Test: Borderline?

Sie sind emotional instabil, impulsiv und haben große Angst vor Zurückweisung? Vielleicht verletzen Sie sich sogar selbst?

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stimmungschwankung-emotional-instabil-schwierig
1. 

Meine Beziehungen sind voller Drama.

2. 

Wenn ich mich innerlich leer fühle, mache ich verrückte Sachen, nur um mich wieder selbst zu spüren.

3. 

Ab und zu verliere ich die Kontrolle. Dann gebe viel Geld aus, bin sexuell freizügiger oder fahre viel zu schnell mit dem Auto.

4. 

Ich habe ab und zu das Verlangen mich selbst zu verletzen.

5. 

Meine Stimmung wechselt oft: Erst fühle ich mich sehr gut und dann ohne sichtbaren Grund plötzlich sehr schlecht.

6. 

Ich setze Streit und Drama ein damit ich nicht verlassen werde.

7. 

Kommt mir jemand zu nahe, fange ich an diese Person zu hassen.

8. 

Ich bin sehr wechselhaft was meine persönlichen Ziele und Pläne im Leben angeht.

Was ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung.

  • Die Betroffenen sind ausgesprochen impulsiv und ihre Stimmung ist sehr instabil. Sie können ihre heftigen Stimmungsschwankungen und Gefühlsausbrüche nicht verhindern.
  • Deshalb verletzen sich viele der Patienten selbst, dadurch können sie die extreme innere Anspannung verringern.
  • Im Alltag leiden sie unter massiven Ängsten vor dem Alleinsein. Ihre Beziehungen und Freundschaften sind auch deshalb sehr instabil.

Häufigkeit

Etwa 3 % der Bevölkerung leiden an der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Männer und Frauen sind gleich oft betroffen, allerdings lassen sich Frauen eher therapieren.

Auch eine Computerspiel-Sucht tritt oft gleichzeitig mit einer Persönlichkeitsstörung auf: Rund 24 % der Computerspielsüchtigen sind gleichzeitig Borderliner.

Symptome

Der Katalog der psychischen Erkrankungen DSM-IV listet 9 Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung, von denen mindestens 5 erfüllt sein müssen:

  1. Der/die Betroffene versucht verzweifelt, Alleinsein zu verhindern.
  2. Seine/Ihre Beziehungen sind durchgängig instabil und ausgesprochen intensiv.
  3. Das Selbstbild des/der Betroffenen ist ebenfalls instabil.
  4. In mindestens 2 Bereichen verhält er/sie sich impulsiv, was großen Schaden anrichtet (Bereiche z. B. Umgang mit Geld, Sex, Drogenmissbrauch, Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr, schädliches Essverhalten).
  5. Mehrmalige Androhung oder Versuche von Selbstmord – oder selbstschädigendes Verhalten.
  6. Instabile Gefühls- und Stimmungslage.
  7. Andauerndes Gefühl von innerer Leere.
  8. Häufige Wutausbrüche, ständiger Ärger, mehrmalig Prügeleien und Handgreiflichkeiten.
  9. Kurzzeitige paranoide Gedanken oder schwere Dissoziazionen.

Ursachen

Als Ursachen vermutet man heute eine Kombination aus

  • genetische
  • Traumatische Erlebnisse, besonders in der Kindheit:
    • Sexuelle Gewalt (bei 65 % der Betroffenen)
    • Körperliche Gewalt (60 %)
    • Schwere Vernachlässigung (35 %)

In Untersuchen konnten Veränderungen in der Gehirnstruktur von Borderlinern nachgewiesen werden. Auffällig waren:

  • Eine kleinere und besonders leicht erregbare Amygdala. Sie ist für die Verarbeitung von Stress und Ängsten zuständig.
  • Veränderungen im System der Neurotransmitter Serotonin und Acetylcholin.
  • Eine höhere Empfindlichkeit der Systeme zur Stressverarbeitung.

Begleiterkrankungen

Die meisten Borderliner leiden unter mindestens einer zusätzlichen psychischen Störung.

Am häufigsten sind das Depressionen, ADHS und Angststörungen (v. a. Posttraumatische Belastungsstörungen). Auch Schlaf- und Essstörungen kommen oft vor.

Drogen und Alkohol spielen sehr oft eine Rolle. Viele Borderliner versuchen dadurch, ihre Stimmungsschwankungen und die innere Anspannung selbst zu behandeln – was aber neue Probleme schafft.

Therapie

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird am besten mit Psychotherapie und Medikamenten gleichzeitig behandelt.

Medikamente

Medikamente werden jedoch nicht gegen die Borderline-Symptomatik eingesetzt (Studien konnten hier keinen Nutzen nachweisen). Stattdessen helfen sie bei der Behandlung der häufigen Begleiterkrankungen.

Psychotherapie

Weil bei vielen Borderlinern traumatische Erlebnisse in der Kindheit zugrunde liegen, werden oft psychodynamische Verfahren oder eine spezielle Traumatherapie empfohlen. Dazu gehören die mentalisierungsbasierte Psychotherapie (Fonagy & Bateman), die übertragungszentrierte Psychotherapie (Clarkin, Yeomans & Kernberg) und die klärungsorientierte Psychotherapie (Sachse).

Auch Verhaltenstherapie ist wirkt bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung: in der dialektisch-behavioralen Therapie (Linehan) wird versucht, neue Verhaltensstrategien zu finden. Zu dieser Therapieform gibt es am meisten positive Studien. Auch die kognitive Umstrukturierung bzw. die kognitive Verhaltenstherapie kann helfen: Patienten lernen, ihre Gefühle von der Außenwelt unabhängig zu sehen. Damit können sich die typischen sozialen Konflikte des Borderliners mit seinen Mitmenschen bessern.

Verlauf & Prognose

Akut kann eine Persönlichkeitsstörung wegen Selbstverletzungen und Suizidgefahr lebensbedrohlich sein. Langfristig ist die Prognose aber eher günstig, vor allem bei frühzeitiger Erkennung und Behandlung.

Die Hälfte der Betroffenen bessern sich nach 6 Jahren, so weit, dass er/sie die Kriterien der Persönlichkeitsstörung nicht mehr erfüllt. Nach 10 Jahren ist das bei 90 % der Betroffenen so. Psychologische Hilfe ist also sehr empfehlenswert.

Allerdings verschwinden die Probleme im Alltag, Berufsleben und in Beziehungen auch nach diesen 10 Jahren nicht vollständig.

Liebe und Beziehung bei Borderline

Im Umgang mit anderen Menschen sind Borderliner oft unsicher, weil sie einerseits einen geringen Selbstwert haben. Zudem wechselt ihr Gefühl schnell und heftig zwischen Selbstliebe und Selbsthass.

Dieses emotionale Wechselbad ist für den Partner schwer nachvollziehbar. Der Partner wird vor allem am Anfang idealisiert, später heftig abgelehnt. Der Borderliner hat übertrieben Angst davor, verlassen zu werden. Eine Borderline-Störung ist eine große Belastung für Partnerschaften (wie alle psychischen Erkrankungen). Trennungen sind in Beziehungen mit Borderlinern deshalb häufig.

Studien

Neural Changes in Borderline Personality Disorder After Dialectical Behavior Therapy-A Review (Iskric & Narkley-Levenson, 2021) über die neuronalen Veränderungen, die durch eine erfolgreiche DBT-Therapie bei Borderlinie angestoßen werden. doi, PubMed.

Clinical Guidelines for Treatment (2019), M. H. Stone: Empfehlungen für die Behandlung von Borderline-Störungen. Dabei wird versucht, je nach Begleiterkrankung, genetischer Disposition zwischen verhaltenstherapeutischen und psychoanalytischen Methoden zu entscheiden.

Pharmacologic Treatment of Borderline Personality Disorder (2019), J. D. Parker und A. Naeem: Obwohl es keine medikamentöse Therapie gibt, die das Gesamtbild der Borderline-Störung verbessern würde, können in Studien Antipsychotika Paranoia, Dissoziationen, Stimmungsschwankungen und Wut positiv beeinflussen. PubMed.

Effect of 3 Forms of Early Intervention for Young People With Borderline Personality Disorder (Chanen et al., 2021) bewerten 3 Behandlungsmethoden der Borderline-Störung im Frühstadium: Helping Young People Early, Cognitive Analytic Therapy und Youth Mental Health Service. doi, PubMed.

A Mechanism-Based Approach to Anti-Aggression Psychotherapy in Borderline Personality Disorder (Neukel et al., 2021) über die Wirksamkeit von Gruppentherapie, die in der Amygdala-Aktivität sichtbar wird. doi, PubMed.