Soziale Ängste und Schüchternheit

Viele Absolute Beginner beschreiben sich als schüchtern. Sie trauen sich nicht, jemanden anzusprechen, fürchten sich vor Ablehnung oder haben das Gefühl, dass alle ihre Unsicherheit bemerken.

Schüchternheit verzögert den Weg in die erste Beziehung, das ist gut belegt. Genauso gut belegt ist aber: Schüchterne Menschen sind nicht weniger fähig, und viele Ängste beruhen auf Fehleinschätzungen, die man korrigieren kann.

Auf dieser Seite finden Sie meine Kurzvideos zu diesem Thema, jeweils mit einer kurzen Einordnung der Studie.

Schüchternheit ist kein Defekt

Schüchternheit ist ein Temperamentsmerkmal, das oft schon im Kindergarten sichtbar ist. Langzeitstudien aus Deutschland, Schweden und den USA zeigen übereinstimmend: Schüchterne Menschen starten später in Beziehungen, sind aber als Erwachsene psychisch meist gesund und beruflich genauso erfolgreich. Der Zeitplan verschiebt sich, die Fähigkeiten bleiben.

Wo Schüchternheit zur sozialen Angst wird, entsteht ein Kreislauf: Man meidet Situationen, bekommt dadurch keine guten Erfahrungen, und die Angst wächst. Genau hier setzt die Arbeit an.

Denkfehler, die Angst machen

Viele Ängste beruhen auf Fehleinschätzungen. Wir glauben, dass andere unsere Nervosität deutlich bemerken, dabei fällt sie kaum auf. Wir erwarten, dass ein Gespräch mit Fremden unangenehm wird, und erleben es dann als angenehm. Und wer Ablehnung fürchtet, sieht sie auch dort, wo keine ist.

Diese Denkfehler sind gut erforscht und lassen sich korrigieren: durch Wissen, durch gezielte kleine Übungen und durch neue Erfahrungen, die das alte Bild widerlegen.

Soziale Angst und Kennenlernen

Beim Kennenlernen verstärkt sich die Angst oft, weil viel auf dem Spiel zu stehen scheint. Viele Absolute Beginner vermeiden deshalb genau die Orte, an denen sie Frauen treffen könnten, oder sie bleiben dort still am Rand. So entsteht der Eindruck, es liege an einem selbst, obwohl schlicht die Übung fehlt.

Leichter wird es an Orten, an denen man sich wiederholt sieht und eine gemeinsame Aufgabe hat: im Kurs, im Verein, im Chor, beim Sport. Dort muss niemand jemanden ansprechen, das Gespräch ergibt sich aus der Sache. Mit jeder Woche sinkt die Anspannung, und Vertrautheit entsteht fast von selbst.

Was Sie jetzt tun können

Suchen Sie sich eine Situation, die nur ein wenig Überwindung kostet, und wiederholen Sie sie regelmäßig: ein kurzes Gespräch an der Kasse, eine Frage im Kurs, ein Kompliment unter Kollegen. Angst sinkt durch Wiederholung, nicht durch Nachdenken. Wie stark soziale Ängste bei Ihnen eine Rolle spielen, zeigt Ihnen der Online-Test.

Die Videos zu diesem Thema

Studie: Schüchtern als Kind?

Asendorpf und Kollegen haben die schüchternsten Kinder eines Jahrgangs 19 Jahre lang begleitet. Als Erwachsene hatten sie ihre erste feste Beziehung später als andere, waren aber zum allergrößten Teil psychisch unauffällig. Schüchternheit verzögert also den Start, sie macht nicht krank.

Quelle: Asendorpf, J. B., Denissen, J. J. A. & van Aken, M. A. G. (2008). Inhibited and aggressive preschool children at 23 years of age: Personality and social transitions into adulthood. Developmental Psychology, 44(4), 997–1011. doi:10.1037/0012-1649.44.4.997

Weitere Videos zu diesem Thema sind in Vorbereitung.

Wie es weitergeht

Sie möchten wissen, wie stark soziale Ängste bei Ihnen eine Rolle spielen? Der kostenlose Online-Test gibt Ihnen eine erste Einschätzung. Mehr dazu lesen Sie auf meiner Infoseite für Absolute Beginner. Wenn Sie daran arbeiten wollen, können Sie ein Gespräch per Video mit mir buchen.

Inhalt: Dr. Armin Kaser, Psychologe, KI-Avatar