Computersucht (Gaming Disorder)

von Dr. Armin Kaser | Psychologe | 01.08.2021

Computersucht wurde 2018 als “Gaming Disorder” offiziell als psychische Krankheit von der WHO anerkannt. Symptome, Folgen und was man dagegen tun kann.

Computersucht - Symptome, Therapie

Zusammenfassung

  • Unter der Sucht leiden Alltag, Schule/Job und Familienleben. Folgen sind massive Konflikte, Vereinsamung, der Abbruch von Schule oder Studium und Arbeitslosigkeit.
  • HĂ€ufig sind psychische Begleiterkrankungen: Depressionen, Ängste, ADHS und Persönlichkeitsstörungen.
  • Hilfe finden Betroffene und Eltern bei Beratungsstellen (online oder offline), in meiner Online-Beratung, bei Psychologen und Suchtkliniken. In leichten FĂ€llen können Tipps und Techniken zur Selbsthilfe ausreichen.

Symptome

Eine Computersucht lÀsst sich anhand dieser typischen Symptome von normalem Spielen unterscheiden:

  1. Craving – unwiderstehliches Verlangen: Die Gedanken kreisen auch dann um Computerspiele und die nĂ€chste Gelegenheit zu spielen, wenn eigentlich wichtigeres zu erledigen ist – in der Schule oder am Arbeitsplatz.
  2. Fehlende Kontrolle – eigene Versuche, die Spielzeit zu reduzieren, scheitern.
  3. Entzugssymptome – Kann der SĂŒchtige lĂ€ngere Zeit nicht spielen, wird er nervös, aggressiv, reizbar, wĂŒtend. Auch körperliche Entzugssymptome sind möglich.
  4. Toleranzentwicklung – um die positiven GefĂŒhle weiter zu spĂŒren, muss IntensitĂ€t und Dauer des Computerspielens stĂ€ndig erhöht werden. Die Spielzeiten werden kontinuierlich lĂ€nger.
  5. Weiterspielen trotz auftauchender Probleme – Der SĂŒchtige spielt weiter, obwohl die ausufernde Spielzeit, VernachlĂ€ssigung des Alltags, Schule oder Job negative Konsequenzen auf sein Leben haben.
  6. Vertuschung und LĂŒgen – der SĂŒchtige belĂŒgt seine Eltern, Partner oder Familie, um die Sucht zu verbergen und um weiterzuspielen.

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HĂ€ufigkeit

Psychologische Studien ergeben, dass im deutschsprachigen Raum 2-4 % der Bevölkerung von Computersucht betroffen sind. Die Zahlen unterscheiden sich stark, je nachdem welche Altersgruppe und Untersuchungsmethode gewÀhlt wird.

Ursachen

Eine Sucht hat immer mehrere Ursachen. Das biopsychosoziale Modell zu Computersucht unterscheidet 3 Bereiche:

1. Ursachen in den Persönlichkeitsmerkmalen des ComputersĂŒchtigen – Menschen sind unterschiedlich anfĂ€llig fĂŒr die Entwicklung einer AbhĂ€ngigkeit. Introversion, SchĂŒchternheit, Sensation Seeking, emotionale InstabilitĂ€t begĂŒnstigen eine Sucht.

2. Ursache im Suchtmittel: den Computerspielen – Spieldesigner nutzen das Belohnungssystem unseres Gehirns um GefĂŒhle von Spaß, Freude und Zufriedenheit auszulösen. Manche Spieler werden von diesen Belohnungsreizen allerdings abhĂ€ngig. Die Entwicklung von Abo-Modellen und Free2Play-Spielen hat dazu gefĂŒhrt, dass diese psychologischen Mechanismen intensiver genutzt werden.

3. Ursachen im familiĂ€ren und gesellschaftlichen Umfeld – Broken Homes, familiĂ€re Konflikte und SchicksalsschlĂ€ge, Leistungsdruck in Schule und Arbeit können ebenfalls eine Computersucht fördern. Auf dem Smartphone sind Spiele stĂ€ndig verfĂŒgbar. Eltern können die Spielzeit deshalb nur noch schwer kontrollieren.

Begleiterkrankungen

Fast alle ComputersĂŒchtigen zeigen zusĂ€tzlich Symtpome einer oder mehreren psychischen Störungen.

  • 52 % leiden an Persönlichkeitsstörungen wie Paranoia, Borderline, Narzissmus, ZwĂ€nge (zu den Persönlichkeitstests).
  • 50 % beschreiben eine Angststörung. Am hĂ€ufigsten sind soziale Ängste: Extreme SchĂŒchternheit, Unsicherheit und ein Mangel an sozialer Kompetenz.
  • 40 % zeigen depressive Symptome – Verlust an Interesse, Traurigkeit, Schlafstörungen, Gewichtsverlust, Suizidgedanken.
  • 24 % sind von ADHS betroffen: BeeintrĂ€chtigung der Aufmerksamkeit, ImpulsivitĂ€t und HyperaktivitĂ€t.

Folgen

Der Unterschied zwischen einer Sucht und normalem (wenn auch exzessivem) Spielen ist, dass der SĂŒchtige oder sein Umfeld darunter leiden.

  1. Vereinsamung: Der ComputersĂŒchtige zieht sich immer mehr zurĂŒck. Freundschaften versanden, weil er immer weniger Interesse an gemeinsamen AktivitĂ€ten zeigt. Nach vielen erfolglosen Versuchen geben sie auf. Dass der Interessensverlust ein Symptom der Sucht ist, erkennen sie leider nicht.
  2. Depression: Traurigkeit, Interessensverlust, Gewichtsabnahme und Hoffnungslosigkeit sind Anzeichen einer Depression. Ein Teufelskreis entsteht, in dem alle AktivitĂ€ten, die vorher noch Spaß und Freude bereitet haben, durch Computerspielen ersetzt werden. Wegen der Suizidgedanken, die hĂ€ufig mit einer Depression einhergehen, sollte schon bei ersten Anzeichen professionelle Hilfe geholt werden.
  3. Probleme in Schule und Studium: Weil außer den Computerspielen alles andere unwichtig erscheint, fĂ€llt die Leistung in Schule oder Studium ab. Anfangs verhindern durchgespielte NĂ€chte und folglich Schlafmangel, dass die Konzentration in der Schule schwindet. Hausaufgaben bleiben unerledigt, weil sie Spielzeit kosten wĂŒrden. In manchen FĂ€llen gehen die ComputersĂŒchtigen auch dauerhaft nicht mehr zur Schule. An der UniversitĂ€t bleibt eine Computersucht oft lange unentdeckt, vor allem wenn der SĂŒchtige fĂŒr das Studium in eine fremde Stadt gezogen ist. Dann fĂ€llt es oft mehrere Semester nicht auf, dass das Studium lĂ€ngst auf Eis liegt.
  4. Arbeitslosigkeit: Im Job fĂ€llt es dagegen frĂŒher auf, wenn der SĂŒchtige tĂ€glich ĂŒbermĂŒdet erscheint, seine Konzentration und deshalb auch seine Arbeitsleistung leidet. Weil der Suchtdruck auch wĂ€hrend der Arbeitszeit hoch ist, nutzt er auch Arbeitscomputer oder Smartphone, um weiterzuspielen. Langfristig kommen die SĂŒchtige allerdings gar nicht mehr zur Arbeit.
  5. Armut: Finanzielle Probleme entstehen einerseits durch Jobverlust und Arbeitslosigkeit, andererseits, weil eine Sucht oft Schul- und Uni-Laufbahn beenden.
  6. Psychische (Begleit-) Erkrankungen: UngefĂ€hr 90 % der ComputersĂŒchtigen leiden unter einer oder mehreren weiteren psychischen Störungen. Die Einsamkeit, Depression und Suchtspirale verstĂ€rken diese KomorbiditĂ€ten, je lĂ€nger die Computersucht andauert.
  7. Körperliche Folgen: Schwierige ErnĂ€hrungsgewohnheiten – vor allem Fast Food, um Zeit zu sparen – fĂŒhren zu Gewichtsproblemen: ComputersĂŒchtige sind fast immer auffallend schlank oder ĂŒbergewichtig. Weil zunehmend die Motivation zu Sport und Bewegung fehlt, verkĂŒmmert die Muskulatur. Deshalb sind HaltungsschĂ€den hĂ€ufig, besonders der RĂŒcken ist durch das viele Sitzen betroffen. Andere typische Beschwerden von ComputersĂŒchtigen: trockene Augen, SehnenscheidenentzĂŒndung und (bei Kindern) die Entwicklung von Kurzsichtigkeit.
  8. Schlafstörungen: Weil Abends und in der Nacht in Online-Spielen am meisten los ist, verlagert sich die Wachzeit des SĂŒchtigen immer weiter in die Nacht. Durch die Aufregung im Spiel und dem einhergehenden Stress kann der Körper danach nicht schnell genug herunterfahren, was zu Problemen mit dem Einschlafen fĂŒhrt.

10 Tipps gegen Computersucht

Besonders am Anfang können Eltern oder Partnerinnen noch versuchen, zu intervenieren.

Was Sie selbst gegen Computersucht tun können

  1. Das Problem richtig ansprechen: Suchen Sie einen geeigneten Zeitpunkt. Setzen Sie sich ein realistisches Ziel. Vielleicht, dass er ein altes Hobby wieder aufnimmt? Eine Reduktion der Spielzeit? Ein wichtiges Ziel ist: Er soll verstehen, dass Sie sich Sorgen machen – auch wenn er selbst kein Problem erkennen kann.
  2. Wenn es um Ihr Kind geht: Informieren Sie sich ĂŒber altersgerechte Mediennutzung.
  3. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind einen Mediennutzungsvertrag. Er hilft, unnötige und wiederkehrende Diskussionen ĂŒber Handy-, Computer-, Konsolen– oder Internetnutzung zu verhindern.
  4. Schwieriger, aber möglich: Manche psychologischen Techniken aus der Verhaltenstherapie können Sie selbst versuchen. Mit dem Tageszeitkuchen halten Sie fest, wie groß der Anteil der Spielzeit am Tagesablauf ist – und was stattdessen wĂŒnschenswert wĂ€re. Die Kosten-Nutzen-Analyse sammelt Motive und Konsequenzen exzessiven Spielens. Was sind die Ursachen einer Sucht? Welchen Nutzen zieht der Betroffene aus seinem sĂŒchtigen Verhalten? Die effektivste Variante sind BelohnungsplĂ€ne. Sie verstĂ€rken positives Verhalten mit kleinen und großen Belohnungen.
  5. Richten Sie online- und smartphonefreie Zeiten ein, an die Sie sich auch selbst halten. Seien Sie selbst auch ein gutes Vorbild.

Was Sie nicht machen sollten

Die Erfahrung zeigt, dass ein absolutes Verbot von Smartphone, Computer und Konsole nicht funktioniert. Auch das Installieren von technischen HĂŒrden (Router verstecken oder gar das Löschen der Spielaccounts) schafft eher zusĂ€tzliche Konflikte.

Professionelle Hilfe

Computersucht kann mit speziellen psychologischen Therapien behandelt werden. Das geschieht meistens ambulant. Nur in sehr schweren FÀllen kann eine stationÀre Behandlung in einer spezialisierten Suchtklinik sinnvoll sein.

Beim Psychologen oder in einer Psychotherapie bei Computersucht gibt es viele Möglichkeiten:

  • Verhaltenstherapie: mit viel Information, Analysieren von Ursachen und suchtfördernden LebensumstĂ€nden, Planen und Umsetzen von Strategien gegen RĂŒckschlĂ€ge und RĂŒckfallprophylaxe.
  • Familientherapie: Arbeit am familiĂ€ren Umfeld, um Konflikte und Familienklima zu verbessern.
  • Gruppentherapie: mit anderen Betroffenen zum EinĂŒben von sozialen Fertigkeiten, Steigerung von Selbstvertrauen und Selbstwert.
Dr. Armin Kaser - Psychologe mit Online-Beratung

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Die besten Dokus

Computersucht | Gamen bis zum Umfallen

Bis zu 20 Stunden tĂ€glich verbrachte der 30-jĂ€hrige Schweitzer Liby L. vor dem PC – und wagt in der Therapie einen radikalen Entzug. Das Team des SRF begleitet ihn bei Entspannungsverfahren, Psychotherapie und körperlicher Arbeit.

Computersucht | Mit Therapie zurĂŒck ins Leben

Das Wissenschaftsmagazin [W] wie Wissen derARD besucht Experten zu Computersucht im LWL-Klinikum GĂŒtersloh, und begleitet einen Betroffenen, der mit Therapie versucht, von seiner Gaming-Sucht loszukommen.

Die Top-Experten

Im deutschsprachigen Raum ist es vor allem Prof. Dr. Bert te Wildt, der mit Digital Junkies eines der wichtigsten BĂŒcher ĂŒber die AbhĂ€ngigkeit und Therapie von Computersucht geschrieben hat in den Medien prĂ€sent. Mittlerweile ist er Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen, die fĂŒr die stationĂ€re Behandlung von Computersucht einen hervorragenden Ruf hat.

Das Standardwerk fĂŒr die psychotherapeutische Behandlung von Computersucht hat hingegen Dr. Klaus Wöfling vorgelegt (“Kognitiv-behaviorales Behandlungsmanual“). Darin wird in 15 Therapie-Sitzungen eine Verhaltenstherapie beschrieben, die speziell fĂŒr die BedĂŒrfnisse einer Gaming Disorder angepasst ist.

Die besten BĂŒcher

Ratgeber fĂŒr Eltern und Betroffene: Videospiel- und InternetabhĂ€ngigkeit

Buch: Ratgeber und Hilfe bei Sucht und AbhÀngigkeit von Computer, Games und Internet.

Daniel Illy und Jakob Florack | Amazon

Die erfahrenen FachĂ€rzte fĂŒr Psychiatrie erklĂ€ren in einfacher Sprache wie man eine Videospiel-Sucht erkennen kann, geben Eltern Tipps fĂŒr den Alltag und zeigen, wie eine psychologische Behandlung gegen eine AbhĂ€ngigkeit wirken kann.

Zudem: Kapitel ĂŒber die Entstehung von AbhĂ€ngigkeit, Suchtverschiebung, Tipps fĂŒr die Suche nach Beratungsstellen und Suchtkliniken und Selbsthilfe mit Tagesstrukturierung.

Praxishandbuch Videospiel- und InternetabhÀngigkeit

Fachliteratur Buch: Videospiel-und-InternetabhÀngigkeit

Daniel Illy | Amazon

Verfasst von den fĂŒhrenden Experten zu Computerspiel-Sucht im deutschsprachigen Raum behandelt das Fachbuch das Thema Computersucht in enormer Detailtiefe.

Mit aktuellen Studien zu Epidemiologie, Wirksamkeitsstudien zur psychotherapeutischen Behandlung und einer wissenschaftlichen EinschĂ€tzung der neusten Entwicklungen am Spielemarkt mit Lootboxen, Mikrotransaktionen und Free2Play-Monetarisierung. Zur ausfĂŒhrlichen Rezension


Fallbeispiele

Martin, 23, arbeitslos, wohnt bei seinen Eltern

Im ErstgesprĂ€ch erzĂ€hlt Martin, dass sich sein Leben seit rund 8 Monaten nur mehr um League of Legends dreht. FrĂŒher spielte er zwar auch gerne und viel, allerdings hat es sich erst mit den Problemen bei seiner Arbeitsstelle verschlimmert. Computerspielen war in dieser Zeit eine willkommene Ablenkung von Frust und Traurigkeit.

Als er nach mehreren quĂ€lenden Monaten und vielen Konflikten mit seinen Mitarbeitern gekĂŒndigt wurde, hat das Computerspielen seinen ganzen Tagesablauf ĂŒbernommen. Erst viel spĂ€ter hat er es geschafft sich arbeitslos zu melden. Den Auflagen des Arbeitsamts (Bewerbungen etc.) kommt er allerdings nicht nach. Sowohl Arbeitsamt als auch Eltern verlieren die Geduld, sorgen sich aber vor allem ĂŒber die Zukunft.

Er spielt vor allem, um Probleme und Verpflichtungen zu verdrĂ€ngen. Weil er arbeitslos ist und auch praktisch nicht mehr außer Haus geht, hat er SelbstfĂŒrsorge und Hygiene stark vernachlĂ€ssigt. Auch alle anderen Hobbys hat er aufgegeben – er kann sich auch nicht mehr vorstellen beim Fußballspielen Spaß zu haben. Seine Freunde haben es aufgegeben ihn noch zu motivieren, obwohl sie es noch lange versucht hatten. Seine einzigen Kontakte sind seine Online-Freunde, von denen er sich verstanden fĂŒhlt und viel Anerkennung bekommt.

Neben einer Gewichtszunahme hat er RĂŒckenschmerzen vom vielen Sitzen. Sein Tagesrhythmus ist tief in die Nacht verschoben, vor allem weil in Online-Spielen nachts mehr los ist – aber auch weil ihm beim Spielen in der Nacht niemand nervt. Wenn nicht spielen kann, surft er stattdessen im Internet. Die meiste Zeit des Tages fĂŒhlt er sich traurig, hilflos und hat SchuldgefĂŒhle. Sein momentanes Leben findet er sinnlos, er fĂŒhlt sich dem Zwang zu spielen aber ausgeliefert. Er hat mehrere Male selbststĂ€ndig versucht, sich eigene Regeln zu setzen ist damit aber gescheitert.

Die Eltern wenden sich zunĂ€chst an einen Hausarzt. In der lĂ€ndlichen Umgebung findet sich jedoch kein Psychologe, der sich mit Computersucht beschĂ€ftigt. Deshalb versuchen Sie es mit einer Online-Beratung, zu der sie spĂ€ter auch ihren Sohn ĂŒberreden können.

Als Ziele fĂŒr die Beratung zu Computersucht gibt er an:

  • Einen geregelten Tagesablauf mit allenfalls kurzen Computerspielzeiten
  • Weniger RĂŒckenschmerzen und Gewicht reduzieren
  • Soziale Kontakte und Freundschaften aufbauen
  • Einen neuen Arbeitsplatz finden.

FAQ – HĂ€ufige Fragen

Was können Eltern gegen Computersucht tun?

In leichten FÀllen können Eltern Techniken wie BelohnungsplÀne versuchen, feste Spielzeiten vereinbaren. In schweren FÀllen: psychologische Behandlung (Verhaltenstherapie, Familientherapie), Behandlung von Begleiterkrankungen (ggf. medikamentös) oder (selten) eine Aufnahme in eine Suchtklinik, spezialisiert auf Computersucht.

Wie kommt es zur Computersucht?

Eine Computersucht hat Ursachen in 3 Bereichen: der Persönlichkeit des SĂŒchtigen selbst, in den Belohnungsmechanismen der Computerspiele und in der Umwelt (Milieu, Familie, Gesellschaft).

Kann man vom Zocken sĂŒchtig werden?

Ja. WĂ€hrend fĂŒr 95 % der Spieler Zocken ein harmloses Hobby bleibt, machen die Belohnungsmechanismen der Computerspiele manche Menschen sĂŒchtig.

Ist Computersucht eine echte psychische Krankheit?

Ja, Computersucht ist mittlerweile von der WHO offiziell als psychische Störung anerkannt. Sie fÀllt unter die substanzungebundene AbhÀngigkeiten.

Warum macht Spielen sĂŒchtig?

Eine kleine Minderheit der Spieler wird von den Belohnungsmechanismen in Computerspielen abhÀngig. Allerdings spielen auch andere Ursachen wie die eigene Persönlichkeit, Umfeld und Gesellschaft dabei eine Rolle.

Was ist eine Gaming-Sucht?

Gaming-Sucht, auch Computersucht, ist eine Form der substanzungebundenen AbhĂ€ngigkeiten, bei der der SĂŒchtige die Kontrolle ĂŒber sein Computerspielen verloren hat (Definition der WHO).

Wie erkennt man dass man sĂŒchtig ist?

Die wichtigsten Anzeichen sind: Kontrollverlust, Interessensverlust, Weiterspielen trotz negativer Konsequenzen. Am einfachsten: Einen Online-Test machen.

Was ist die Definition von Computersucht?

Computersucht ist eine substanzungebundene AbhĂ€ngigkeit. Laut ICD der Weltgesundheitsorganisation mĂŒssen folgende Merkmale erfĂŒllt sein: Kontrollverlust ĂŒber die Spielzeit, Computerspielen verdrĂ€ngt andere Interessen und AktivitĂ€ten des tĂ€glichen Lebens, Weiterspielen trotz negativer Konsequenzen und Eskalation von Konflikten.

Was sind die besten Tipps gegen Computersucht fĂŒr Kinder?

Beugen Sie Problemen vor, indem Sie den Empfehlungen fĂŒr kindgerechte Mediennutzung befolgen. Optimal: Kein eigenes Smartphone mit Internetzugriff und kein eigener Computer im Kinderzimmer vor 12 Jahren. Vereinbaren Sie einen Mediennutzungsvertrag und seien Sie ein gutes Vorbild. Bei Verdacht auf Computersucht lassen Sie sich frĂŒhzeitig beraten – das funktioniert auch online per Video-Chat.

Was passiert bei Computersucht im Gehirn?

Computerspiele nutzen den Belohnungsmechanismus im Gehirn, um positive und angenehme GefĂŒhle auszulösen. Bei einer Sucht verliert der Spieler die Kontrolle weil er abhĂ€ngig von diesem Mechanismus geworden ist. Weil er zunehmend Toleranz entwickelt, muss er immer mehr spielen.

Wie entsteht eine Computersucht?

Eine Computersucht entsteht, wenn der Betroffene die Spiele als BewĂ€ltigungsstrategie fĂŒr Stress und Probleme in seinem Leben verwendet. Der SĂŒchtige muss mit der Zeit immer mehr spielen, um den positiven Effekt zu haben.

Wie kann man Kindern Computersucht einfach erklÀren?

“Computersucht ist, wenn man so viel spielt, dass man keine anderen Hobbys mehr machen mag, wenn man sehr traurig und wĂŒtend wird, sobald man aufhören muss.”

Wer darf eine Diagnose zu Computersucht erstellen?

Die Diagnose von Computersucht als psychische Krankheit kann ein Arzt, Psychologe oder Psychiater feststellen.

Welche Entzugserscheinungen hat eine Computersucht?

ComputersĂŒchtige reagieren bei Entzug aggressiv, unruhig, nervös und reizbar, hĂ€ufig auch ist auch Schlaflosigkeit. Es sind vor allem psychische Symptome, körperliche Entzugserscheinungen, wie Zittern, sind selten.

Was ist die Definition von Computersucht?

Laut WHO ist Computersucht eine Verhaltenssucht, bei der eine zwanghafte Nutzung von (Online-) Computerspielen mit Kontrollverlust, Leidensdruck und negativen Konsequenzen fĂŒr Alltag und Beruf einhergehen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Computersucht und normalem Spielen?

Wichtig ist nicht die Spieldauer, sondern ob der Betroffene die Kontrolle verloren hat, Entzugssymptome (aggressiv, reizbar, Traurigkeit) und Toleranzentwicklung erkennbar sind. SĂŒchtige spielen zudem unvermittelt weiter, auch wenn negative Konsequenzen offensichtlich werden.

Ist Computersucht als psychische Störung in DSM 5 und ICD 11 gelistet?

Ja, das revidierte DSM 5 der American Psychiatric Associaton (APA) listet Computersucht als “Internet Gaming Disorder”. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nahm 2018 die “Gaming Disorder” in das (ICD 11) auf. Die AbkĂŒrzungen stehen fĂŒr ” Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders” (DSM) und Internation Classification of Diseases (ICD) und sind Klassifikationssysteme fĂŒr (psychiatrische) Störungen und Diagnosen.

Kann eine Computersucht von alleine weggehen?

Nur in etwa 10 % der FĂ€lle bessert sich eine Computersucht von alleine, meist sind das FĂ€lle von Jugendlichen. In den ĂŒbrigen 90 % verschlimmern sich die Symptome und Folgen durch den Teufelskreis der Sucht immer weiter. Deshalb ist es besser, frĂŒhzeitig einzugreifen. Helfen können (Online-) Beratungen und Suchthilfen.

Wann sollte man wegen Computersucht zum Psychologen?

Als Eltern: Wenn Sie keinen Einfluss mehr haben, sich depressive Symptome (Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit) oder ausgeprĂ€gte AggressivitĂ€t zeigen. Wenn Sie sich unsicher sind, versuchen Sie den Test “Besser zum Psychologen?“.
Als Betroffener: Wenn sie die Kontrolle ĂŒber ihr Spielen verloren haben, eigene Versuche der EinschrĂ€nkung gescheitert sind oder Sie Anzeichen von Depression, Ängsten oder anderen psychischen Begleiterkrankungen erkennen.

Was ist die Prognose einer Computersucht?

Ohne Behandlung bessert sich eine Computersucht nur bei etwa 10 % der AbhĂ€ngigen. Bei 90 % verschlimmern sich Symptome und Folgen zunehmend. In psychologischer Behandlung ist die Prognose gut, vor allem wenn eventuelle psychische Begleiterkrankungen (Depression, Ängste, ZwĂ€nge) ebenfalls mit behandelt werden.

Sind Verbote oder ein kalter Entzug bei Computersucht sinnvoll?

Router verstecken, Internet abschalten etc. bringen in den meisten FĂ€llen keinen Erfolg. Ein kompletter Entzug wird nur in seltenen FĂ€llen in spezialisierten Suchtkliniken gemacht. In einer ambulanten Therapie (“beim Psychologen”) versucht man stattdessen eher eine Teilabstinenz (Ampel-Modell) zu erarbeiten.

Dr. Armin Kaser - Psychologe mit Online-Beratung

Brauchen Sie Hilfe?
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Computerspiel-Sucht!