ARD Video: SĂŒchtig nach Computerspielen | Frontal 21

Das Investigativmagazin Frontal 21 berichtet in einem kurzen Beitrag ĂŒber Computerspiel-Sucht. Anhand zweier junger MĂ€nner wird klar, wie eine Computerspiel-Sucht im Gegensatz zu normalem Spielen aussieht.

Leider ist das Video in der offiziellen Mediathek nicht mehr verfĂŒgbar. Versuche das Video auf YouTube zu finden.

Konradin, heute 17 Jahre alt, erfĂ€hrt von 2 Freunden das erste mal von League of Legends. “Es ist ein cooles Spiel, probier es doch mal aus.“ Heute spielt er ungefĂ€hr 4 Stunden am Tag. Seine Eltern finden, dass er zu viel spielt.

„Deshalb meckern sie. Ich persönlich finde, dass wenn ich meine Hausaufgaben erledigt habe und nichts anderes mehr zu tun, habe dann kann ich auch spielen, als FreizeitbeschĂ€ftigung.“

Konradin, 17 Jahre

Werden Hobbys vernachlÀssigt?

4 Stunden am Tag sind ein großer Teil seiner Freizeit. Trotzdem hat er neben dem Computerspielen viele zeitintensive Hobbys, die er nicht vernachlĂ€ssigt. Er geht weiterhin ins Fitnessstudio, nimmt Bass-Unterricht und auch das tĂ€gliche Abendessen mit der Familie hat fĂŒr ihn PrioritĂ€t.“

„Wenn ich weiß, dass es um acht Abendessen gibt, fange ich um sieben kein Spiel mehr an.“

Konradin, 17 Jahre

Das klingt gesund. Konradins Leben hat sich trotz der langen Spielzeit nicht verÀndert. Auch nach neueren Kriterien der Computerspiel-Sucht ist er clean. Am wichtigsten ist, dass das Computerspielen ihn nicht von seinen Freunden, seinen Hobbys und seinen Schulleistungen abbringt.

Echte Computerspiel-Sucht sieht anders aus

Anders hört sich das bei Tobias an. Heute ist er 28 Jahre alt. Er erinnert sich, dass seine Computerspiel-Sucht in einer schwierigen Phase seines Lebens begonnen hat. Beim Wechsel auf das Gymnasium verlor er Anschluss an seine Freunde. In seiner neuen Klasse auch neue Freunde zu finden ist ihm nicht gelungen.

Als ihm ein Freund dann World of Warcraft zeigt, fĂ€ngt er an, sich zurĂŒckzuziehen.

„Ich habe mich damals wie in einer anderen Welt gefĂŒhlt, es hat mir auch sehr gutgetan, positive Erfahrungen zu machen. Das waren wunderschöne Erlebnisse, ich habe Herausforderungen gemeistert. Im Spiel habe ich das gefunden, was ich gesucht habe.“

Tobias, 28 Jahre, war internetsĂŒchtig, seit 2013 spielfrei

Durch die positiven Erfahrungen im Computerspiel geraten die Probleme im Real-Life in den Hintergrund. FĂŒr ihn ist nur mehr das Online-Rollenspiel wichtig, alles andere ist ihm egal.

Der Übergang vom Vielspieler zum SĂŒchtigen passiert schleichend

Die Spielzeit steigert sich allmĂ€hlich, unmerklich. Er spielt viel in der Nacht, steht immer spĂ€ter auf. Er zeigt Anzeichen einer Depression, vernachlĂ€ssigt seinen Körper, hat kaum noch Kontakt nach draußen. GlĂŒcklicherweise wird ihm irgendwann klar, dass es so nicht weitergehen kann. Er holt sich professionelle Hilfe in einer Tagesklinik.

Ihm hilft, dass Computerspiel-Sucht sehr gut heilbar ist. Depressionen oder soziale Phobien, die sich oft im Hintergrund einer Computerspiel-Sucht finden, sind gut mit Psychotherapie, Psychopharmaka, Familientherapie und pĂ€dagogischen Maßnahmen zu behandeln.

Trotzdem ist es ein langer Weg, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Auch nach dem Entzug mĂŒssen die Patienten den Umgang mit dem Computer managen. Außerdem gehen durch eine Sucht oft Jahre der persönlichen Entwicklung verloren, Jobaussichten können sich durch BrĂŒche in der Schule oder Ausbildung verschlechtern. Vor diesen Folgen warnt Tobias heute, wenn er VortrĂ€ge an Schulen ĂŒber Computerspiel-Sucht hĂ€lt.