleitung, probieren Gespräche aus und erhalten Rückmeldung. Das ist wertvoll, denn Übung ist der Kern fast jeder wirksamen Hilfe bei Schüchternheit.

Studien zeigen außerdem, dass viele Ängste auf Fehleinschätzungen beruhen. In einem Experiment sollten Pendler in Zug und Bus einen Fremden ansprechen. Vorher erwarteten sie, dass das unangenehm wird. Tatsächlich erlebten sie die Fahrt mit Gespräch positiver als allein. (Epley & Schroeder, 2014) Nach einem Gespräch werden wir außerdem mehr gemocht, als wir glauben. (Boothby et al., 2018) Wer das einmal selbst erlebt, verliert einen Teil seiner Angst. Ein Kurs kann solche Erfahrungen anstoßen.

Dass ein kurzes Training etwas bewegt, zeigt eine Schweizer Studie: 96 Erwachsene nahmen an einem dreistündigen Flirttraining teil. Einen Monat später flirteten sie häufiger und entspannter und gingen offener auf andere zu. Gemessen wurde aber nicht, ob jemand eine Partnerin gefunden hat. Zwei Drittel der Teilnehmer waren Frauen, die meisten Studierende unter 30, und es gab keine Vergleichsgruppe ohne Training. (Allemand, Gmür & Flückiger, 2022)

Für Coaching im Beruf gibt es gute Belege: Eine Auswertung von 17 Studien fand eine messbare, eher mittlere Wirkung auf Fähigkeiten und Leistung. (Jones, Woods & Guillaume, 2016) Für Dating-Coaching habe ich dagegen keine einzige Studie gefunden. Ob es wirkt, weiß also niemand. Dazu kommt: Die meisten Dating-Coaches verkaufen Pakete, häufig nach einem kostenlosen Erstgespräch, das oft vor allem dem Verkauf dient.

Wo Flirtkurse an ihre Grenzen kommen

Für Männer mit wenig oder keiner Erfahrung reicht ein Kurs aber oft nicht. Die Gründe:

  • Die Angst bleibt. Viele Kurse vermitteln Sätze und Techniken. Wenn Sie im entscheidenden Moment vor Anspannung nichts sagen, hilft der beste Satz nicht. Die Angst selbst wird selten behandelt.
  • Einheitsprogramm statt Ursachen. Ein Kurs geht nicht darauf ein, warum es gerade bei Ihnen hakt: Schüchternheit, Selbstwert, frühere Erfahrungen wie Mobbing, zu wenige Gelegenheiten. Meist kommen mehrere Gründe zusammen.
  • Tricks statt Beziehung. Manche Angebote versprechen schnelle Erfolge mit Maschen. Für Absolute Beginner, die eine echte Beziehung suchen, ist das meist der falsche Weg, und wer damit scheitert, fühlt sich danach oft schlechter.
  • Einmal und vorbei. Ein Wochenende bringt Schwung, aber Veränderung braucht Wiederholung über Wochen.

Ich habe selbst einen Online-Kurs für Absolute Beginner entwickelt. Die Erfahrung mit den Teilnehmern hat mir gezeigt, dass die Themen zu unterschiedlich sind für ein Standardformat. Deshalb biete ich den Kurs nicht mehr an und arbeite nur noch einzeln mit meinen Klienten.

Was Studien über wirksame Hilfe zeigen

Bei ausgeprägter Schüchternheit und sozialer Angst ist die Forschung eindeutig. Eine große Auswertung von 101 Studien mit über 13.000 Teilnehmern hat verglichen, was gegen soziale Angst hilft. Am besten wirkte kognitive Verhaltenstherapie im Einzelsetting. Auch Übung in echten Situationen (Exposition) zusammen mit Training sozialer Fertigkeiten wirkte gut. (Mayo-Wilson et al., 2014)

Wie deutlich die Wirkung sein kann, zeigt eine Studie mit 62 Patienten mit sozialer Angststörung: Nach kognitiver Therapie hatten 84 Prozent keine soziale Angststörung mehr, nach einer Wartezeit ohne Behandlung niemand. Der Unterschied hielt auch ein Jahr später. (Clark et al., 2006)

Entscheidend ist also beides: gezielt üben und gleichzeitig an den Gedanken und Gefühlen arbeiten, die das Üben blockieren. Bei schüchternen Männern schadet oft weniger die Schüchternheit selbst als das fehlende Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, und dieses Zutrauen kann wachsen. (Baker & McNulty, 2010)

Wie lange dauert es?

Ein Flirtkurs dauert einen Abend oder ein Wochenende, ein Coaching-Paket feste Wochen, egal wo Sie stehen. Für psychologische Hilfe gibt es dazu Zahlen: Eine bekannte Auswertung mit über 2.400 Patienten zeigte, dass es nach etwa 8 Sitzungen rund der Hälfte besser ging, nach etwa 26 Sitzungen rund drei Vierteln. (Howard et al., 1986) Die Daten stammen aus der Psychotherapie, nicht aus der Beratung. Rechnen Sie also mit Monaten, nicht mit einem Wochenende. Dafür richtet sich das Tempo nach Ihnen.

Wo Sie am besten üben

Viele Coaches setzen auf Dating-Apps oder das Ansprechen fremder Frauen auf der Straße. Für Absolute Beginner ist beides meist frustrierend: In Apps haben Frauen sehr viel Auswahl, und Sie fallen ohne Erfahrung oft spätestens beim ersten Treffen heraus. Beim Speed-Dating entsteht nur selten eine Beziehung; in einer großen Studie waren es etwa vier Prozent. (Asendorpf, Penke & Back, 2011) Als Übung kann es trotzdem nützlich sein.

Besser sind Orte, an denen Sie dieselben Menschen immer wieder treffen: ein Tanzkurs, ein Verein, ein Chor, ein Hobby in der Gruppe. Dort müssen Sie niemanden „anbaggern“, das Gespräch ergibt sich aus der gemeinsamen Sache. Gemeinsames Tanzen stärkt nachweislich das Gefühl von Verbundenheit. (Tarr et al., 2015)

Für wen passt was?

Ihre SituationWas eher passt
Sie hatten schon Beziehungen und wollen lockerer werdenFlirtkurs oder Workshop als Übungsgelegenheit
Ihnen fehlt vor allem WissenOnline-Kurs als günstiger Anfang
Sie sind etwas gehemmt, trauen sich aber grundsätzlichFlirtkurs, danach regelmäßig üben in Verein, Tanzkurs oder Hobby
Sie sind über 30 und hatten noch nie eine BeziehungPsychologische Beratung, die Ursachen klärt und das Üben begleitet
Starke Angst, Sie meiden viele soziale SituationenPsychologische Beratung oder Psychotherapie

Was kostet was?

Viele Anbieter verkaufen Pakete. Typische Preise, die ich bei Anbietern gefunden habe:

  • Online-Kurs: um 470 €
  • Kurspaket: um 950 €
  • Workshop: um 2.000 €

Das zahlen Sie am ersten Tag, ob es hilft oder nicht. Ehrlich gesagt: Eine Beratung über Monate kostet mehr als ein Online-Kurs. Ich rechne aber pro Stunde ab, keine Pakete im Voraus. Sie können jederzeit aufhören, ohne Angabe von Gründen, und Pausen machen. Ein kostenloses Vorgespräch gibt es nicht, und damit auch keinen Verkaufsdruck. Die Preise finden Sie auf der Beratungsseite.

Wichtiger als der Preis pro Stunde ist, ob das Angebot an Ihren Ursachen ansetzt. Sonst zahlen Sie für Techniken, die Sie im entscheidenden Moment nicht anwenden können.

Der erste Schritt

Finden Sie zuerst heraus, woran es bei Ihnen liegt. Mein kostenloser Test zeigt in 27 Fragen, welche Ursachen bei Ihnen am wichtigsten sind. Dann wissen Sie, ob ein Kurs reicht oder ob Sie mehr brauchen.

Mehr zu Schüchternheit: Soziale Ängste und Schüchternheit

Quellen

  • Allemand, M., Gmür, B. & Flückiger, C. (2022). Does extraversion increase following a three-hour flirt training? Scandinavian Journal of Psychology. doi:10.1111/sjop.12803
  • Asendorpf, J. B., Penke, L. & Back, M. D. (2011). From dating to mating and relating: Predictors of initial and long-term outcomes of speed-dating in a community sample. European Journal of Personality, 25(1), 16–30. doi:10.1002/per.768
  • Baker, L. R. & McNulty, J. K. (2010). Shyness and marriage: Does shyness shape even established relationships? Personality and Social Psychology Bulletin, 36(5), 665–676. doi:10.1177/0146167210367489
  • Boothby, E. J., Cooney, G., Sandstrom, G. M. & Clark, M. S. (2018). The liking gap in conversations: Do people like us more than we think? Psychological Science, 29(11), 1742–1756. doi:10.1177/0956797618783714
  • Clark, D. M., Ehlers, A., Hackmann, A. et al. (2006). Cognitive therapy versus exposure and applied relaxation in social phobia: A randomized controlled trial. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 74(3), 568–578. doi:10.1037/0022-006X.74.3.568
  • Epley, N. & Schroeder, J. (2014). Mistakenly seeking solitude. Journal of Experimental Psychology: General, 143(5), 1980–1999. doi:10.1037/a0037323
  • Howard, K. I., Kopta, S. M., Krause, M. S. & Orlinsky, D. E. (1986). The dose–effect relationship in psychotherapy. American Psychologist, 41(2), 159–164. doi:10.1037/0003-066X.41.2.159
  • Jones, R. J., Woods, S. A. & Guillaume, Y. R. F. (2016). The effectiveness of workplace coaching: A meta-analysis of learning and performance outcomes from coaching. Journal of Occupational and Organizational Psychology, 89(2), 249–277. doi:10.1111/joop.12119
  • Mayo-Wilson, E., Dias, S., Mavranezouli, I., Kew, K., Clark, D. M., Ades, A. E. et al. (2014). Psychological and pharmacological interventions for social anxiety disorder in adults: a systematic review and network meta-analysis. The Lancet Psychiatry, 1(5), 368–376. doi:10.1016/S2215-0366(14)70329-3
  • Tarr, B., Launay, J., Cohen, E. & Dunbar, R. (2015). Synchrony and exertion during dance independently raise pain threshold and encourage social bonding. Biology Letters, 11(10), 20150767. doi:10.1098/rsbl.2015.0767
Profilbild Dr. Armin Kaser Psychologe für Absolute Beginner