Test: Die beste Video-Chat-Software für Psychologen | TheraPsy, Instahelp, Jitsi, Zoom?

Zoom und Skype sind für psychologische Online-Beratung und Supervision nicht geeignet. Dafür gibt es professionelle Anbieter wie TheraPsy oder Instahelp Online-Praxis. Auch ein Gratis-Tool kann die Datenschutz- und DSGVO-Vorgaben erfüllen.

Test: Vergleich Tools zu Videotelefonie Online-Beratung: Zoom, Skype, Therapsy, Instahelp

Nicht! Zoom

Zoom wird seit Corona häufig für Einzel-, Gruppengespräche und Supervision benutzt. Dabei haben Unternehmen (Google, Nasa, Space X) und Regierungen weltweit ihren Angestellten das Verwenden von Zoom längst verboten. Zoom steht wegen gravierender Sicherheitsmängel unter Beobachtung von Staatsanwaltschaften und Verbraucherschützern.

Kritisiert wurden an Zoom unter anderem:

Psychologen und Psychotherapeuten brauchen für Video-Meeting eine bessere Video-Chat-Software.

Test: Professionelle Video-Chat-Software für Online-Beratung

Professionelle Anbieter bieten die Gewissheit, gesetzliche Auflagen an Datenschutz und DSGVO zu erfüllen. Dieser Test vergleicht 3 Tools, die in Foren und sozialen Medien am häufigsten genannt werden:

  • TheraPsy Connect
  • Instahelp Online Praxis
  • Mentality.at

TheraPsy Connect

Update 09/2020: TheraPsy Connect hat ein neues Preismodell bekommen. Demnach bleibt TheraPsy Connect für einzelne Personen im 1-zu-1 Setting dauerhaft kostenlos. Mit der kostenlosen Variante sind die Anrufe zwar auf max. 60 Minuten begrenzt, was aber bei den üblichen 50-minütigen Terminen für die meisten keine Einschränkung sein dürfte.

Die kostenpflichtigen Varianten (ab 28,45 €/Monat oder ca. 2 €/h) bieten zusätzlich:

  • Anrufe länger als 60 Minuten
  • Praxislogo im Chatfenster
  • ein Bildschirm-teilen-Feature
  • Gruppenanrufe
  • mehr als 3 Anrufe in Voraus planbar

Der österreichische Anbieter TheraPsy aus Villach hat sich darauf spezialisiert, die gesamte Wertschöpfungskette von Psychologie und Psychotherapie zu unterstützen.

Therapsy, Video-Chat-Tool für Online-Beratung von Psychologen

Etwas verwirrend in der Namensgebung und auf der Website: Das Unternehmen TheraPsy bietet 2 Produkte an:

  1. die Video-Chat-Software TheraPsy Connect und
  2. die Software TheraPsy (Lite/Pro) zur Verwaltung einer Praxis.

Getestet wird also nur die Video-Chat-Software TheraPsy Connect.

Bedienung | TheraPsy Connect

Weder Psychologe noch Klient müssen auf PC, Tablet oder Smartphone eine Software installieren. Es reichen eine Webcam und ein Webbrowser (Google Chrome, Firefox). Zudem muss sich der Klient nicht registrieren. Die Anmeldung des Klienten geschieht automatisch sobald er auf den Einladungs-Link klickt. Genau so sieht die optimale Lösung aus. Bei Fragen ist der Kundendienst gut erreichbar und antwortet ausführlich und kompetent.

https://www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=wFHyvw8iVEY&feature=emb_logo

Sicherheit & DSGVO | TheraPsy Connect

TheraPsy verwendet Ende-zu-Ende Verschlüsselung sowohl für Video- als auch Audiostream. Technisch wird das über WebRTC und einer selbst entwickelten Lösung realisiert.

Um den Anforderungen der DSGVO gerecht zu werden, werden Server in Frankfurt, Deutschland verwendet. Die Inhalte der Anrufe werden weder aufgezeichnet noch gespeichert.

Mehr Informationen zu Sicherheit und DSGVO finden sich übersichtlich im TheraPsy Connect-Whitepaper (PDF).

Kosten | TheraPsy Connect

TheraPsy rechnet in zwei Modellen ab:

  1. TheraPsy Connect Flex: Abrechnung nach Gesprächsminuten, 0,032 €/Minute (entspricht 1,6 € für eine 50-minütige Einheit) oder
  2. Kombi-Paket mit der TheraPsy Praxisverwaltung, dann sind 9.000 Minuten Video-Chat inklusive (entspricht 180 × 50 Minuten).

Werbefrei | TheraPsy Connect

TheraPsy richtet sich mit Videotelefonie und Praxis-Software an den einzelnen selbstständigen Psychologen. Dabei bleibt es angenehm im Hintergrund. Es bietet keine eigenen Psychologen oder Online-Beratungen an. Auch vor, während oder nach dem Gespräch werden keine Anzeigen eingeblendet.

Fazit | TheraPsy Connect

Einfache Bedienung, günstige Preise, sehr gute technische Umsetzung von DSGVO und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Für Wenig-Nutzer ist die minutengenaue Abrechnung ein gutes Angebot, 1,60 € für 50 Minuten sind sehr fair. Ab 49.99 €/Monat gibt es praktisch unlimitierte Gesprächsminuten und dazu noch die Praxisverwaltungssoftware – perfekt für Viel-Nutzer. Der Verzicht auf Kündigungsfristen und Einrichtungsgebühren ist ebenfalls vorbildlich.

Instahelp Online-Praxis

Instahelp sieht sich als digitale Plattform für mentale Gesundheit und bietet selbst psychologische Online-Beratung an. Das Portal ist durch TV-Werbung und einem Auftritt der Gründerin Bernadette Frech in der Fernseh-Show „2 Minuten 2 Millionen“ recht bekannt geworden.

Instahelp Video-Chat-Tool-Psychologen
Die Benutzeroberfläche der Instahelp-Online-Praxis erinnert stark an WhatsApp & Co.

Unter dem Namen Instahelp Online-Praxis können Psychologen (und Ärzte mit Instadoc) das Video-Chat-Tool jedoch auch für die eigene Selbstständigkeit benutzen – ohne als Psychologe bei Instahelp gelistet zu sein.

Der Klient muss sich für den Video-Chat bei Instahelp zwingend registrieren. Das ist für einen einfachen Video-Chat eigentlich nicht nötig und umständlich.

Bedienung| Instahelp Online-Praxis

Die Instahelp Online-Praxis zeigt sich nach dem Start ganz im Design eines Messengers wie WhatsApp. Links mit Liste der eigenen Klienten und in der Mitte der Verlauf mit Textnachrichten und Anrufen.

Instahelp ermöglicht Textnachrichten zwischen Psychologe und Klient (wobei das so mancher Psychologe wohl genau nicht möchte – der Aufbau der Video-Chat-Software lädt zu einer spontanen Nachricht geradezu ein). Das bedeutet aber auch, dass diese Nachrichten gespeichert werden. Wenn jemand Zugriff auf das Konto erlangt (z. B. am Smartphone des Klienten), kann er diese Nachrichten nachlesen.

Am PC wird dann über den Webbrowser (Google Chrome, Firefox) gesprochen, an Smartphone und Tablet wahlweise auch per offizieller Instahelp-App.

Generell sollte aus Sicherheitsgründen auf die Installation von Apps verzichtet werden. Jede zusätzliche App macht ein Smartphone anfälliger. Für den Betreiber des App-Stores (Google, Apple) ist des zudem nachvollziehbar, welche App Sie herunterladen. Zumal der Betreiber des App-Stores Ihre persönlichen Daten über die hinterlegten Zahlungsmittel hat, kann er auch zuordnen, dass Sie psychologische Beratung in Anspruch nehmen. Die Nutzung des Browsers für Video-Chat ist deshalb besser.

Beworben wird außerdem ein „Widget für die eigene Website“. Dahinter versteckt sich aber lediglich eine simple Box, die auf die Instahelp-Website weiterleitet. Erwarten würde man ein Buchungsformular mit Terminwahl und Bezahlmöglichkeit, das ist es leider nicht. Zumindest die Integration einer Bezahlmöglichkeit ist laut Info-Material aber bereits in Planung.

Nicht clever für den Einzelkämpfer-Psychologen

Die Instahelp Online Praxis ist perfekt an die Bedürfnisse der Plattform und der eigenen Instahelp-Psychologen angepasst. Ein selbstständiger Psychologe mit eigener Online-Praxis hat aber andere Ansprüche.

Weil Sie die Bezahlung jedenfalls außerhalb der Instahelp Online Praxis abwickeln müssen, ist eine Registrierungspflicht für den Klienten ungeschickt.

„Sind Sie denn kein Instahelp-Psychologe?“

Spätestens wenn Sie den Klienten zur Installation der Instahelp-App auffordern, wird er sich fragen, ob er nicht gleich zu einem offiziellen Instahelp-Psychologen wechseln soll. Sie müssen sich auch überlegen, wie Sie Textnachrichten abrechnen, wenn sich die Beratung dort fortsetzt. Und am Ende der Preis: Instahelp bietet den Klienten 40 Minuten Beratung für 49 €, gegen diesen Kampfpreis müssen Sie argumentieren.

Kosten | Instahelp Online-Praxis

Die Instahelp-Online-Praxis kann mit einem einzelnen Klienten kostenlos getestet werden. Seit 2020 verzichtet Instahelp auf Mindestlaufzeiten und Einrichtungsgebühren, die vorher ein großer Kritikpunkt waren. Damit fallen monatlich nur mehr 39 €, unabhängig von der Anzahl an Klienten, Beratungen und Videominuten.

Fazit | Instahelp Online-Praxis

Abgesehen vom Registrierungszwang für Klienten ist die Instahelp Online Praxis ein gutes Produkt mit einer einfachen Benutzeroberfläche und der starken technischen Umsetzung.

Für das eigene Marketing ist es allerdings ungeschickt, sich mit dem doch sehr bekannten Namen Instahelp in Verbindung zu bringen – der Unterschied zwischen Instahelp-Psychologe und Instahelp Online-Praxis dürfte schwer zu vermitteln sein. Für den einzelnen Online-Psychologen ist sie strategisch unklug.

Deshalb ist die Instahelp Online-Praxis in 2 Fällen die beste Lösung:

  1. wenn Sie selbst schon ein regulärer Instahelp-Psychologe sind oder
  2. wenn für Sie die Option, Textnachrichten zu schreiben, unverzichtbar ist.

Mentality.at

Mentality.at ist eigentlich eine Plattform, die ihren Besuchern Online-Beratung vermittelt – ähnlich wie Instahelp, nur eben kleiner. Klinische Psychologen und Psychotherapeuten können nach der Registrierung die Video-Chat-Software von mentality.at für Online-Beratung mit eigenen Klienten nutzen.

Update: Leider wurde mir von der Geschäftsführung mentality.at mitgeteilt, dass die Plattform am 30. Juni 2020 ihre Aktivitäten einstellen wird.

Bedienung | mentality.at

Einen Gratis-Test-Account gibt es leider nicht. Man merkt, dass die Zielgruppe eigentlich Psychologen sind, die sich über die Plattform vermitteln lassen wollen, oder zumindest auch die Zahlung und Buchung über mentality.at abwickeln lassen wollen. Klienten müssen sich deshalb mit Adresse, Geburtsdatum registrieren, selbst wenn die Bezahlung extern organisiert wird. Das ist eigentlich nicht nötig.

Wer seine eigenen Klienten über mentality.at abrechnen will, wäre um ein Buchungswidget für die eigene Website froh. So könnte man die Terminwahl und Zahlung direkt auf der eigenen Website abwickeln. Stattdessen verlinken die meisten Psychologen von ihrer eigenen Website einfach auf ihre Profilseite bei mentality.at. Das ist ungeschickt. Klienten, die man schon überzeugt hat, bei sich zu buchen, sollte man nicht noch einmal eine ganze Plattform mit Psychologen vor die Nase führen.

Kosten | mentality.at

Jede Videominute kostet bei mentality.at 0,17 € + 20 % Umsatzsteuer = 0,204 €. Das ergibt für eine 50-minütige Einheit 10,20 € – was sehr viel ist, wenn Sie den Klienten selbst mitbringen (für Klienten, die Ihnen die Plattform vermittelt, wäre das hingegen fair).

Zusätzlich können Sie das Payment-Tool benutzen, d. h. Ihre Klienten können die Rechnung online mit Kreditkarte oder PayPal bezahlen. Damit kommen noch Transaktionskosten hinzu:

  • bei PayPal max. 3,4 % der Gesamtsumme + 0,35 € pro Transaktion
  • bei Kreditkarte 1,45 % der Gesamtsumme + 0,10 € pro Transaktion

Die PsychologInnen/PsychotherapeutInnen auf mentality.at bieten 50-minütige Einheiten im Schnitt für 80 € an. Demnach verbleiben nach Abzug der PayPal-Transaktionskosten und der Gebühr für die Videotelefonie noch 66,83 € Netto-Honorar für den Psychologen/Psychotherapeuten.

Sicherheit & DSGVO | mentality.at

Die Informationen auf der Website sind etwas spärlich. Nähere Angaben konnte der Kundendienst auf Anfrage aber rasch und kompetent nachliefern. Die Videokonferenz wird technisch durch eyeson realisiert. Das garantiert Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Servern in Österreich, allerdings ohne das Bildschirm-Teilen-Feature.

Fazit | mentality.at

Kann als Video-Chat-Software eingesetzt werden, ist aber eine Plattform für die Vermittlung von psychologischen Beratungen. Deshalb passt es für die Verwendung als Video-Chat-Software nicht ganz so gut. Wer seinen eigenen Klienten mitbringt, bezahlt mit 10,20 € für eine 50-minütige Einheit zu viel. Außerdem ist die zwingende Registrierung für den Klienten unnötig, wenn Sie Bezahlung und Terminvergabe extern lösen.

Mentality.at kann in 2 Fällen trotzdem eine die richtige Alternative sein:

  • wenn Sie nur sehr wenige eigene Klienten haben und Sie sich welche von der Plattform vermitteln lassen möchten oder
  • wenn Sie Terminvergabe, Bezahlung und Video-Telefonie mit einem einzigen Anbieter abwickeln möchten.

Vergleichstabelle: TheraPsy vs. Instahelp vs. mentality.at

Software🏆 TheraPsyInstahelpmentality.at
Kosten/Preise★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ☆ ☆ ★ ★ ☆ ☆☆
Einrichtungsgebühr0 €0 €0 €
Monatlich0 €39,00 €/Monat0 €
Abrechung nach Minuten0,032 €/min0 €0,17 €/min + USt
Deckelungmax. 49,99 €/Monat bei Kombi-Paketmax. 39,00 €/Monat🚫
Mindestlaufzeitkeinekeinekeine
Kostenlos während Corona✔️✔️🚫
Beispiele: monatliche Kosten
bei 3 Einheiten/Woche21,60 €39,00 €137,70 €
bei 10 Einheiten/Woche49,99 €*39,00 €459,00 €
bei 20 Einheiten/Woche49,99 €*39,00 €918,00 €
Bedienung★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ☆ ☆ ★ ★ ★ ☆ ☆
Ohne Registrierung nutzbar (Psychologe/Klient)🚫/✔️🚫/🚫🚫/🚫
Ohne App-Installation nutzbar✔️✔️✔️
Funktionen★ ★ ★ ☆ ☆ ★ ★ ☆ ☆ ☆ ★ ★ ★ ☆ ☆
Bildschirm-Freigabe🚫 (in Vorbereitung)🚫🚫
Gruppen-Telefonie möglich✔️ (Info)🚫🚫
Zusatzleistungenfür 49,99 € Praxis-Software & 9000 Minuten inklusive.Payment-Tool
Sicherheit★ ★ ★ ★ ★★ ★ ★ ★ ★★ ★ ★ ★ ★
DSGVO-konform ✔️✔️✔️
ServerstandortDeutschland DeutschlandÖsterreich
Verschlüsselung✔️ Ende-zu-Ende✔️ Ende-zu-Ende✔️ Ende-zu-Ende
Technologie: Open Source/Name 🚫/eigene🚫/eigene🚫/eyeson
Werbefrei✔️bewirbt andere Psychologenbewirbt andere Psychologen
Websitetherapsy.atinstahelp.mementality.at
Tabelle: Vergleich der professionellen Anbieter von Video-Chat-Tools für Psychologen

Testergebnis

Grundsätzlich sind alle 3 Tools für die psychologische Online-Beratung geeignet. Sie sind DSGVO-konform, die Verbindungen Ende-zu-Ende-verschlüsselt und die Gespräche zuverlässig und in guter Qualität. Außerdem funktionieren alle auf dem Smartphone des Klienten, ohne eine App installieren zu müssen. Das haben die kostenpflichtigen den Gratis-Angeboten voraus. Unterschiede gibt es bei den Kosten.

TheraPsy bietet einerseits eine Abrechnung nach Minuten (1,60 € für eine 50-min. Einheit) und gleichzeitig eine Deckelung (maximal 49,99 € im Kombi-Paket). Das ist ideal für Wenig- aber auch für Viel-Nutzer. Was für den selbstständigen Psychologen noch wichtiger ist: Es bietet keine eigenen Psychologen oder Dienste an. Damit ist TheraPsy im Jahr 2020 die beste Video-Chat-Software für Psychologen und Online-Beratung. Der Testsieger heißt 🏆 TheraPsy.

Die Instahelp Online-Praxis verzichtet seit 2020 dauerhaft auf Einrichtungsgebühren und Mindestlaufzeiten. Damit ist sie eine interessante Alternative geworden. Eine minutengenaue Abrechnungsmöglichkeit fehlt leider, der monatliche Preis von 39,00 € aber sehr gut für Viel-Nutzer. Der recht bekannte Name “Instahelp” könnte den Einzelkämpfer-Psychologen marketing-technisch in Bedrängnis bringen. Schade, denn die Oberfläche ist sehr übersichtlich und gut gestaltet, der Kundendienst zuverlässig und kompetent.

Mentality.at ist eine Plattform, die nur interessant ist, wenn Sie neue Patienten vermittelt bekommen möchten. Für eine 50 minütige Einheit Video-Chat bezahlen Sie 10,20 €, das ist zu viel, wenn Sie Ihren eigenen Klienten mitbringen. Für einen neuen, vermittelten Klienten ist das hingegen ok.

Anleitung: Den Testsieger TheraPsy Connect ausprobieren

Dauer: 3 Minuten

  1. Registrierung auf der TheraPsy-Website (Symbol rechts oben, dann Registerkarte „Registrieren“).
  2. Link erstellen: Nach der Anmeldung rechts oben Klick auf „Mein Konto anzeigen“. In der grauen Box „TheraPsy Connect“ eine beliebige Klienten-ID eintragen (z. B. „Otto“). Klick auf „Starten“.
  3. Link an Klienten schicken: Entweder direkt per E-Mail (Klick auf „Gültig bis …“, „E-Mail“ auswählen, ihr Standard-E-Mail-Programm öffnet sich) oder erst in die Zwischenablage kopieren und dann beliebig weiterleiten (SMS, WhatsApp, E-Mail etc.).
  4. Anruf starten als Psychologe: Klicken auf den Button „Öffnen“. Danach wird der Browser (Google Chrome, Firefox) wahrscheinlich fragen, ob er die Webcam und das Mikrofon verwenden darf: auf „Erlauben“ klicken. Sie sehen sich dann selbst auf dem Bildschirm.
  5. Anruf beitreten als Klient: der Klient klickt einfach auf den zugeschickten Link. Auch bei ihm wird der Browser (Google Chrome, Firefox) um Erlaubnis für die Webcam und das Mikrofon fragen.
  6. Gespräch beginnen. Sie sollten nun mit dem Klienten verbunden sein. Wenn nicht, finden Sie die häufigsten Problemlösungen auf dieser Seite.

Test: Gratis Video-Chat-Software

Die Gratis-Anbieter gehen Kompromisse ein, schließlich ist die Verwertung von Daten oft ihr Geschäftsmodell. Wie die Enthüllungen von Edward Snowden zeigen, können Unternehmen und Regierungen teilweise komplette Video-Chats mit ansehen. Wenn Ihre Server außerhalb Europas stehen, sind sie generell nicht DSGVO-konform. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Jitsi.

Jitsi: Der Gratis-Sieger

Jitsi ist eine Open-Source-Software, die größten Wert auf Abhörsicherheit der Gespräche legt. Damit ist es ein Exot in diesem Test. Alle anderen Programme wurden entwickelt, um damit Geld zu verdienen oder Ihre Daten zu verwerten.

jitsi: Open Source Video-Chat-Tool-DSGVO

Bedienung | Jitsi

Geschickt ist, dass man am PC kein Programm installieren muss. Auch eine Registrierung ist nicht nötig. Jitsi kann direkt im Browser (Google Chrome, Firefox, Microsoft Edge) verwendet werden. Man eröffnet einfach einen Video-Chatroom und teilt dem Klienten den Link (z. B. per E-Mail) mit. Auch der Klient braucht am PC keine Software zu installieren. An Smartphone und Tablet funktioniert Jitsi leider nur über die eigene App „Jitsi Meet“ (Download für Android & iPhone/iPad).

Achtung: Serverstandort bei Jitsi

Es gibt einen kleinen Haken: Um das ganze noch DSGVO-konform zu gestalten, muss man einen Server innerhalb Europas verwenden. Empfehlenswert sind z. B.:

Noch mehr Jitsi-Server finden Sie bei GitHub. Der offizielle Jitsi Server ist leider nicht DSVGO-konform, weil er sich außerhalb Europas befindet.

Sicherheit | Jitsi

Video-Chats über Jitsi zwischen 2 Personen sind vollständig Ende-zu-Ende verschlüsselt. An einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Gruppen-Chats wird derzeit noch gearbeitet. DSGVO-konform wird Jitsi durch die Verwendung eines Servers innerhalb Europas. Außerdem ist Jitsi Open-Source – das heißt, jeder darf sich den Quellcode der Software ansehen.

Werbefreiheit | Jitsi

Ohne Umschweife: Jitsii ist komplett werbefrei.

Kosten | Jitsi

Jitsi ist gratis. Jeder kann seinen eigenen Jitsi-Server starten installieren (was aber eine Angelegenheit für IT-Experten ist). Als normaler Nutzer können Sie den freien offiziellen Server verwenden oder einen der zahlreichen Gratis-Server in Europa. Vertrauenswürdig sind jedenfalls Server von Universitäten (z. B. Uni Innsbruck) oder angesehenen IT-Institutionen wie dem Online-Magazin Golem oder dem Chaos Computer Club. Für alle gilt: Jitsi und die Benutzung dieser Server ist gratis.

Fazit | Jitsi

Wenn es gratis, werbefrei, einfach und sicher sein soll ist Jitsi die richtige Wahl.

Was Jitsi hinter die kostenpflichtigen Anbieter zurückfallen lässt:

  • Auf Tablet und Smartphone muss die App Jitsi Meet installiert werden und
  • Sie müssen einen der DSGVO-konformen Server innerhalb Europas verwenden.

Zoom

Die Video-Chat-Software aus den USA hat in der Corona-Krise im März 2020 einen sagenhaften Sprung auf 200 Millionen Nutzer gemacht. Unternehmen, Schulen und Universitäten setzten die Software ein, bis zahlreiche Datenschutz- und Sicherheitsmängel bekannt wurden.

Sicherheit | Zoom

Daraufhin untersagten viele Behörden und Unternehmen die Nutzung von Zoom. Die Sicherheitslücken wurden in der Fachpresse breit diskutiert.

Sicherheitslücken in Zoom – Die traurigen Highlights

  • 2019 wurde bekannt, dass bei Apple-Computern ein lokaler Webserver mitinstalliert wird. Unter Umständen konnte jemand aus der Ferne dadurch auf die Webcam zugreifen. Dieser Softwareteil wurde bei der Deinstallation von Zoom nicht entfernt, sodass sich Apple selbst gezwungen sah, die unerwünschte Software mit dem eigenen Anti-Malwareprogramm zu entfernen.
  • Die Zoom-App für iPhones und iPads sendete Daten an Facebook, auch wenn die Nutzer dort gar nicht angemeldet waren.
  • Die angepriesene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Zoom ist nach Ansicht von Experten lediglich eine weniger sichere Transportverschlüsselung. Damit habe Zoom selbst unverschlüsselten Zugriff auf die Video- und Audio-Daten der Video-Chats. Die Experten stufen Zooms “Ende-zu-Ende-Verschlüsselung” als “irreführendes Marketing” und als glatte Lüge ein.
  • Hacker können mithilfe eines kleinen Tricks auf Windows-PCs Login-Daten erraten oder beliebige Programme starten.
  • Der Administrator einer Gruppe kann mit Zoom auf IP-Adressen, Standorte, Geräte-Infos zugreifen. Mit dem Aufmerksamkeits-Tracking kann er prüfen, ob sich Zoom auf dem Bildschirm der Anderen im Vordergrund befindet.
  • Zoombombing: Wenn die Zoom-Gruppe fälschlicherweise als “öffentlich” eingerichtet wurde, können sich Fremde unerlaubt in den Video-Chat einwählen. Die Trolle stören Unterhaltungen durch das Einblenden von pornografischem Material und rassistischen Beleidigungen.

Für psychologische Online-Beratung wiegt die immer noch fehlende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung am schwersten. Die Zoom-Server stehen außerhalb Europas, deshalb ist Zoom jedenfalls auch nicht DSGVO-konform.

Fazit | Zoom

Die beispiellose Liste an Sicherheitsmängel lässt nur einen Schluss zu: Nutzen Sie Zoom nicht für professionelle Gespräche. Die Inhalte von psychologischer Beratung verdienen höchsten Schutz. Google, Elon Musk, die Nasa, die ARD, Chip, und Der Standard meinen: Zoom bietet genau das nicht.

Skype

Der kostenlose Instant-Messaging-Dienst wurde 2011 von Microsoft gekauft. Er funktioniert im Browser oder über Windows-, Android- und iOS-Apps. Die Verbreitung war zeitweise so groß, dass sich “Skypen” als Synonym für Videotelefonie durchgesetzt hat. In den letzten Versionen wurde das Erscheinungsbild an jenes von Zoom angepasst. Außerdem unterstützt Skype das Teilen den Bildschirms.

Sicherheit | Skype

Auch Skype ist durch mangelnden Datenschutz wiederholt aufgefallen. 2013 entdeckte heise Security, dass Skype sich durch die AGB das lückenlose Mitlesen, Durchscannen und Überprüfen der Inhalte erlauben lässt und das auch tatsächlich macht.

“Wer Skype benutzt, muss sich … damit einverstanden erklären, dass Microsoft alle übertragenen Daten quasi nach Belieben nutzt.”

Heise Security, 2003

Auch im PRISM-Überwachungsskandal, aufgedeckt durch NSA-Whistleblower Edward Snowden, war Skype prominent vertreten. Den Dokumenten zufolge lobte die NSA die Zusammenarbeit mit dem FBI. Skype sei schon 2011 an PRISM angeschlossen worden.

Fazit | Skype

Die beiden Vorfälle lassen sich mit der Vertraulichkeit von psychologischer Beratung natürlich nicht vereinbaren. Skype war vor langer Zeit der Inbegriff von guter Internet-Telefonie. Das ist vorbei. Wer Datenschutz ernst nimmt, wählt einen Konkurrenten wie Jitsi.

Vergleichstabelle: Jitsi vs. Zoom vs. Skype

Software🏆 Jitsi Skype Zoom
Kosten0 € 0 € 0 €
Bedienung ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ☆ ★ ★ ★ ★ ☆
Ohne Registrierung nutzbar (Psychologe/Klient)✔️/✔️🚫/✔️🚫/✔️
Screensharing/ Chat-Funktion✔️/✔️✔️/✔️✔️/✔️
Gruppen-Chat✔️✔️✔️ kostenpflichtig ab 40 Min.
Sicherheit★ ★ ★ ★ ★★ ★ ☆ ☆ ☆☆ ☆ ☆ ☆
DSGVO-konform✔️*🚫🚫
ServerstandortwählbarUSA+Europaunklar
Verschlüsselung✔️ Ende-zu-Ende✔️ Ende-zu -Ende🚫 AES-128/ECB
Open Source✔️🚫🚫
Abratende InstitutionenKeineFraunhofer Institut,
Heise Online, Konsument,
Edward Snowden
Google,
NASA,
Space X,
Taiwan,
Deutschland,
Der Standard,
Computer Bild,
Werbefrei✔️🚫✔️
DownloadSofort starten am PC & Mac:
Jitsi (Server Uni Innsbruck)

Apps:
Android
iPhone/iPad
Skype für
PC,
iPhone/iPad,
Android
Zoom für
PC,
iPhone/iPad,
Android
Tabelle: Vergleich der Gratis-Video-Chat-Tools, die von Psychologen am häufigsten genannt werden.

Testergebnis

Der Testsieger unter den Gratis-Video-Chat-Tools ist eindeutig: 🏆 Jitsi bietet einfachste Bedienung, beste Sicherheit und ist mit dem richtigen Server auch DSGVO-konform. Nur 2 Details lassen Jitsi überhaupt hinter den kostenpflichtigen Anbietern zurückfallen:

  1. Auf dem Smartphone funktioniert Jitsi nur mit der Jitsi Meet-App. Der Klient muss also eine App installieren, wenn er sein Smartphone verwenden will.
  2. Einen offiziellen Kundendienst gibt es nicht.

Zoom und Skype sind hingegen keine Empfehlung wert. Ihr Einsatz ist allenfalls für den privaten Gebrauch OK. Im professionellen Umfeld – und dazu gehören auch Online-Beratungen und Therapien – sind sie fehl am Platz.

Anleitung: Gratis-Sieger Jitsi ausprobieren

Dauer: 1 Minute

  1. Aufrufen der Internet-Seite z. B. Jitsi-Server der Universität Innsbruck.
  2. Beliebigen Namen für das Meeting (=Video-Chat-Room) eingeben.
  3. Wenn nötig, den Zugriff auf Webcam und Mikrofon erlauben.
  4. Rechts unten den Link kopieren und an den gewünschten Gesprächspartner z. B. per E-Mail schicken.

Sonstige Anbieter

Beranet: Online-Beratungssoftware aus Deutschland

Der Name wird manchmal in Foren genannt. Das Unternehmen bietet mit assisto Lösungen für Beratungsprojekte an, Zielgruppe sind aber eher ganze Organisation als einzelne Selbstständige.

SVOBE – Sichere Video Online Beratung

Bietet eine komplette Lösung für den Einbau in die eigene Website mit Online-Terminkalender, Bezahlfunktion, unbegrenzte Sprechzeit, ab 29 €/Monat mit Mindestlaufzeit von 12 Monaten. Richtet sich nicht speziell an Psychologen oder medizinische Beratung.

Fairmeeting & Fairteaching

Das Vorarlberger Unternehmen fairkom ist ein Zusammenschluss von Open Source ExpertInnen. Es bietet den Betrieb von Servern für Jitsi (fairmeeting) und BigBlueButton (fairteaching) an. Preise ab 10 € und 69 € für eine 6-monatige Lehrveranstaltung mit CO2-neutralen Servern und Ökostrom. DSGVO-konform, Server in Österreich.

CLICKDOC Videosprechstunde

Ist seit März 2020 ein Angebot der CompuGroup Medical und richtet sich an alle Gesundheitsberufe (auch Psychologen) und kostet regulär 49,00 €/Monat. Ausführliche Vorschau hier, Anmeldung hier.

UPDATE: Test der Stiftung Warentest

Auch die Stiftung Warentest hat aktuelle Video-Chat-Programme getestet. Im Testbericht loben Sie

das gute und kostenlose Jitsi ist das einzige der zwölf geprüften Programme, das eine vollständige Nutzung … ohne Registrierung ermöglicht – ein Plus in puncto Datensparsamkeit.

Stiftung Warentest im Mai 2020

Wegen Datenschutzproblemen werten die Experten elf der zwölf getesteten Video-Chat-Programme ab, darunter auch Skype und Zoom.

Die Testkriterien

Was sollte ein professionelles Video-Chat-Tool leisten?

Kosten

positiv sind:

  • Eine Gratis-Testmöglichkeit vor dem Kauf: Sollte Standard sein, schließlich stehen die Tools in Konkurrenz zu Gratis-Angeboten (Zoom, Skype, WhatsApp), die schon eine große Verbreitung haben.
  • Ein Einsteiger-Tarif, der nach Nutzung abrechnet. Viele Psychologen und Psychotherapeuten betreiben niedergelassene und Online-Praxis parallel. Dann bleibt die Anzahl der Online-Einheiten pro Woche gering. Für sie ist es besser, nach Gesprächsminuten anstatt über eine feste Monatsgebühr abzurechnen.
  • Eine monatlichen Deckelung der Kosten ab z. B. 49,99 € hingegen ist für Viel-Nutzer interessant.

negativ sind:

  • Einrichtungsgebühren, vor allem wenn die Anmeldung gut automatisierbar ist (z. B. der Abgleich mit der Liste des Bundesministeriums) – UPDATE: seit 2020 verlangt kein Anbieter mehr Einrichtungsgebühren.
  • Mindestlaufzeiten, besonders wenn bereits eine Einrichtungsgebühr verlangt wird. Es ist immer zum Nachteil des Kunden, wenn noch für Monate bezahlen muss, die er nicht braucht – UPDATE: seit 2020 erlauben alle Anbieter eine monatliche Kündigung.

*Für die Beispielrechnungen wurde angenommen:

  • Einheiten dauern 50 Minuten
  • Einzelgespräche, also 2 Teilnehmer: Psychologe + Klient
  • Einrichtungsgebühren aliquot auf 12 Monate aufgeteilt
  • Umsatzsteuerpflicht angenommen

Beispiel: TheraPsy Connect: 0,032 €/Min. × 50 Minuten × 3 Einheiten/Woche × 4,5 Wochen/Monat = 21,60 €/Monat.

Bedienung

Ein Grund, warum sich Online-Beratung nur schwer durchsetzt ist, dass ein Video-Chat für technisch Unerfahrene doch eine Herausforderung sein kann. Das schreckt ab.

Deshalb muss der ganze Vorgang von Buchung über Bezahlung bis zum Gesprächsbeginn extrem einfach gestaltet werden. Jeder unnötige Zwischenschritt birgt die Gefahr, dass die Klienten entnervt und verärgert abbrechen, bevor die Online-Beratung überhaupt begonnen hat. Zwei Punkte sind für die Video-Chat-Software wichtig:

  1. Muss sich der Klient registrieren? Aus technischer Sicht ist das für einen Video-Chat nicht notwendig. Es genügt, wenn er auf einen Link klickt und der Link bereits die Anmeldedaten für den Klienten beinhaltet (als “Argumente” hinter dem “?” im Linktext). Der Psychologe muss sich bei kostenpflichtigen Tools jedenfalls während des Bezahlvorgangs Daten preisgeben. Hier sind Gratis-Tools im Vorteil – sowohl Klient als auch Psychologe können im Prinzip auf jede Registrierung verzichten.
  2. Muss eine App auf Smartphone oder Tablet installiert werden? Ein leidiges Thema, vor allem weil moderne Browser (Google Chrome, Firefox) einen Video-Chat perfekt ohne zusätzliche Software stemmen. Jede zusätzliche App auf dem Smartphone ist ein potenzielles Sicherheitsrisiko.

Funktionen

Es gibt wenige sinnvolle Zusatzfunktionen für Video-Chat-Software. Mit Bildschirm-Freigabe können Sie dem Gegenüber Ihren Computerdesktop zeigen, also z. B. Präsentationen vorführen, Bilder zeigen, Tabellen gemeinsam ausfüllen, gemeinsam Webseiten ansehen.

Die Möglichkeit eines Gruppen-Chats/Video-Meetings ist Voraussetzung für den Einsatz bei Gruppen-Supervision oder Selbsterfahrung. Hier lauert eine datenschutzrechtliche Falle: Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung realisieren viele Tools nur für die direkte Verbindung zwischen zwei Teilnehmern. Bei mehreren Teilnehmern werden Unterhaltungen auf den Servern des Anbieters entschlüsselt – eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist das nicht mehr.

Sicherheit

Ein kompliziertes Thema. Wichtig ist für die Datenschutzkonformität (DSGVO) jedenfalls, dass sich die Server des Anbieters in der EU befinden, ob in Deutschland oder Österreich ist egal.

Die Verschlüsselung Ende-zu-Ende (E2EE) bedeutet, dass die Daten von Videobild und Tonspur über alle Übertragungsstationen hinweg verschlüsselt sind. Nur die beiden Gesprächsteilnehmer können die Nachricht entschlüsseln. Dann können auch Telekommunikationsanbieter, Internetprovider und sogar der Anbieter der Software nicht mitsehen und -hören. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist absolute Pflicht.

Open Source bedeutet, dass der Quelltext einer Software öffentlich ist und von Dritten eingesehen werden kann. Damit ist sie potenziell sicherer, leichter prüfbar auf Sicherheitslücken oder ungewollte Mechanismen wie Backdoors. Open Source ist wünschenswert aber nicht Voraussetzung für hohe Sicherheit.

Von Anbietern, die in der Vergangenheit schon durch Datenpannen aufgefallen sind, sollte man sich jedenfalls fernhalten.

Werbefreiheit

Für einen professionellen Eindruck ist es selbstverständlich, dass die Software vor, während und nach dem Gespräch keine Werbung einblendet.

Ein heikler Punkt ist, wenn der Anbieter der Video-Chat-Software gleichzeitig eine Plattform zur Vermittlung von (anderen) Psychologen ist. Wenn Sie etwa Instahelp als Video-Chat-Plattform verwenden, stellen Sie sich automatisch in Konkurrenz mit allen anderen Psychologen, die dort ihre Dienste anbieten. Schließlich sind sie dann in den Augen Ihres Klienten einer der Instahelp-Psychologen. Es kann schwierig werden, Ihren gewünschten Preis durchzusetzen, wenn die Plattform sie deutlich unterbietet.

Ebenso ungeschickt ist es aus Marketing-Sicht, wenn Sie den potentiellen Klienten von Ihrer eigenen Website auf die Buchungsstrecke auf der Plattform-Seite weiterleiten. Sie haben hart dafür gearbeitet, dass der Klient Sie gefunden und gewählt hat. Es gibt keinen Grund, ihm noch Ihre Berufskollegen vorzuführen.

Deshalb ist es besser, wenn der Anbieter der Video-Chat-Software keine Plattform für psychologische oder psychotherapeutische Dienste anbietet.

Tipps für Webcam und Headset

Wenn Sie einen PC zur Online-Beratung verwenden – und das hinterlässt definitiv den besten Eindruck bei Ihrem Klienten – dann benötigen Sie für optimale Video- und Sprachqualität eine Webcam und ein Headset.

Empfehlung beste Webcam: Logitech C922 Pro

Full-HD-Auflösung und 30 Bilder/Sekunde sowie Autofokus und problemlose Einrichtung unter Windows 10. Die Klipp-Konstruktion hält die Kamera stabil an jedem Bildschirm und lässt die Kamera auch noch im richtigen Winkel ausrichten.

Preis: ca. 80 € bei Amazon

Empfehlung bestes Headset: Sennheiser PC 3.2

Obwohl die Logitech-Webcam ein integriertes Mikrofon besitzt, empfehle ich dringend die Verwendung eines Headsets aus 2 Gründen:

  1. Je näher das Mikrofon am Mund liegt, desto klarer wird der Ton beim Gegenüber ankommen. Je weiter weg, desto mehr Nebengeräusche, Eigenrauschen und Schallreflexionen kommen beim Gesprächspartner an.
  2. Wenn Sie die Stimme des Gesprächspartners über Lautsprecher hören, nimmt ihr eigenes Mikro diese Stimme wieder auf und sendet sie dem Gesprächspartner. Das führt zu einem unangenehmen Echo oder zu schrillem Feedback-Geräuschen. Bitte ersparen Sie Ihrem Klienten so eine unprofessionelle Situation. Die Stimme sollten Sie über die Lautsprecher des Headsets hören.

Preis: ca. 50 € bei Amazon

FAQ zu Software für psychologische Online-Beratung

Sind kostenpflichtige Tools besser als Gratis-Tools wie Skype und Zoom?

Ja, besonders bezüglich Datenschutz sind Therapsy oder Instahelp Online-Praxis besser. Das Gratis-Tool Jitsi ist unter Umständen allerdings eine gute Alternative.

Wie kann ich die Bild-Qualität verbessern?

Mehr Licht! Webcam und Smartphone-Kamera tun sich schwer bei schwachem Licht. Stellen Sie am besten eine zusätzliche Lichtquelle schräg vor sich mit recht viel Abstand – das wirkt am schmeichelhaftesten.

Wie kann ich die Ton-Qualität verbessern?

Benutzen Sie ein Headset oder externes Mikrofon anstelle von jenem, das in der Webcam eingebaut ist. Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung.

Warum ruckelt und unterbricht mein Video-Chat!

Wichtig ist, dass Sie eine stabile Internetverbindung herstellen. Für Aussetzer, Verbindungsabbrüche und Tonprobleme ist in den allermeisten Fällen nicht der Anbieter schuld. Seine Server sind leistungsfähig und zuverlässig, die Internetverbindungen zu Ihnen und zu Ihrem Klienten sind es oft nicht.

Die beste Lösung ist, den PC oder Laptop mit einem LAN-Kabel (auch “Netzwerk-Kabel”) direkt mit dem Router zu verbinden. Das garantiert, dass die Verbindung zum Router nicht abbricht.

Die zweitbeste Lösung ist, per WLAN mit dem Router verbunden zu sein. Hier spielt die räumliche Entfernung eine große Rolle, bleiben Sie nahe am Router, auch dazwischen stehende Wände verschlechtern das Signal.
Eine Internetverbindung nur über das Mobilfunknetz ist nicht empfehlenswert.

Sollte die Verbindung im Chat zusammenbrechen oder zusehends schlechter werden, können Sie sich übergangsweise mit einem Telefonanruf behelfen. Lassen Sie die Videoverbindung an, hören Sie sich aber über die Telefonverbindung. Ruckler und Aussetzer im Videobild stören kaum, Aussetzer im Ton lassen kein vernünftiges Gespräch mehr zu. Trotzdem wieder so bald wie möglich zurückwechseln, Ende-zu-Ende verschlüsselter Video-Chat ist sicherer als ein Telefonanruf.

Dr. Armin Kaser

Ich bin Psychologe in Innsbruck, spezialisiert auf Computerspiel-Sucht und biete dazu die Online-Sprechstunde per Video-Chat an.

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