Süchtig machende Spiele | Ursachen für Computerspiel-Sucht

Für die Ursachenforschung bei Süchten hat sich das Suchtdreieck bewährt. Merkmale der Person, Merkmale des Suchtmittels Computerspiel und Merkmale der Umwelt. In diesem Artikel beleuchten wir, wie die Merkmale der Computerspiele zur Sucht beitragen.

konsole playstation sucht

Dieselben Spielmechaniken, die normalen Spieler Spielspaß, Motivation und Aufregung oder Zerstreuung bescheren, fördern bei gefährdeten Spielern die Entstehung einer Sucht.

Unterschiedlich gefährlich je nach Spielegenre

Manche Genres, wie Rollenspiele und Battle Royal-Shooter, enthalten mehr solcher süchtig machender Elemente – andere weniger (z. B. Rennspiele, Adventures).

Spiele-Entwickler haben grundsätzlich Interesse daran, dass:

  • Die Spieler gut unterhalten werden.
  • (Besonders bei Spielen mit Abo-Modellen) Die Spieler möglichst viel Zeit am Computer verbringen.

Deshalb bauen sie gezielt solche psychologisch wirksamen Spielmechaniken ein. Computerspielern dürfte die folgende Liste bekannt vorkommen.

  • Rollenspiele, in denen sich schwierige Quests nur als gut abgestimmte Gruppe lösen lassen ,schaffen dadurch einen größeren sozialen Zusammenhalt und gleichzeitig mehr sozialen Druck.
  • Spielerische Elemente können anspruchsvolle Gefechte, aber auch In-Game-Versteigerungen oder Handelsmöglichkeiten mit virtuellen Spielgegenständen sein. Auch Gewinnspielelemente („auf einen Sieg meines Teams wetten“) animieren zum Weiterspielen.
  • Alle Computerspiele arbeiten mit Belohnungsreizen, diese können aber unterschiedlich dargeboten werden – viele kleine Belohnungen oder große seltene Belohnungen nach Erfüllen einer Aufgabe, sichere Belohnungen nach jedem Erfolg oder zufällige Belohnungen (z. B. Drops von seltenen Items). Besonders wenn die Belohnungen nicht jedes Mal, sondern z. B. nur in jedes vierte Mal gegeben werden (intermittierend), entwickelt sich eine große Reaktion. Auch die Qualität des Belohnungsreizes kann variiert werden, neben Spielgegenständen, Level-Aufstiegen, erfolgreichen Monsterschlachten, Aufrücken im Spieler-Ranking sind auch Lob und Anerkennung von den Mitspielern sehr effektiv.
  • Im Gegensatz zu Büchern, Filmen und den meisten (kaum süchtig machenden) Offline-Spielen sind Online-Computerspiele dazu ausgelegt über Jahre praktisch unendlich gespielt zu werden, ohne tatsächlich ein Ende zu nehmen. Maximale Level-Grenzen werden von den Entwicklern ständig erhöht und neue Aufgaben eingebaut, sodass die Geschichte nie endet. Eher wettkampforientierte Online-Shooter oder MOBAs funktionieren wie eine Fußball-Bundesliga, dort gibt es auch kein letztes Spiel, immer eine neue Saison und ein nächstes Spiel.
  • Das Spiel mit Identitäten und Beziehungsformen ist vor allem in Online-Rollenspielen zu finden, dort kann der Spieler als Steigerung zum Standard-Spiel auch noch an speziellen RP-Servern (Roleplaying) teilnehmen.

Fazit

Computerspiele haben süchtig machende Mechanismen eingebaut wie Glücksspielautomaten – allerdings sind die Möglichkeiten der Entwickler viel größer.

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Genau diese Mechanismen sorgen für die allermeisten Spieler für gute Unterhaltung, Freude und Spielspaß. 2-4% der Spieler entwickeln deswegen allerdings eine schwere Sucht.

Dr. Armin Kaser

Ich bin Psychologe in Innsbruck, spezialisiert auf Computerspiel-Sucht und biete dazu die Online-Sprechstunde per Video-Chat an.

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