Warum sind Männer (und Jungs) eher betroffen als Frauen?

Die meisten Untersuchungen zeigen, dass Computerspiel-Süchtige zum Großteil männlich sind. Auch in Beratungsstellen suchen zu 96% männliche Süchtige nach Hilfe. Warum?

Geschlecht Unterschiede Gender Computerspiel-Sucht

Das Ungleichgewicht ist für psychische Erkrankungen nicht ungewöhnlich. So ist Magersucht eher weiblich, die antisoziale Persönlichkeitsstörung trifft eher Männer. Für Computerspiel-Sucht liegt das Verhältnis männlich:weiblich bei 9 zu 1. Die Erklärung dafür liegt in erster Linie an den Vorlieben der beiden Gruppen.

Computerspiele für Männer machen eher abhängig

Jene Computerspiele, die am ehesten süchtig machen, sind besonders auf die Bedürfnisse der männlichen Nutzer zugeschnitten. Kriegerische und Wettkampfelemente sind grundlegend in Online-Rollenspielen – und genau diese Elemente und Spiele kommen bei den männlichen Spielern besser an als bei den weiblichen.

Typische Spiele mit viel Wettkampf sind etwa Sportspiele wie die Fifa-Serie. Während 2018 das Spiel Fifa 19 das meistverkaufteste Spiel Deutschlands war, spielen nur 2 % der weiblichen Spieler die Fußballsimulation. Auch Taktische Shooter (4 %) und First-Person Shooters (7 %) werden von Frauen gemieden.

Jungsspiele vs. Mächenspiele

Frauen und Mädchen dagegen wählen oft Spiele mit gestalterischen Elementen. Sie sind (noch) geringer verbreitet und in vielen Belangen nicht so ausgereift. Je besser Spielkonzept, Umsetzungen und In-Game-Möglichkeiten, einer Community beizutreten, desto größer ist das Suchtpotential. In dieser Hinsicht hinken etwa Aufbauspiele, Match 3-Spiele (z. B. Tetris, Dr. Mario, Candy Crush), Family/Farm Sims der Entwicklung weit hinterher. Ihr Suchtpotential ist (zumindest derzeit) deutlich geringer.

Die ungleiche Verteilung verschwindet aber, wenn man Internet-Sucht, also Sucht nach sozialen Netzwerken mit betrachtet. Die PINTA-Studie zeigte, dass bei Internet-Sucht beide Geschlechter gleich häufig betroffen sind.

Fazit

Computerspiel-Sucht bleibt vorerst also eher männlich.