Aussehen, Körpergröße und Einkommen bei der Partnerwahl

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Sie kennen die Sätze: „Frauen wollen große Männer.“ „Frauen wollen Männer mit Geld.“ Vielleicht sind Sie 1,70 m groß, verdienen durchschnittlich und fragen sich, ob es daran liegt, dass es bisher nicht geklappt hat. Die ehrliche Antwort: Größe und Einkommen wirken sich messbar aus. Beides entscheidet aber nicht allein, und einiges davon können Sie beeinflussen.

Auf einen Blick

  • In 13 EU-Ländern gingen Männer aus dem ärmsten Einkommensfünftel pro Jahr mit 45 % geringerer Chance eine erste Partnerschaft ein als Männer mit mittlerem Einkommen1.
  • Arbeitspapier zu US-Online-Dating (2003): Ein Mann mit 1,73 m bräuchte 138.000 US-Dollar mehr Jahreseinkommen, um so oft angeschrieben zu werden wie ein Mann mit 1,82 m8.
  • Trotzdem lebten in Frankreich auch von den Männern unter 1,70 m im Alter von 40 bis 49 zwei Drittel mit einer Partnerin zusammen14.
Je geringer sein Einkommen, desto seltener findet ein Mann eine erste Partnerin

Einkommen: ein realer Nachteil für Männer

Europäische Daten

  • Kalmijn verfolgte 17.743 nie verheiratete Männer in 13 EU-Ländern (darunter Deutschland und Österreich) von 1994 bis 20011.
  • Das ärmste Fünftel ging mit 45 % geringerer Chance (Odds) eine erste Partnerschaft ein als das mittlere Fünftel, das reichste mit 44 % höherer1.
  • Erwerbstätige Männer hatten eine um 58 % höhere Chance als Männer ohne Arbeit und ohne Ausbildung1.
  • Der Effekt der Erwerbstätigkeit ist in gleichberechtigteren Ländern (Niederlande, Dänemark, Finnland) schwächer als in Spanien, Italien oder Irland, verschwindet aber nicht1.
  • Deutschland, repräsentative Befragung 2012 (1.676 Personen, 18–60 Jahre, Männer und Frauen): Wer unter 2.000 € im Monat hatte, war mit fast 13-fach höherer Chance (Odds) Single2. Das sind Querschnittsdaten; Ursache und Wirkung lassen sich nicht sauber trennen.

Warum? Was Frauen angeben

  • In 37 Stichproben aus 33 Ländern (10.047 Befragte) legten Frauen mehr Wert auf die Verdienstmöglichkeiten eines Partners als Männer4. In 45 Ländern (14.399 Befragte) bestätigte sich das 20205.
  • Aber: Freundlichkeit, Intelligenz und Gesundheit stellten Frauen vor Geld und Aussehen5.

Was Frauen online tun

  • US-Dating-Website: Frauen schrieben einen Mann mit 150.000–200.000 $ Jahreseinkommen um 8,9 % häufiger an als einen mit 35.000–50.000 $; bei Männern betrug der entsprechende Unterschied nur 3,9 %6.
  • China, Feldexperiment mit 360 erfundenen Profilen: Männerprofile mit dem höchsten Einkommen wurden 10-mal häufiger angeklickt als die mit dem niedrigsten. Männer klickten Frauen aller Einkommen etwa gleich oft an7.
  • Online-Profile reduzieren Sie also auf Zahlen. Genau dort wiegen Einkommen und Größe am schwersten.

Die bekannte Rechnung: Größe gegen Geld

Hitsch, Hortaçsu und Ariely werteten rund 22.000 Nutzer einer US-Dating-Website aus (Boston und San Diego, 2003). Sie berechneten, wie viel mehr ein kleinerer Mann verdienen müsste, um so oft angeschrieben zu werden wie ein Mann mit 1,82 m und 62.500 $ Jahreseinkommen8:

  • 1,68 m: +175.000 $
  • 1,73 m: +138.000 $
  • 1,78 m: +24.000 $
  • 1,88 m: kommt mit 30.000 $ weniger aus

Die Zahlen stammen aus dem Arbeitspapier von 2006; in die Zeitschriftenfassung von 2010 wurde die Tabelle nicht übernommen6.

Online-Dating (USA): So viel mehr müsste ein kleinerer Mann verdienen

Einkommen und Zufriedenheit in der Beziehung

Für Sie zählt nicht nur, ob eine Beziehung entsteht, sondern ob sie hält.

  • Deutschland (pairfam, 2.937 Personen): Höheres Haushaltseinkommen ging nicht mit höherer Beziehungszufriedenheit einher. Die Zufriedenheit der Männer hing aber über die Zeit an ihrer Rolle als Versorger9.
  • Arbeitslosigkeit, Deutschland und Großbritannien: Nach einer Phase der Arbeitslosigkeit stieg die jährliche Trennungsrate von 0,9 % auf 1,6 %, egal ob Mann oder Frau den Job verlor13.
  • Finnland, Registerdaten: War der Mann arbeitslos und die Frau erwerbstätig, war das Scheidungsrisiko 1,8-mal so hoch wie bei zwei Erwerbstätigen. Hohes Einkommen des Mannes senkte das Risiko12.
  • USA (Paneldaten 1968–2013): Arbeitete der Mann nicht Vollzeit, lag das Scheidungsrisiko im nächsten Jahr bei 3,3 % statt 2,5 %; Haushaltseinkommen allein sagte Scheidung nicht voraus11. Verdiente die Frau mehr als der Mann, gaben US-Paare seltener an, „sehr glücklich“ zu sein, und trennten sich häufiger10.
Ist der Mann arbeitslos, steigt das Scheidungsrisiko fast auf das Doppelte

Die Botschaft: Für den Bestand der Beziehung zählt weniger die Höhe des Geldes als die stabile Arbeit.

Körpergröße: real, aber kleiner als gedacht

  • Frankreich, 2001: Von den 30- bis 39-jährigen Männern unter 1,70 m lebten 60 % mit einer Partnerin, bei 1,70–1,80 m 76 %14.
  • Frauen wollen vor allem einen Mann, der größer ist als sie selbst, keine bestimmte Zentimeterzahl6.
  • In 12.502 britischen Paaren war der Mann in 92,5 % größer; bei zufälliger Paarung wären es 89,8 % gewesen. Die Präferenz schlägt sich im echten Leben nur schwach nieder15.
Kleinere Männer leben seltener in Partnerschaft – aber die Mehrheit tut es

Attraktivität: Kennenlernen verändert das Urteil

  • In einem Ruderteam hatte das Urteil Fremder über ein Foto praktisch keinen Zusammenhang mit dem Urteil der Teamkollegen. Der Fleißigste galt im Team als attraktiv, der Drückeberger als hässlich17.
  • Paare, die vorher befreundet waren, ähnelten sich im Aussehen deutlich weniger. Ab etwa 9 Monaten Bekanntschaft war kein Zusammenhang mehr nachweisbar16.

Was Sie verändern können: Checkliste

  • Haltung: Eine offene, raumgreifende Körperhaltung erhöhte beim Speed-Dating die Chance (Odds) auf ein Ja um 76 % pro Standardabweichung18.
  • Fitness: Wie stark ein Mann wirkt, erklärte in einer Studie über 70 % der Attraktivität seines Körpers; Schlankheit kam hinzu19. Krafttraining zahlt direkt darauf ein.
  • Lächeln: Ein fröhlicher Gesichtsausdruck konnte im Experiment geringere Attraktivität eines Gesichts ausgleichen20. Bei sexueller Anziehung wirkten Männer mit stolzem Ausdruck allerdings stärker als breit lächelnde21: freundlich, aber selbstbewusst.
  • Kleidung: Kleidung prägt den ersten Eindruck, auch darüber, welchen Status jemand hat22. Passende, saubere Kleidung ist die günstigste Veränderung.
  • Pflege: Haare, Bart, Zähne, Geruch. Dazu gibt es keine belastbaren Zahlen, der Aufwand ist aber gering.

Was Sie konkret tun können

  • Einkommen als veränderbaren Faktor sehen: Anders als Ihre Größe können Sie Einkommen und berufliche Stabilität beeinflussen. Erwerbstätigkeit erhöhte die Chance auf eine erste Partnerschaft um 58 %1.
  • Bildung nutzen: Unter 40- bis 55-jährigen Europäern waren gering gebildete Männer fast doppelt so oft lebenslang ohne Partnerin wie Akademiker (11,4 % zu 5,5 %)3. Mehr dazu auf der Seite „Akademiker, Informatiker, Ingenieur“.
  • Orte mit wiederholtem Kontakt wählen: Tanzkurs, Verein, Chor, Freizeitgruppe. Dort treten Größe und Gehaltszettel hinter Ihre Art zurück.
  • Nicht nur „auf dem Papier“ antreten: Profile machen Sie zur Zahlenreihe aus Größe und Einkommen.

Häufige Fragen

Muss ich viel verdienen, um eine Partnerin zu finden?

Nein, aber ein sehr geringes Einkommen und Arbeitslosigkeit sind ein echter Nachteil1. Ein sicherer Job wiegt dabei mindestens so schwer wie ein hohes Gehalt1,11.

Stimmt es, dass ein kleiner Mann 138.000 Dollar mehr verdienen muss?

Die Zahl stammt aus einem Arbeitspapier zu US-Online-Dating von 2006 und betrifft nur, wer angeschrieben wird8. Über Beziehungen im echten Leben sagt sie wenig.

Haben kleine Männer überhaupt eine Chance?

Ja. Auch von den Männern unter 1,70 m lebten in Frankreich mit 40 bis 49 zwei Drittel mit einer Partnerin zusammen14.

Macht mehr Geld die Beziehung glücklicher?

In Deutschland hing höheres Einkommen kaum mit höherer Zufriedenheit zusammen9. Arbeitslosigkeit dagegen erhöht das Trennungsrisiko13.

Die Videos zu diesem Thema

Aussehen zählt weniger – später

Hunt, Eastwick und Finkel haben 167 Paare untersucht. Wer schnell zusammenkam, war sich im Aussehen ähnlich. Wer sich vorher lange kannte oder befreundet war, passte beim Aussehen deutlich weniger zusammen. Je länger man sich kennt, desto weniger entscheidet das Aussehen. Orte, an denen man sich über Wochen erlebt, sind deshalb die bessere Chance.

Quelle: Hunt, L. L., Eastwick, P. W. & Finkel, E. J. (2015). Leveling the Playing Field: Longer Acquaintance Predicts Reduced Assortative Mating on Attractiveness. Psychological Science, 26(7), 1046–1053. doi:10.1177/0956797615579273

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Wie es weitergeht

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Profilbild Dr. Armin Kaser Psychologe für Absolute Beginner

Quellen

  1. Kalmijn, M. (2011). The influence of men’s income and employment on marriage and cohabitation: Testing Oppenheimer’s theory in Europe. European Journal of Population, 27(3), 269–293. https://doi.org/10.1007/s10680-011-9238-x
  2. Petrowski, K., Schurig, S., Schmutzer, G., Brähler, E., & Stöbel-Richter, Y. (2015). Is it attachment style or socio-demography: Singlehood in a representative sample. Frontiers in Psychology, 6, 1738. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2015.01738
  3. Bellani, D., Esping-Andersen, G., & Nedoluzhko, L. (2017). Never partnered: A multilevel analysis of lifelong singlehood. Demographic Research, 37(4), 53–100. https://doi.org/10.4054/DemRes.2017.37.4
  4. Buss, D. M. (1989). Sex differences in human mate preferences: Evolutionary hypotheses tested in 37 cultures. Behavioral and Brain Sciences, 12(1), 1–14. https://doi.org/10.1017/S0140525X00023992
  5. Walter, K. V., Conroy-Beam, D., Buss, D. M., et al. (2020). Sex differences in mate preferences across 45 countries: A large-scale replication. Psychological Science, 31(4), 408–423. https://doi.org/10.1177/0956797620904154
  6. Hitsch, G. J., Hortaçsu, A., & Ariely, D. (2010). What makes you click? Mate preferences in online dating. Quantitative Marketing and Economics, 8(4), 393–427. https://doi.org/10.1007/s11129-010-9088-6
  7. Ong, D., & Wang, J. (2015). Income attraction: An online dating field experiment. Journal of Economic Behavior & Organization, 111, 13–22. https://doi.org/10.1016/j.jebo.2014.12.011
  8. Hitsch, G. J., Hortaçsu, A., & Ariely, D. (2006). What makes you click? Mate preferences and matching outcomes in online dating (MIT Sloan Working Paper 4603-06). https://doi.org/10.2139/ssrn.895442
  9. Hardie, J. H., Geist, C., & Lucas, A. (2014). His and hers: Economic factors and relationship quality in Germany. Journal of Marriage and Family, 76(4), 728–743. https://doi.org/10.1111/jomf.12129
  10. Bertrand, M., Kamenica, E., & Pan, J. (2015). Gender identity and relative income within households. Quarterly Journal of Economics, 130(2), 571–614. https://doi.org/10.1093/qje/qjv001 (Zahlen nach NBER Working Paper 19023, 2013)
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  16. Hunt, L. L., Eastwick, P. W., & Finkel, E. J. (2015). Leveling the playing field: Longer acquaintance predicts reduced assortative mating on attractiveness. Psychological Science, 26(7), 1046–1053. https://doi.org/10.1177/0956797615579273
  17. Kniffin, K. M., & Wilson, D. S. (2004). The effect of nonphysical traits on the perception of physical attractiveness: Three naturalistic studies. Evolution and Human Behavior, 25(2), 88–101. https://doi.org/10.1016/S1090-5138(04)00006-6
  18. Vacharkulksemsuk, T., Reit, E., Khambatta, P., Eastwick, P. W., Finkel, E. J., & Carney, D. R. (2016). Dominant, open nonverbal displays are attractive at zero-acquaintance. PNAS, 113(15), 4009–4014. https://doi.org/10.1073/pnas.1508932113
  19. Sell, A., Lukazsweski, A. W., & Townsley, M. (2017). Cues of upper body strength account for most of the variance in men’s bodily attractiveness. Proceedings of the Royal Society B, 284(1869), 20171819. https://doi.org/10.1098/rspb.2017.1819
  20. Golle, J., Mast, F. W., & Lobmaier, J. S. (2014). Something to smile about: The interrelationship between attractiveness and emotional expression. Cognition and Emotion, 28(2), 298–310. https://doi.org/10.1080/02699931.2013.817383
  21. Tracy, J. L., & Beall, A. T. (2011). Happy guys finish last: The impact of emotion expressions on sexual attraction. Emotion, 11(6), 1379–1387. https://doi.org/10.1037/a0022902
  22. Hester, N., & Hehman, E. (2023). Dress is a fundamental component of person perception. Personality and Social Psychology Review, 27(4), 414–433. https://doi.org/10.1177/10888683231157961

Inhalt: Dr. Armin Kaser, Psychologe, KI-Avatar