Buch: Die Smartphone-Epidemie von Manfred Spitzer

Der bekannte Psychiater Manfred Spitzer setzt sich im Nachfolger des heftig diskutierten Buches „Digitale Demenz“ gewohnt kritisch, aber wissenschaftlich gut fundiert mit den Folgen der Digitalisierung auseinander.

Viele Kritiker stellen ihn für seine Bücher „Digitale Demenz“ und „Cyberkrank“ in die radikale Ecke. Dazu tragen auch seine ziemlich streitlustigen Auftritte in Talkshows bei.

Ungeachtet dessen sind seine Bücher eine lobenswerte Ausnahme in der Diskussion um Smartphones, Internet- und Computerspiel-Sucht. In einer Diskussion, die auf beiden Seiten viel von Vorurteilen und reflexhaften – „ich glaube, dass…“ – geleitet ist, belegt er seine Thesen akribisch mit Studien und wissenschaftlichen Untersuchungen.

Übermäßiger digitaler Medienkonsum hat Folgen

In „Die Smartphone-Epidemie“ konzentriert er sich diesmal auf die Folgen, die iPhone, Android und Apps auf unseren Alltag, aber auch auf unser Gehirn, unsere Emotionen, unser Fühlen und Denken haben.

Er zeichnet ein Bild der “Smobies” (eine Wortschöpfung aus Smartphone + Zombies), berichtet von dem Anstieg der Kurzsichtigkeit von 5 auf 90 %, von verdoppelten Suizidraten bei US-amerikanischen Mädchen und politischer Beeinflussung bei Trump und Brexit.

Belegt durch renommierte Quellen

Sein Buch „Die Smartphone-Epidemie“ ist eine Übersicht, eine Zusammenfassung unzähliger wissenschaftlicher Erkenntnisse, veröffentlicht von seriösen Forschern in renommierten Fachzeitschriften wie „Nature“ und „Science“. Er versucht, den oft zitierten wissenschaftlichen Elfenbeinturm zu verlassen, und die Wahrheit der Folgen von Smartphones für jedermann verständlich zu machen.

Spitzer gefällt sich in seiner Rolle als Kämpfer und – trotz überzeugender Belege – immer noch als Außenseiter in der politischen Diskussion. Ihm gegenüber stehen mächtige Lobbyverbände, Unternehmen und eine Branche, die Milliarden verdient.

Gegen die Digitalisierung des Klassenzimmers

Sein größter Gegner ist jedoch die Digitalisierung des Klassenzimmers. Erwachsenen Smartphone-Usern darf man Mitverantwortung für den eigenen digitalen Konsum zumuten. Die Nutzung der digitalen Medien in der Freizeit soll ebenso am Ende die persönliche Freiheit jedes Einzelnen sein.

Wenn das Lernen von Schüler durch erzwungene digitale Scheininnovation beeinträchtigt wird, ist das aber eine Katastrophe mit Ansage: für Lehrer, Schüler, Eltern und am Ende für die Gesellschaft als Ganzes.

Großes Risiko – kein erkennbarer Nutzen

Zu Recht warnt Spitzer vor den großen Gefahren, wenn Smartphone und Tablet – ohne erkennbaren Nutzen – den Schulalltag torpedieren.

Fazit

Angesichts der überwiegend und unkritisch positiven Stimmung gegenüber der Digitalisierung, der großen Macht der Lobby und der politischen Inkompetenz scheint sein Kampf oft aussichtslos.

Dabei hat er aber den besten Trumpf in der Hand: gut recherchierte wissenschaftliche Belege. Und sein Buch ist voll davon.