Sie haben studiert, arbeiten als Informatiker, Ingenieur oder Physiker und lösen im Beruf komplexe Probleme – bei Frauen aber sind Sie noch Absoluter Beginner. Damit sind Sie nicht allein: Unter Akademikern gibt es auffallend viele Männer ohne sexuelle Erfahrung. Der Hauptgrund sind fehlende Gelegenheiten und fehlende Übung, nicht fehlender Wert.
Video (8 Minuten) · Inhalt: Dr. Armin Kaser, Psychologe, KI-Avatar
Auf einen Blick
- Unter Studierenden (18–30 Jahre) hatten laut einer deutschen Studentenbefragung 13,7 % der Männer noch keinen Geschlechtsverkehr1,2; in der Gesamtbevölkerung sind es mit 30 Jahren rund 9 %3.
- Die Gelegenheiten fehlen: In Informatik sind nur 22,5 % der Studierenden Frauen, in Elektrotechnik 15,6 %4; unter IT-Fachkräften in Deutschland 20 %5.
- Männer ohne sexuelle Erfahrung nennen als Hauptgrund: „keine Gelegenheit gehabt“ (47,2 %) – Frauen nur zu 15,5 %6.

Sind Akademiker häufiger Absolute Beginner?
Die Daten sprechen dafür – mit Vorbehalten, weil die Studien unterschiedlich messen:
- Gesamtbevölkerung Deutschland (KiGGS, repräsentativ): Mit 30 Jahren hatten etwa 9 % der Männer und 4 % der Frauen noch keinen Geschlechtsverkehr3.
- Schweiz (alle Bildungsniveaus): Mit 26 Jahren hatten 5,3 % noch nie sexuellen Kontakt mit einer anderen Person; Männer waren in dieser Gruppe in der Mehrheit6.
- Studierende in Deutschland (18–30 Jahre): laut einer Studentenbefragung 13,7 % der Männer und 7,5 % der Frauen ohne Geschlechtsverkehr1,2 – bei Männern also deutlich mehr als in der Gesamtbevölkerung.
Aus meiner Praxis: Fast alle meine Klienten sind Akademiker, viele in technischen Berufen – Informatiker, Ingenieure, Physiker.
Warum trifft es gerade Sie? Die Gelegenheiten fehlen
Das Problem ist nicht, dass es keine Frauen gäbe. Das Problem ist, dass Sie ihnen in Ihrem Alltag kaum begegnen.
- Studium: In Elektrotechnik studierten im Wintersemester 2023/24 nur 15,6 % Frauen, in Informatik 22,5 %, in Maschinenbau 23,4 %, in Physik 28,7 %4. Insgesamt waren 50,9 % der Studierenden Frauen7.
- Beruf: Unter den IT-Fachkräften in Deutschland waren 2025 nur 20 % Frauen5. Bei neuen Ausbildungsverträgen in MINT-Berufen waren es 12 %8.
- Hobbys: Programmieren, Gaming, Technik, Modellbau – meist ebenfalls männlich geprägt.

Sie kennen das: Im Studium kaum Kontakt zu Frauen, im Team dasselbe, am Wochenende auch. Ohne es zu wollen, verbringen Sie Jahre in Umgebungen, in denen Kennenlernen fast nicht vorkommt. Das bestätigt die Schweizer Studie: Männer ohne sexuelle Erfahrung nannten als Hauptgrund „keine Gelegenheit gehabt“ (47,2 %), Frauen vor allem „nicht die richtige Person gefunden“ (45,9 %)6.

Warum Ihr Status nicht ankommt
Mit Studium und gutem Job haben Sie sozialen Status – er wird bei Frauen nur oft nicht sichtbar.
- Aus meiner Praxis: Männlichen Akademikern gelingt es oft nicht, ihren vorhandenen Status sichtbar zu machen. Es fehlen Übung im Umgang mit Frauen und Dating-Erfahrung; das Auftreten wirkt dadurch unsicher.
- Technisch denkende Männer wollen ein Problem erst verstehen, dann lösen. Soziale Sicherheit entsteht aber durch Wiederholung, nicht durch Theorie.
- Ihre Stärke bleibt nutzbar: Wer systematisch vorgeht, kann auch das Üben systematisch planen.
Die gute Nachricht: Spät, aber fest
Wer als Akademiker eine Partnerin findet, bleibt meist bei ihr – und wird öfter Vater als andere Männer.
- In einer deutschen Langzeitstudie (SOEP, Westdeutschland, 45+) hatten Akademiker seltener nie mit einer Partnerin zusammengelebt (4,8 %) als Männer ohne Hochschulabschluss (11,7 %)9.
- Höhere Bildung erhöhte bei Männern die Wahrscheinlichkeit für ein erstes und zweites Kind – vor allem, weil sie häufiger eine Partnerschaft eingingen9. Dasselbe zeigt sich in zehn europäischen Ländern10.
- Das ist kein Widerspruch zu Abb. 1: Viele Akademiker beginnen spät, holen dann aber auf.
Gibt es genug Akademikerinnen? Mehr als Akademiker
- In der EU hatten 2025 50,5 % der 25- bis 34-jährigen Frauen einen Hochschul- oder vergleichbaren Abschluss, aber nur 39,3 % der Männer11. In Deutschland 44,1 % gegenüber 38,0 %, in Österreich 49,7 % gegenüber 38,0 %12.
- Bei 63 % der Paare in Deutschland haben beide einen ähnlichen Bildungsstand; bei Paaren unter 45 ist fast so oft die Frau höher gebildet (17 %) wie der Mann (18 %)13.
- Ihre Partnerin ist vielleicht Ende dreißig: Akademikerinnen sind bei der ersten Geburt im Schnitt 31 Jahre alt14. Sie müssen nicht nach einer deutlich Jüngeren suchen.

Was Sie konkret tun können
- Umgebung wechseln: Gehen Sie gezielt dorthin, wo viele Frauen sind und man sich regelmäßig sieht – Tanzkurs, Chor, Sprachkurs, Yoga, Ehrenamt, Volkshochschule.
- Wiederholter Kontakt: Mehrmals hingehen. Beim dritten, vierten Treffen entsteht Vertrautheit fast von selbst.
- Üben statt analysieren: Kleine, konkrete Ziele (ein kurzes Gespräch pro Abend), danach nüchtern auswerten.
- Status sichtbar machen: Erzählen Sie von Ihrer Arbeit, Ihren Projekten, Ihren Plänen – kurz, konkret, ohne Fachjargon.
- Bekanntenkreis nutzen: Einladungen, Feste, Freunde von Freunden – zusagen statt absagen.
- Speed-Dating führt selten zur Beziehung, ist aber eine gute Übungsgelegenheit.
Häufige Fragen
Sind Akademiker häufiger Absolute Beginner?
Unter männlichen Studierenden ist der Anteil ohne sexuelle Erfahrung höher als in der Gesamtbevölkerung1,3. In meiner Praxis sind fast alle Klienten Akademiker.
Warum finde ich als Informatiker keine Partnerin?
Meist fehlen Gelegenheiten: In Informatik sind nur rund 22 % der Studierenden Frauen4, unter IT-Fachkräften 20 %5. Sie brauchen bewusst andere Orte.
Ist mein Studium ein Nachteil bei Frauen?
Nein. Es gibt mehr Akademikerinnen als Akademiker11, und Akademiker leben langfristig häufiger in einer Partnerschaft als Männer ohne Studium9. Der Nachteil liegt in fehlender Übung, nicht im Abschluss.
Ist es mit Mitte dreißig zu spät?
Nein. Akademiker gründen später, aber häufiger eine Familie9,10.
Die Videos zu diesem Thema
Die Videos zu diesem Thema sind in Vorbereitung.
Wie es weitergeht
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Quellen
- Sprenger, R. (2014). Männliche Absolute Beginner. Ein kommunikationswissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung von Partnerlosigkeit. Wiesbaden: Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-05924-8
- Dekker, A., & Matthiesen, S. (2015). Studentische Sexualität im Wandel: 1966 – 1981 – 1996 – 2012. Zeitschrift für Sexualforschung, 28(3), 245–271. https://doi.org/10.1055/s-0035-1553700
- Hintzpeter, B., Krause, L., Vogelgesang, F., & Prütz, F. (2022). Sexual and contraceptive behaviour of young adults in Germany – Results from KiGGS Wave 2. Journal of Health Monitoring, 7(2), 7–22. https://doi.org/10.25646/9873
- CHE Centrum für Hochschulentwicklung (2025). Was studieren Frauen? Was studieren Männer? Studierende und Studienanfänger*innen nach Geschlecht (CHE DatenCHECK 2/2025; Daten: Statistisches Bundesamt, WS 2023/24). https://hochschuldaten.che.de/was-studieren-frauen-was-studieren-maenner/
- Eurostat (2026). Employed ICT specialists by sex [Datensatz isoc_sks_itsps, 2025]. https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/isoc_sks_itsps/default/table
- Meuwly, M., Suris, J.-C., Auderset, D., Stadelmann, S., & Barrense-Dias, Y. (2021). Virgins at age 26: who are they? Sexual Health, 18(4), 327–332. https://doi.org/10.1071/SH21019
- CHE Centrum für Hochschulentwicklung (2025). Veterinärmedizin hat den höchsten Frauenanteil im Studium [Pressemitteilung]. https://www.che.de/2025/veterinaermedizin-hat-den-hoechsten-frauenanteil-aller-studienbereiche/
- Statistisches Bundesamt (2026, 28. Januar). Immer mehr Frauen entscheiden sich für ein MINT-Studium (Pressemitteilung Nr. N006, korrigierte Fassung). https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_N006_213.html
- Leesch, J., & Hiekel, N. (2026). No partner, no children? Union formation, assortative mating, and educational inequalities in fertility in Germany. European Journal of Population, 42(1), 8. https://doi.org/10.1007/s10680-026-09766-w
- Trimarchi, A., & Van Bavel, J. (2017). Education and the transition to fatherhood: The role of selection into union. Demography, 54(1), 119–144. https://doi.org/10.1007/s13524-016-0533-3
- Eurostat (2026, 3. September). Tertiary education attainment [Eurostat News]. https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20260903-1
- Eurostat (2026). Population by educational attainment level, sex and age (%) [Datensatz edat_lfse_03, 25–34 Jahre, ISCED 5–8]. https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/edat_lfse_03/default/table
- Statistisches Bundesamt (2026, 8. September). Bei 63 % der Paare in Deutschland haben Frau und Mann den gleichen Bildungsstand (Zahl der Woche Nr. 37). https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2026/PD26_37_p002.html
- Statistisches Bundesamt (2013). Durchschnittliches Alter bei der ersten Geburt – Mütter im Alter von 35 bis 44 Jahren 2012 nach höchstem Bildungsabschluss (Mikrozensus 2012). https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Geburten/Tabellen/alter-geburt-bildung.html
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