9 Folgen einer Computerspiel-Sucht

Kurzsichtigkeit, Angst, Depression, Aufmerksamkeitsstörung, Schlafstörung, Übergewicht, Haltungsschäden – alles mit Studien belegte mögliche Folgen einer Computerspiel-Sucht.

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Dass übermäßiges Fernsehen dick macht, ist ein alter Hut. Welche Folgen eine Computerspiel- oder Internet-Sucht haben kann, ist mittlerweile auch gut erforscht.

Folge 1: Übergewicht

Mit einer Computerspiel-Sucht geht ein trister Alltag einher. Wer nur noch an Computer oder Smartphone hängt, hat gar keine Zeit mehr für andere, aktivere Freizeitbeschäftigungen. Bisherige Hobbys wie Fußball werden aufgegeben.

Die Zeit am Bildschirm und auf der Couch vermag nicht mehr ausreichend Kalorien zu verbrennen. Meist ändert sich auch der Speiseplan, hin zu Fast Food, weil es schneller und bequemer zuzubereiten ist.

In vielen Studien konnte man beobachten, dass nicht nur der Sport zurückstecken muss. Die Süchtigen verlieren ganz generell das Interesse an der Natur und den Dingen draußen. Drinnen bleiben führt dann zu körperlicher Inaktivität.

Je jünger der Betroffene, desto gravierender die Folgen. Denn wenn Übergewicht schon im Kindesalter auftritt, ist das häufig ein Problem, das sich durch das ganze Leben zieht. Aus dicken Kindern werden meist dicke Erwachsene.

Zum Übergewicht kommen später typische Begleiterscheinungen dazu:

  • Chronische Krankheiten (z. B. Diabetes)
  • Ungesunder Lebensstil
  • Schlechte Berufsaussichten wegen schwacher Schulleistung

Dabei ist Übergewicht nicht nur für den Betroffenen schlimm. Der Schaden lässt sich auch für die gesamte Volkswirtschaft beziffern. Für 2014 wurde der Schaden auf über 1500 Mrd. € geschätzt.

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Folge 2: Einsamkeit und Rückzug

Freunde versuchen anfangs noch oft, den Süchtigen außer Haus zu locken. Das funktioniert nicht. Er hat das Interesse an seinen bisherigen Aktivitäten und Hobbys verloren.

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Folge 3: Schlafstörungen

Müde Schüler, die dem Unterricht kaum folgen können, kennt jeder Lehrer. In vielen Fällen könnten Smartphones und Computer die Ursache sein. Norwegische Forscher fanden gleich 3 Wege, wie der Schlaf gestört wird:

  • Computerspiele, Facebook und Instagram verdrängen Schlafenszeit. Spieler zocken oft bis spät in die Nacht. Diese Zeit fehlt am Schlafkonto.
  • Der blaue Anteil des Lichts von Smartphones und Computerbildschirmen suggeriert dem Gehirn, dass es immer noch helllichter Tag ist. Dadurch wird das Schlafhormon Melatonin nicht ausgeschüttet. In Schlaflabors kann man nachweisen, dass die Bildschirmzeit am Abend die Schlafzeit und -qualität in der Nacht beeinträchtigt.
  • Computerspiele, Posts in sozialen Medien und hitzige Diskussionen in Online-Foren regen uns auf. Medien gestalten ihre Artikel und Beiträge absichtlich reißerisch, um uns an der Stange zu halten. Diese Erregung und Unruhe lässt uns später nicht einschlafen. Wir haben keinen Aus-Knopf, mit dem wir uns herunterfahren könnten.

Der Schlaf-wach-Rhythmus bei Computerspiel-Süchtigen ist unregelmäßig, verschoben oder aufgehoben. Das liegt unter anderem daran, dass sie auch mit Spielern aus anderen Zeitzonen spielen oder die Zeit der Nacht nutzen, weil sie dann sicher von niemanden abgehalten werden.

Der Schlaf-wach-Rhythmus verschiebt sich Stunde um Stunde in die Nacht und dann in den Morgen, wenn Schlaflosigkeit genutzt wird, um „lieber noch eine Runde zu spielen anstatt im Bett nicht schlafen zu können“. Im Bann der Computerspiele bleiben manche Süchtige auch einfach so lange wach, bis sie vor dem Computer einschlafen.

Schlafmangel kann im Extremfall zu lebensgefährlichen Komplikationen führen. Häufiger sind allerdings mittelfristige Schäden. Chronischer Schlafmangel schwächt das Immunsystem und begünstigt Depressionen.

Folge 4: Bluthochdruck

Viele gesundheitliche Probleme hängen zusammen: Sie treten gehäuft auf, wenn mehrere Risikofaktoren aufeinandertreffen.

So gibt es einen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen, Übergewicht und Bluthochdruck. In einer Studie mit über 300 Jugendlichen ging erhöhte Internetnutzung mit höherem Blutdruck einher. Das Gefühl der ständigen Erreichbarkeit lässt uns unbewusst nicht mehr zur Ruhe kommen. Das Stress-Level bleibt dauerhaft erhöht. Jedes Klingeln und Vibrieren des Smartphones lässt den Blutdruck wieder steigen.

In einer wissenschaftlichen Untersuchung konnte sogar nachgewiesen werden, dass ein ausgeschaltetes Smartphone am Tisch unsere Konzentrationsfähigkeit vermindert. Nicht einmal ausgeschaltet ist es harmlos.

Folge 4: Psychische Störungen

Studien zeigen ohne Zweifel, dass eine Computerspiel- oder Internet-Sucht das Risiko von ADHS, Angststörungen, anderen Suchterkrankungen und Depressionen erhöht.

Britische Mädchen haben mit 18 Jahren ein doppelt so hohes Suizidrisiko, wenn sie 5 Jahre zuvor täglich mehr als 3 Stunden in Facebook verbracht haben.

Auch in den USA haben sich die Suizide bei Frauen und Mädchen von 2007 bis 2015 verdoppelt. Jede zusätzliche Stunde Mediennutzung steigert das Risiko.

Folge 5: Haltungsschäden und Muskelabbau

Wenn Menschen kaum mehr laufen entwickeln sie fast immer Haltungsschäden, der dauerhafte Bewegungsmangel führt zum Erschlaffen des Muskelapparats und schließlich zum Abbau von Muskelmasse. Außerdem erwischen sie so kaum noch Tageslicht. Durch den Lichtmangel wird zu wenig Vitamin D gebildet, was zu Abbau von Konchensubstanz führt.

Folge 6: Massive, einseitige Belastungen für Augen und Hände

Die enorme Zeit vor den Bildschirmen ist eine große Last für die Augen, über 2000 Kopf- und Blickbewegungen und Pupillenreaktionen pro Stunde können langfristig Sehstörungen mit Augenzucken, Augenbrennen, Flimmern, verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen verursachen und begünstigen das „trockene Auge“ oder „Sicca-Syndrom“.

Die Nutzung von Tastatur, Maus und Controller zum Spielen von Computerspielen ist eine sehr einseitige Belastung der Hand und kann zu schmerzhaften Sehnenscheidenentzündungen am Handgelenk führen – ähnlich wie bei Gitarren-, Geigen- oder Klavierspielern.

Folge 7: Schulabbruch und Jobverlust

Die Zeit, die in Computerspielen verbracht wird, fehlt nicht nur in der Freizeit. Auch Schule oder Job leiden drunter. Schulnoten verschlechtern sich. Viele erwachsene Süchtige verlieren ihre Arbeit.

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Folge 8: Armut und finanzielle Probleme

Mit einem Jobverlust steht automatisch die finanzielle Existenz auf dem Spiel. Verwandte oder Eltern helfen oft noch in der Anfangszeit aus. Zur Lösung des Problems trägt das aber nicht bei.

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Verlust von Job und Ausbildungsplatz, Schulabbruch führen zwangsweise zu finanziellen Problemen. 🗸 Wie viel Geld…

Folge 9: Depression und Suizidgefahr

Computerspielsüchtige sind häufig auch depressiv. Dann besteht in schweren Fällen auch die Gefahr eines Suizids. Es ist wichtig, frühzeitig kritische Signale zu erkennen.

Suizidgefährdung und Suizid bei Computerspiel-Sucht

Computerspielsüchtige sind häufig depressiv. Bei 15% der Depressiven besteht akute Suizidgefahr. 🗸 Richtig erkennen, 🗸…

Quelle

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