Online-Test: Soll mein Kind besser zum Psychologen?

Eltern fragen sich oft, ob sie ihrem Kind noch selbst helfen können, oder ob sie sich vom Psychologen, Psychotherapeut oder Psychiater Hilfe holen sollen. Dieser Test hilft Ihnen bei der Entscheidung.

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1. Auf Computerverbot reagiert mein Kind aggressiv und beleidigt mich.
2. Verabredete Spielzeiten hält es kaum ein.
3. Spielzeit und Konflikte haben über Wochen und Monate stetig zugenommen.
4. Ohne Spielen ist seine Stimmung schlecht. Andere Aktivitäten können das nicht ändern.
5. Der Druck zu Spielen wird dann am größten, wenn es traurig oder aggressiv ist.
6. Es kann sich abseits von Computerspielen kaum konzentrieren, besonders in der Schule oder bei Hausaufgaben.
7. Sind Computer, Konsole und Smartphone aus, weiß es sich nicht zu beschäftigen.
8. Es ist überzeugt, dass sein Verhalten normal ist. Es zeigt kein Verständnis für meine Bedenken.

Wie erkenne ich eine Computerspiel-Sucht?

Für eine gute Einschätzung, ob Sie das Problem noch selbst bewältigen können, kommt es auf

  • Hobbys,
  • Gesundheitszustand,
  • Umgang mit Stress,
  • auf die sozialen Kontakte (Freunde, Mitschüler) und
  • seine Reaktion auf Verbote an.

1. Hobbys und Zeitvertreib

Gut ist, wenn Ihr Kind neben dem Computerspiel (noch) andere Hobbys hat. Mit diesen Hobbys sollte das Kind mindestens gleich viel Zeit wie vor Computer, Konsole und Smartphone verbringen.

Schlecht ist, wenn das Computerspielen diese anderen Freizeitbeschäftigungen verdrängt hat.

  • Hat es frühere Hobbys aufgegeben? (Geht z. B. kaum noch zum Fußballtraining, Fitnessstudio, Handwerken)
  • Sagt es Treffen mit Freunden ab, um weiterzuspielen?
  • Vernachlässigt es seine Hausaufgaben?
  • Kann es an Terminen im echten Leben (Familienfeiern, Feste, Partys) nicht teilnehmen, weil Online-Turniere, -Events oder –Trainings im Spiel stattfinden?
  • Haben sich Gewohnheiten, Interessen und Freizeitgestaltung wesentlich geändert, um mehr spielen zu können?

2. Gesundheitliche Probleme

Gut ist, wenn das Spielen nur die Lücken im Tagesablauf füllt: Spielen, wenn das Fußballspiel wegen Regen ausfällt. Ein Spiel zwischendurch im Wartezimmer ist auch ein Problem. Wichtig ist auch, dass noch etwas körperliche Bewegung und Aufenthalt im Freien/außer Haus da ist.

Schlecht ist, wenn Schlaf und Ernährung unter exzessivem Spielen leiden.

  • Spielt es bis tief in die Nacht? Kommt es deshalb morgens kaum aus dem Bett?
  • Hat es durch Schlafentzug Schwierigkeiten wie Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule?
  • Isst es nur mehr hastig, um möglichst schnell wieder an den PC zu kommen?
  • Erscheint es gar nicht mehr oder nur mit viel Aufforderung zu gemeinsamen Mahlzeiten?
  • Hat es praktisch alle körperlichen Aktivitäten, Fitness, Sport, Spazieren gehen aufgegeben?
  • Verbringt es im Gegensatz zu früher kaum noch Zeit außer Haus?
  • Zeigen sich körperliche Veränderungen wie Gewichtsab- oder zunahme?
  • Vergisst es dauernd auf Schlaf und Mahlzeiten?
  • Geht es kaum noch nach draußen?
  • Hat sich das Verhalten erst durch das Computerspielen so geändert?

3. Spielzeit

Stundenlanges Computerspielen alleine ist noch kein Hinweis auf eine Sucht. Trotzdem verdrängt exzessives Spielen zwangsweise alle anderen Aktivitäten. Typisch für Süchtige ist, dass sie Normalität selbst nicht einschätzen können – ihre Wahrnehmung ist verzerrt.

Gut ist jedenfalls, wenn die Spieldauer 2-3 Stunden täglich nicht überschreitet. Gut ist auch, wenn das Kind selbst mit dem Spielen aufhört oder sich einigermaßen verlässlich an vereinbarte Grenzen hält.

Schlecht ist, wenn es die Kontrolle über seine Spielzeit verloren hat:

  • Es spielt viel länger als vereinbart.
  • Es spielt auch länger, als es sich selbst vorgenommen hat.
  • Es spielt seit Wochen und Monaten immer mehr, die Spielzeit steigt an.
  • Auch in Offline-Zeiten (z. B. in der Schule) denkt es oft ans Spielen.
  • Nicht mehr einschätzen, was normal ist.
  • Wenn Computerspielen einen großen Teil des Tagesablaufs einnimmt und gleichzeitig sich nicht mehr kontrollieren lässt.

4. Spielen gegen Trauer, Stress und Probleme

Süchte sind oft Flucht vor Problemen und vor den eigenen Gefühlen. Wer mit solchen Stressoren schlecht umgehen kann, ist anfälliger.

Gut ist, wenn das Kind bei Probleme resilient ist, sie aktiv angeht und sich bei Eltern, Freunden oder Lehrern selbst Hilfe holt. Gut ist auch, wenn es in schwierigen Situationen einigermaßen ruhig und entspannt bleibt.

Schlecht ist, wenn es

  • eher ablenkt und vermeidet,
  • passiv und hilflos bleibt,
  • in hilfloser Weise aggressiv wird und kaum zu beruhigen ist,
  • dramatisierend und katastrophisierend reagiert.

Computerspielen soll Spaß machen und ein Hobby und Zeitvertreib sein. Es darf nicht dauerhafte Ablenkung und Flucht vor Problemen sein.

5. Soziale Kontakte: Freunde und Mitschüler

PC, Konsole und Smartphone können durchaus sozial förderlich sein – wenn bestehende Freundschaften aus dem echten Leben auch virtuell gepflegt werden.

Gut ist, wenn Mitspieler auch offline bekannt sind und regelmäßig getroffen werden.

Schlecht ist, wenn Freundschaften und Kontakte aus dem echten Leben vernachlässigt werden.

  • Findet das Kind schwer Anschluss in Schule und Freizeit?
  • Ist es unsicher und ängstlich im Umgang mit Gleichaltrigen?
  • Leidet es unter Hänseleien und Mobbing?

Ein Alarmsignal ist, wenn reale Freundschaften und gemeinsame Aktivitäten verschwinden und Online-Bekanntschaften ihren Platz einnehmen.

6. Reaktion auf Computerspielverbote

Kein Kind lässt sich das Computerspielen gerne verbieten. Seine Reaktion gibt aber Hinweise auf die Gefährdung.

Gut ist, wenn sich der Protest im Rahmen hält. Wenn es aggressiv und wütend wird, sollte das relativ schnell verfliegen. Gut ist auch, wenn es sich kurz danach anders zu beschäftigen weiß.

Schlecht ist, wenn das Kind mit dem Ausschalten des Computers die Kontrolle verliert. Definitiv professionelle Hilfe brauchen sie, wenn es:

  • aggressiv wird und Sie beleidigt,
  • Sachen beschädigt.
  • Sie körperlich angreift und schlägt,
  • depressiv, zurückgezogen und ängstlich wirkt oder
  • es darüber spricht, sich zu verletzen oder umbringen zu wollen.

Verbote sind ein unverzichtbares Mittel, wenn Eltern noch Einfluss auf ihr Kind nehmen wollen. Können sie Verbote nicht mehr durchsetzen brauchen sie jedenfalls Hilfe.

Wo bekomme ich professionelle Hilfe für mein computerspielsüchtiges Kind?

Am besten suchen Sie sich einen Psychologen, Psychotherapeuten oder Psychiater, der sich auf Computerspiel- und Internet-Sucht spezialisiert hat.

Das kann

  • eine Online-Beratung,
  • eine ambulante Therapie bei Psychologen, Psychotherapeuten oder Psychiater in einer niedergelassenen Praxis oder Beratungsstelle oder
  • ein stationärer Aufenthalt in einer Kinder- oder Jugendpsychiatrie sein.

Einzelne Kliniken und Suchtberatungsstellen haben mittlerweile auch passende Angebote entwickelt.

Fazit

Je früher Sie es schaffen, zu intervenieren, desto besser. Meist werden die Probleme mit der Zeit größer, deshalb lieber den ersten Schritt frühzeitig setzen.

Seit Computerspiel-Sucht von der WHO offiziell anerkannt wurde, sind ÄrztInnen und PsychologInnen auch für Computerspiel-Sucht sensibilisiert. Sie können sich sicher sein, dass sie das Thema professionell und vertraulich behandeln. Sie wissen, dass es um das Leben und die Zukunft des Kindes geht.

Dr. Armin Kaser

Ich bin Psychologe in Innsbruck, spezialisiert auf Computerspiel-Sucht und biete dazu die Online-Sprechstunde per Video-Chat an.

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